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Amazon bläst mit AdTech-Kauf zum Angriff auf Google

Amazon kann als nunmehriger AdTech-Anbieter auf Synergien bauen, die Google nur begrenzt bieten kann.
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Zumindest auf dem US-amerikanischen Markt ist der digitalwerberische Kampf von Amazon und Google damit offiziell eröffnet: Amazon bestätigte am Wochenende Gerüchte, wonach man die insolvente AdTech-Plattform Sizmek gekauft habe. Als Werber hat Amazon im Vergleich zu Google einige Asse im Ärmel.

"Amazon kauft Sizmek Ad Server und Sizmek DCO" (Dynamic Creative Optimization) lautet der Titel des Posts im Unternehmensblog, der den Spekulationen ein Ende bereitete. Sizmek hatte sich für eine "Chapter 11"-Insolvenz nach US-Recht angemeldet, die nur begrenzt mit Insolvenz nach europäischem Recht vergleichbar ist. Die defizitären Demand-Side- und Datamanagenment-Plattform-Töchter waren bereits zuvor vom Datenpooler Zeta übernommen worden. Der Kaufpreis für die verbleibenden profitablen Sizmek-Filets lag dem Vernehmen nach bei 30 Millionen Dollar, und damit rund 20 Millionen Dollar unter dem von Sizmek erhofften Kaufpreis.

Sizmek ist vor allem im US-Markt neben Google einer der gewichtigsten Player in Sachen Digitalwerbung. Amazon kann als nunmehriger AdTech-Anbieter jedoch auf Synergien bauen, die Google nur begrenzt bieten kann. Dabei geht es vor allem um Amazons eigene Datenbanken und das damit mögliche Targeting, was Buchungen bei Sizmek zum nunmehr umso attraktiveren Angebot macht. Dass Sizmek und Amazon zusammenwachsen sollen, lässt sich aus der Formulierung in dem Blogpost schließen, wonach Sizmek nach Abschluss des Kaufs "vorerst" unabhängig von Amazon Advertising arbeiten solle.

Zudem steht Amazon auch wieder am Ende der Linie von Profiteuren des Deals. Mit seiner dominanten Rolle im E-Commerce bedeutet digitale Werbung zu einem Gutteil, dass Kunden beworbener Produkte am Ende wieder bei Amazon landen, um diese zu kaufen - oder, wie es der Datenexperte Jon Bond gegenüber dem US-Branchenblatt AdAge formulierte: "Normalerweise zahlt man, um Traffic auf seine Site zu bekommen, aber Amazon wird Geld damit verdienen, den Traffic auf seinen Store zu leiten". Amazon komme damit nahe an eine Monopolstellung, weshalb der größte Gegner unter Umständen nicht Google, sondern die US-Regierung sei.

 

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