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ORF-Player im Anflug

Der ORF präsentierte erste Darstellungsvarianten zum neuen ORF-Player.
© ORF/Darstellungsvariante

Spätestens mit Ende des Jahres soll der neue ORF-Player online gehen, der auch als rot-weiß-rotes soziales Netzwerk fungieren soll.

„Alles, was im aktuellen gesetzlichen Rahmen möglich ist, soll im Laufe des Jahres, spätestens bis Jahresende online gehen.“ ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz nannte am  Mittwoch erstmals einen konkreten Zeitplan für die erste Phase des neuen ORF-Players, der die größte strategische Weiterentwicklung des Online-Bereiches seit dem Launch von orf.at im Jahr 1997 darstellt. Wrabetz bezifferte die Entwicklungskosten dafür im einstelligen Millionenbereich.

Online-First/Only

Im Rahmen eines Hintergrundgespräches präsentierten Wrabetz und Franz Manola, Leiter ORF-Plattformmanagement, erste Details des neuen Players: Der Streaming-Bereich bildet dabei das Herzstück, in dem alle bestehenden TV- und Radioprogrammes des ORF rund um die Uhr zusammenlaufen sollen. Unter dem  Schlagwort „Online-First“ sollen zudem künftig Produktionen online gehen, die noch nicht im linearen Angebot des ORF zu sehen waren, weiters wird es auch Angebote geben, die nur im ORF-Player zu sehen sein werden. Die zeitliche Beschränkung von sieben Tagen ab Austrahlungsdatum soll laut Wrabetz fallen, darüber sei man sich in Österreich aber sowieso schon einig. Weiters sind ein Sport- und ein Kid-Screen, ein  Audio- und Topos-Bereich  (Inhalte aus Kultur, Religion, Wissenchaft) geplant, der die jeweiligen Interessensgebiete bündelt.

Doch der ORF-Player soll auch unter dem Schlagwort „Open Space“ für andere Marktteilnehmer geöffnet werden. Content von third parties soll hier Platz für mutige Pilotierungen von neuen, aus programmwirtschaftlicher Perspektive riskanten Formaten bieten, um junge Zielgruppen anzusprechen.

Rot-weiß-rotes Facebook

Eines der Herzstücke aus der Sicht von Manola ist der Social Programm Guide, der über die normale Anzeige des TV-Programms weit hinausgehen und zur interaktiven Social-Media-Plattform werden soll. „Wir wollen einen relevanten Teil aus den bisherigen sozialen Netzwerken zur neuen ORF-Plattform entreißen“, so Manola. Der neue Österreich-Login soll hier bereits zur Anwendung kommen.

Gesetzesänderungen notwendig

Manche Vorhaben brauchen nach Ansicht des ORF eine sogenannte Auftragsvorprüfung durch die Medienbehörde, entsprechende Vorschläge will man demnächst der KommAustria unterbreiten. Und manches ist vom geltenden ORF-Gesetz nicht gedeckt. Heikel wird es etwa bei "online first" oder gar "online only"-Inhalten sowie Archivmaterial. Auch einen Wegfall der Beschränkungen für mobile Geräte wünscht sich der ORF für sein Unterfangen.

An einem Konzept wie dem ORF-Player führe aber kein Weg vorbei, erklärte Wrabetz. Er verwies auf die rasante Veränderung des Video-Nutzungsverhaltens vor allem bei den Jungen und auf die Dominanz internationaler Online-Plattformen. Der ORF und die europäischen Medien müssten einen "kleinen Beitrag" gegen diese Dominanz leisten und "von einem reinen linearen Broadcaster zu einer Content-Plattform werden". Wobei: "Unsere Aufgabe ist es, beides zu bedienen", auch "unser klassisches Legacy-Produkt, die Fernseh- und Radioprogramme".

"Es geht um mehr", so Wrabetz: Der Gesetzgeber müsse sich fragen, "wie kann er unser Projekt, den ORF fit zu machen für die Plattformzukunft, unterstützen." Speziell wird daher die Erweiterung des Online-Auftrags um ein „Zugangsportal für öffentlich-rechtliche Inhalte“ angestrebt.

[Michael Fiala]

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