Horizont Newsletter

Aufbruch ins digitale Radiozeitalter

© Adobe Stock / Maksym Yemelyanov

Heute, am 28. Mai, fällt der Startschuss für den bundesweiten Ausbau von DAB+. In drei Stufen soll Österreich Digitalradio-fit werden. Die beteiligten Player geben sich optimistisch zu neuen Angeboten und Zielgruppenakzeptanz.

Dieser Bericht ist zuerst in Ausgabe Nr. 21/2019 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Die Digitalisierung hat die heimische Medienlandschaft längst erfasst, das wagt niemand mehr zu bestreiten. Nun findet sie auch in der Radiolandschaft einen weiteren kräftigen Niederschlag. Kommenden Dienstag startet der schrittweise nationale Ausbau von DAB+. Neun weitere Radiostationen sind zum Start bundesweit über den digitalen Hörfunkstandard empfangbar: Neben Klassik Radio, Radio Energy und Radio 88.6, die bereits jetzt lokal analog-terrestrisch zu hören sind, werden zunächst Rock Antenne, jö.live, Technikum One, Arabella Plus, Radio Maria und ERF Plus auf DAB+ national on air gehen.

Wolfgang ­Struber, Vorstand des Vereins Digitalradio Österreich, sieht in der nationalen Erweiterung „Meinungs- und Medienvielfalt sowie Themenangebote. Das ist vor dem Hintergrund der wenigen national empfangbaren Sender ein echter Schub an Programmvielfalt am Radiomarkt in Österreich“. Der DAB+-Ausbau würde das Medium zudem fit für die Zukunft machen: „Mit dem innovativen Radiostandard wird die kostenlose Versorgung mit Radioangeboten österreichweit zukunftsorientiert und nach einem europäischen Standard abgesichert“, so Struber.

Auch VÖP-Geschäftsführerin ­Corinna Drumm sieht im Ausbau einen vielfältiger werdenden Radiomarkt, den sie vorwiegend den Privaten zuschreibt: „Zu verdanken ist die Vergrößerung des Radioangebots dem Engagement privatwirtschaftlicher Unternehmen, die den Aufbau dieses neuen Markts initiiert haben und vorantreiben. Dies zeigt einmal mehr, dass Innovation im österreichischen Radiomarkt von Privatsendern vorangetrieben wird – ähnlich wie beispielsweise der Launch des Radioplayer Österreich“. Die ORF-Radios wie auch kronehit sind bei DAB+ wie berichtet vorerst nicht mit an Bord.

Ausbau-Stück in drei Akten
In drei Ausbauphasen erfolgt die bundesweite Versorgung mit DAB+ (siehe Grafiken), nach 15 Monaten sollen dann bereits 80 Prozent der Bevölkerung digitales DAB+ Radio empfangen können. Mit der am 28. Mai startenden ersten Ausbauphase werden die Ballungsräume Wien, Graz und Linz mit insgesamt sechs Sendeanlagen versorgt, auch das einwohnerstarke Rheintal in Vorarlberg ist dabei. Damit können etwa 60 Prozent der österreichischen Bevölkerung DAB+ empfangen. Am 31. März 2020 geht der Ausbau mit drei Sendeanlagen in Salzburg-Gaisberg, St. Pölten-Jauerling und Innsbruck-Patscherkofel in die zweite Runde. Die Versorgungsquote steigt damit auf 70 Prozent. In Phase drei – bei einer Grundversorgung von nunmehr 80 Prozent – werden insbesondere der Süden und der Südosten von Österreich mit DAB+-Radio versorgt beziehungsweise die Signale verdichtet.

Dazu sollen am 22. September 2020 die vier Sendeanlagen Klagenfurt-Dobratsch, Rechnitz-Hirschenstein, Wolfsberg-Koralpe und Bruck an der Mur-Mugel für DAB+ in Betrieb genommen werden. Betreiber für die bundesweite DAB+-Multiplex-Plattform ist die ORS. Geschäftsführer Michael Wagenhofer gibt sich zu den Ausbauplänen ambitioniert und streicht einen Benefit für die Radiosender hervor: „Innerhalb von zwei Jahren soll die Netzversorgung beginnend in Wien über Linz, Graz und Bregenz auf alle Landeshauptstädte samt Umland ausgerollt werden. Damit eröffnen wir den an DAB+ teilnehmenden Privatradioveranstaltern eine Reichweite, die mangels freier Frequenzen mit dem UKW-Standard nicht möglich wäre. Dadurch stellt die ORS-Gruppe den Radioanbietern neben der flächendeckenden UKW-Versorgung ein interessantes Zusatzangebot zur Verfügung“.

Einem Ausbau nach Plan blickt der Infrastruktur-Betreiber optimistisch entgegen und verweist auf den seit April 2016 laufenden Testbetrieb in Wien und Umgebung. „Die daraus gewonnenen Erfahrungen gewährleisten den reibungslosen DAB+-Betrieb zum Start“, führt Wagenhofer aus. Der ORS-Geschäftsführer sieht keinen weiteren Adaptionsbedarf.

Schrittweise Hörerakzeptanz
Die eigentlichen Herausforderungen für die Radiomacher beginnen für RTR-Medien-Geschäftsführer Oliver Stribl mit dem Start des neuen Angebots: „DAB+ bietet hinsichtlich der Klangqualität oder bei Katastrophenwarnungen unbestreitbare Vorteile, aber UKW und DAB+ werden, neben Radio aus dem Internet, noch auf lange Sicht parallel am Markt existieren.“ Auch der Markt selbst sendet erste positive Signale in Richtung DAB+. „Der Umsatz mit DAB+-Geräten stieg im vergangenen Jahr auf dem Gesamtmarkt Österreich um 77 Prozent und hat allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres noch einmal um weitere knapp 66 Prozent zugelegt“, berichtet Gerald Kneisz, Teamchef Einkauf Braunware beim Elektro-Einzelhändler MediaMarktSaturn.

0 Kommentare

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online

Das könnte Sie auch interessieren