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Europas Nachrichtenagenturen diskutierten Kampf gegen Desinformation

Eine in Berlin präsentierte Studie der London School of Economics wies Agenturen die Rolle der vertrauenswürdigsten Nachrichtenquellen zu.
© EANA

Die EANA (European Alliance of News Agencies), in der auch die heimische APA vertreten ist, widmete ihre diesjährige Frühlingskonferenz in Berlin der Frage, wie Nachrichtenagenturen den Kampf gegen Desinformation in - auch monetäre - Vorteile für sich selbst ummünzen können.

Nach Grußworten von EU-Kommissar Günther Oettinger, in denen er den Wert von Massenmedien - und damit auch Nachrichtenagenturen - für die Demokratie unterstrich, ging EANA-Präsident und dpa-CEO Peter Kropsch gleich in medias res: Die EANA sei durch ihre Struktur nicht nur geschaffen dafür, Europas Nachrichtenagenturen in eine "sinnhafte und ertragreiche Zukunft" zu führen, sondern angesichts der herrschenden Umstände auch dafür, Mitgliedern, die "unter Feuer geraten", zur Seite zu stehen. EANA-Generalsekretär Alexandru Giboi verwies auf eine Studie der EANA und der London School of Economics, wonach gerade Nachrichtenagenturen als "vertrauenswürdigste Informationsquellen im Medienumfeld" gelten und es diese Rolle auch zu kommunizieren gelte.

In wirtschaftlicher Hinsicht setzten die Konferenzteilnehmer große Hoffnungen in die EU-Urheberrechtslinie. Die europäische AFP-Direktorin Christine Buhagiar formulierte, zum ersten Mal sei der Content von Nachrichtenagenturen dadurch "wirklich Geld wert" - dies freilich angesichts grassierender Desinformation mit noch zusätzlich erhöhter Sorgfalt, um den Status als vertrauenswürdige Informationsquelle nicht zu verspielen. "Misinformation wird nicht verschwinden. Deshalb ist es wichtig, dass alle Newsrooms eine wirkliche Faktencheck-Kultur entwickeln", forderte etwa Phil Chetwynd, Global News Director bei AFP.

Vorschlag für paneuropäischen News-Pool

Im Branchenaustausch wurden verschiedene Methoden diskutiert, um sich im Faktencheck nicht organisatorisch und personell aufzureiben. Stefan Voss, bei der dpa für den Faktencheck letztverantwortlich, unterstrich dabei die Bedeutung vor allem der Entscheidung, welche Nachrichten man überprüfe. Darüber hinaus wurden auch technische Neuerungen vorgestellt, etwa das neue Photo Tracking System von Anadolou, das auch erlaube nachzuverfolgen, wo, wann und wie Bildcontent der Agentur verwendet werde. Einen paneuropäischen Informationspool schlug schließlich PAP-CEO Wojtek Surmacz vor, damit die Medien als Kunden auf alle europäischen Nachrichteninformationen "an einem einzigen Platz" zugreifen könnten.

Dass der Kampf gegen Desinformation auch im politischen Interesse Europas liege, betonte EU-Kommissionssprecher Margaritis Schinas, der harte Strafen auch für politische Kräfte ankündigte, die angesichts der kommenden EU-Wahlen DSGVO-Verstöße zu verantworten hätten. Jenni Sargent, Managing Director der Organisation "First Draft", nahm gerade auch Newsrooms vor dem Urnengang in die Pflicht: Zusammenarbeit über ganz Europa hinweg sei das Gebot der Stunde, damit als Ziel "alle Journalisten wissen, wie man die Bedrohungen und Taktiken hinter Desinformations identifiziert und verantwortungsvoll darüber berichtet, ohne eine weitere Verstärkung von Unwahrheiten oder Verschwörungen zu riskieren".

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