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EU-Wahlprogramme: Parteien schreiben am Bürger vorbei

Die Einleitungstexte der EU-Wahlprogramme der Parteien waren häufig verständlicher formuliert als die Themenkapitel.
© AdobeStock/Jelle van der Wolf

Die heimischen Parteien schneiden mit Blick auf ihre formale Verständlichkeit bei der anstehenden Europawahl noch einmal schlechter ab als bei der Nationalratswahl im Jahr 2017.

Dass die Wahlprogramme der Parteien zur Europawahl heute nach wie vor für viele Wähler unverständlich sind, ist das Ergebnis einer Analyse von Kommunikationswissenschaftern der Universität Hohenheim in Stuttgart und der heimischen clavis Kommunikationsberatung. Mit Hilfe einer Analyse-Software fahnden die Wissenschaftler nach überlangen Sätzen, Fachbegriffen und Fremdwörtern. Anhand dieser und weiterer Merkmale bilden sie den „Hohenheimer Verständlichkeitsindex“ (HIX). Er reicht von 0 (schwer verständlich) bis 20 (leicht verständlich).

Am verständlichsten ist demnach das Wahlprogramm der SPÖ (11,2 Punkte), gefolgt von der ÖVP (8,8 Punkte) und den Grünen (7,5 Punkte). Das Schlusslicht zur Europawahl 2019 bildet das Programm der NEOS, welches nur 5,9 Punkte erreichte und damit laut den Analysten fast so schwer verständlich ist wie eine wissenschaftliche Doktorarbeit. Die FPÖ dagegen hat für die Europawahl kein offizielles Wahlprogramm vorgelegt und konnte damit in der Analyse nicht berücksichtigt werden. Schriftliche Aussagen der Freiheitlichen zu Europa finden sich nur in Broschüren und Online-Medien.

"Damit die Wähler eine begründete Wahlentscheidung treffen können, sollten Parteien ihre Positionen klar und verständlich darstellen. Die Grundlage dafür bildet das Wahlprogramm, aus dem alle anderen Kommunikationsmittel wie Broschüren oder Webseiten abgeleitet werden," so Frank Brettschneider, der mit seinem Team regelmäßig Wahlprogramme untersucht.

SPÖ verwendet negativste Sprache

Auch die Tonalität der Programme wurde untersucht. Hier geht darum, herauszufinden, ob in den Texten eher positive oder negative Wörter verwendet werden. In Österreich haben die NEOS und die ÖVP die positivste Sprache. Die negativste Sprache findet sich im Programm der SPÖ. "Das Ergebnis der SPÖ ist etwas überraschend", analysiert Brettschneider: "Unsere Trends zeigen, dass insbesondere die Parteien an den politischen Rändern eine tendenziell negative Tonalität haben."

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