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Demner, Rönnfeld & Merzel

"Diegitale" (sic!) Power nennt Mariusz Jan Demner die Geschäftsführung der DMB-Holding mit Melanie Rönnfeld (li) und Moana Merzel.
© DMB

Mariusz Jan Demner denkt nicht ans Aufhören, treibt den Umbau seiner Agentur mit neuer Holding-Geschäftsführung aber kräftig voran. Das rückt Digital stark ins Herz von DMB, etabliert neue (Streit-)Kulturen und mischt auch den Kundenstock kräftig durch.

Dieser Bericht ist zuerst in Ausgabe Nr. 13/2019 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Mariusz Jan Demner hat sichtlich Freude. „Wie lange ich vorhabe das zu machen? Solange ich Spaß daran habe, und den habe ich – durchaus fit – wie am ersten Tag.“ Und dennoch zeigt sich seine mittlerweile 50 Jahre alte Agentur in völlig anderem Licht als am ersten Tag. „Merlicek“ und „Bergmann“ in Person von Franz Merlicek und Harry Bergmann sind bekanntermaßen mittlerweile nur noch im prestigeträchtigen Namen Demner, Merlicek & Bergmann präsent, der vor eineinhalb Jahren eingeleitete Change-Prozess mündet nun in weiteren konkreten Schritten.

Die den Agenturmarken übergeordnete DMB-Holdinggesellschaft führen neben Demner selbst ­Melanie Rönnfeld und Moana Merzel – laut Firmenbuch seit Ende Februar dieses Jahres als Geschäftsführer. „Durch die Neuaufstellung und den Change-Prozess, den wir vor eineinhalb Jahren eingeleitet haben, hat sich bereits abgezeichnet, dass diese Agentur eine neue und zeitgemäße Führung braucht“, so Demner. „Diese Agentur predigt nicht Wasser und trinkt Wein, sondern wird gemeinsam mit Joachim Krügel und mir tatsächlich durch eine starke weibliche Geschäftsführung repräsentiert.“ Verstärkt durch Katharina Schmid in der Agentur-Geschäftsleitung und Inez Czerny als Agenturleiterin der Media1.

Wie Demner bereits im Mai des Vorjahres gegenüber HORIZONT bekräftigte, soll sich die Agentur von einer inhabergeführten zu einer inhabergelenkten Gruppe transformieren. „Dinge zu verändern, die sich 50 Jahre lang festgesetzt haben, ist essenziell und funktioniert nur deshalb, weil unter anderem Herr Demner immer mehr los- und Veränderung zulässt“, so Rönnfeld. Damit einher geht die Rollenänderung seiner Person selbst. „Ich habe schon mein tägliches 14-Stunden-Pensum reduziert“, so Demner. „Ich sehe auch, dass wir enorm viel Kompetenz hereinbekommen haben in Bereichen, in denen man als Autodidakt wie ich es bin, ein wenig selbstreferenzieller agiert hatte. Da herrscht nun mehr Struktur. Der Stil des Hauses war über viele Jahre ‚Die Fahnen hoch, mir nach‘. Ich habe das Ziel, dass sich die Agentur zwar im Geiste ihrer Gründer, aber nun auch ohne ständiges Anschieben des Herrn Demner weiterentwickelt – auch in neue Richtungen, die dieses Management vorgibt.“ Dieses neue Management kennt die Agentur aus ganz unterschiedlichen Perspektiven: Merzel ist seit über elf Jahren in der Agentur tätig, Rönnfeld lernte DMB als Beraterin im Change Prozess kennen – und blieb. Sie sieht diesen initiierten Prozess stark von der Führung ausgehend, „wir versuchen aber den Wandel unter Einbindung und Teilhabe des gesamten Hauses zu realisieren.“ Die Kernherausforderung sei es, die Kultur des Wandels auch zu etablieren. „Wenn sich das Denken nicht ändert, ändert sich das Handeln nicht. Da gilt es die alte und neue Kultur ebenso wie Kreation, Strategie und Technologie in der Denke in Einklang zu bringen“, so Rönnfeld.

Neuer digitaler Wind
So wurden hierarchieunabhängig junge Mitarbeiter in Arbeitsgruppen geholt, die Beratung in ein anderes Stockwerk übersiedelt und die Digitalen der Agentur auch räumlich ins Zentrum gerückt. „Diese weibliche Geschäftsführung zeigt unglaublichen Einsatzwillen und einen in unseren Breitengraden unbekannten Zug zum Tor. Mit dem Tempowechsel geht auch eine neue Streitkultur einher, die das Austragen verschiedener Meinungen zu- und nicht schwammige Erwartungshaltungen aufstauen lässt. Wir werden dadurch immens produktiver“, so Demner. „Es galt die sehr fragmentierten Digitalbereiche zu bündeln“, konkretisiert Rönnfeld. Damit habe man intern ein starkes Pendant zu Beratung und Kreation gebaut, die sich ergänzen und matchen. Der digitale Contentbereich wurde ausgebaut, dafür Redakteure geholt, die neben werblichen auch redaktionellen und suchmaschinenoptimierten Content erstellen. Web­entwicklung, Social-Media-Strategien, Contentstrategien oder auch digitale Beratung wurden weiterentwickelt.

Erste positive Effekte dieser Aufstellung skizziert Merzel: „Die neue Aufstellung der Digital-Content-&-Solutions-Abteilungen bringt viel gebündeltes Know-how ins Haus und kommt auch bei den Kunden gut an: das digitale Geschäft nimmt zu, weil uns immer mehr Kunden Aufgaben übertragen, die vormals bei Spezial­agenturen gelegen sind. Denn sie sehen, dass sie nicht aus jedem Dorf einen Hund bekommen, sondern alles integriert ist und in die großen Kampagnen-Themen einzahlt und damit den Markenmagnetismus stärkt.“ Die Neuaufstellung verändert aber auch die Kundenstruktur der Agentur. „Vor zehn Jahren waren wir eine große Agentur, die hauptsächlich für große Kunden gearbeitet hat“, so Merzel. Mittlerweile erfreue man sich auch an Projektgeschäft im B2B – „von Kunden, die früher nie bei uns angeklopft hätten.“ Im letzten Jahr, so die Verantwortlichen, habe man für mehr als eine Handvoll neuer B2B-Kunden gearbeitet. „Das sind interessante, neue Geschäftsfelder. Und im Gegensatz zu manch öffentlichen Etats profitabler“, so Merzel. Der Wandel habe der Agentur an sich Schub verschafft, freut sich Demner. „Das zeigt sich besonders in den Arbeiten unserer Kunden und schlägt sich aktuell in zahllosen Awards, insbesondere auch im neuesten Update-Digital-Kreativranking nieder, wo unsere Gruppe mit DMB auf Nummer eins und als Draufgabe mit Media1 auf Platz sechs gelandet ist.“ Aber auch in Italien als ein Beispiel für grenzüberschreitendes Geschäft agiere man erfolgreich, etwa für Marlene (VOG, Südtirol, Europas größter Vermarkter von Äpfeln), Hausbrandt-Kaffee oder Darbo – für Letzteren wie auch für Vöslauer in Deutschland. „Alles wunderbare Aufgaben, wo wir uns über Österreich hinaus bewähren können“, so Merzel. Für die kommenden Monate sieht Rönnfeld die Holdingstruktur auch als Chance, weiterzudenken, und etwa weitere Geschäftsbereiche vor allem im Digitalbereich zu etablieren. Auf der Agenda stehen laut Demner Kooperationen, aber auch neue Units aus Eigeninitiative heraus. Und: „Natürlich sind auch neue unternehmerische Projekte vorstellbar mit einem großen Spielfeld im Strategiebereich sowie im technisch-digitalen Segment.“

Und dann der Junior?
Die Gedanken Demners zur Agenturzukunft reichen aber über inhaltlich-strategische Agenden hinaus: „Für alle, die sich hier weiterhin durch Leistung auszeichnen und unternehmerische Ambitionen haben, wird die Möglichkeit bestehen, sich zu beteiligen.“ Und dann ist da noch Demners Sohn, der – Stichwort Spaß – mit ebenso großer Leidenschaft in der Agentur werkt. Die Agentur ist im Besitz der Familienstiftung Magnet, an der auch Sohn Marcello beteiligt ist. „Er ist seit zwei Jahren in der Agentur und hat auf seine eigene Art und Weise viel Knochenarbeit geleistet; war sich nie zu schade überall anzupacken und hat neue Impulse eingebracht.“ Wird er künftig aufrücken? „Auch er hat wie alle anderen im Haus die Chance, sich zu entwickeln und unternehmerisch tätig zu werden“, so Demner. Auch das würde ihm dann wohl Freude bereiten.

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