Horizont Newsletter

Addendums ‚langer Atem‘

Gundula Geiginger und Michael Fleischhacker moderieren ab 20. März das wöchentliche Politikmagazin „Factum“ auf Servus-TV.
© Addendum

Die ‚Neigungsgruppe guter Journalismus‘ setzt nun auch auf Print und neues TV-Format – mit klaren Zielen.

Quo Vadis Veritas legt aktuell neben dem Rechercheportal nicht nur eine Zeitung in mittlerweile zweiter Ausgabe, sondern ab 20. März auch ein Politikmagazin im Fernsehen vor. Die Macher dahinter starten mit klaren inhaltlichen Visionen – und wollen das Zusammenspiel der eigenen Medien forcieren. 

Parallel zur Erstausgabe der Zeitung startete im Dezember 2018 ein Abomodell. Um 89 Euro jährlich gibt es die Printausgabe, das E-Paper, den Newsletter des Chefredakteurs und Einladungen zu Events. Eine Art Mitgliedertarif für die „Neigungsgruppe Addendum“. HORIZONT fragte bei  Addendum-Chefredakteur Stefan Kaltenbrunner und Jan Thies, Leiter Factum-TV, nach den Hintergründen  ihres Geschäftsmodells. Stefan Kaltenbrunner lacht, als er gefragt wird, welcher „Neigungsgruppe“ er selbst angehöre. Wie aus der Pistole geschossen kommt dabei heraus: „der Neigungsgruppe des guten Journalismus“. Kaltenbrunner ist sicher, dass ein monatliches Printprodukt mit einem gut recherchierten Schwerpunktthema mehr bietet als andere Medien und deswegen in der heimischen Printlandschaft durchaus fehle. „Wer ein bisschen mehr an qualitativ hochwertigem Journalismus haben möchte, der ist in unserer Neigungsgruppe sicherlich gut aufgehoben“, zeigt er sich überzeugt und verrät, was er besser oder anders machen wolle für 4,20 Euro auf Nicht-Hochglanzpapier. „Die Wahl des Papiers war eine bewusste Entscheidung, da wir ja in Tageszeitungen beiliegen und so mit rund 200.000 Stück eine sehr hohe Auflage erzielen können.“ 

Break-even in einem Jahr erhofft

Über 80 Seiten hinweg garantiere Addendum dem Leser mehr als nur Relotius-freien Journalismus. „Wir widmen uns großen gesellschaftspolitischen Themen und versuchen verschiedene Aspekte anders, kontroverser und tiefer zu beleuchten. Dazu kommen investigative Reportagen. Und da wir nicht tagespolitisch getrieben sind, haben wir einfach mehr Zeit für größere Recherchen, und das ist heute ja keine Selbstverständlichkeit mehr. Wenn ich mir die positive Response auf unsere beiden ersten Ausgaben ansehe, gelingt uns das auch gut, wie ich meine.“ Kaltenbrunner betont, dass man ein bisher unübliches Vertriebsmodell habe. Addendum liegt der Kleinen Zeitung und der Presse bei, zudem gibt es Postversand an ausgewählte Adressen und den freien Verkauf über Trafiken plus das Abomodell über die „Neigungsgruppe“ Addendum mit zusätzlichen Benefits.  Es drängt sich die Frage auf, warum man sich überhaupt für Print entschieden habe. „Ich glaube, es ist egal, auf welchem Kanal Journalismus geschieht: Web, Print oder Fernsehen. Die Hauptsache ist, er ist gut gemacht. Es war von Anfang an geplant, dass es bei Addendum neben Web und TV auch ein Print-Produkt gibt.“

Hinsichtlich der Profitabilität gibt es freilich eine etwas andere Benchmark. Es werde natürlich ein Geschäftsmodell entwickelt. QVV mit Addendum sei bekanntlich eine Stiftung, und da gebe man den Produkten ein bisschen Zeit, sich zu etablieren. „Aber natürlich muss das Ziel sein, dass man profitabel arbeitet. Das wird sich auch erreichen lassen“, zeigt sich der Chefredakteur überzeugt – und ergänzt: „Ich glaube, wir haben einen langen Atem, und ich bin überzeugt davon, dass wir binnen eines Jahres das Produkt so am Markt etablieren können, dass die Leser wissen, wer wir sind, und was für einen journalistischen Mehrwert wir bieten.“ 

‚Es gibt keine Tabuthemen‘

Jan Thies, der als Leiter TV hinter der Produktion von „Factum“ steht, beschreibt das Zusammenspiel von Online, Print und TV. „Addendum ist unser tägliches Fenster zur Welt und Factum ist unser wöchentliches TV-Fenster. Am Montag wird das Thema bei Addendum.org eröffnet und bis zur „Factum“-Sendung am Mittwochabend um 22:15 Uhr  auf Servus-TV täglich erweitert. Ein zentrales Motiv der Addendum-Organisation ist es, dass es keine Tabuthemen gibt.“

Genaue Angaben zum Headcount seines Teams kann er nicht machen, denn man trenne nicht mehr wirklich zwischen TV und Nicht-TV. „Wir haben eine große, gemeinsame Redaktion. Wir machen das crossmedial, multimedial. Das, von dem alle sprechen, das versuchen wir zu leben.“ Angst vor dem Quotendruck haben die Macher nicht, im  Gegenteil: Selbstbewusst erklärt Thies, „Jeder Journalist möchte, dass das, was er recherchiert, entsprechend reichweitenstark von den Zusehern konsumiert wird. Unser Hauptkriterium ist die Qualität.“

Der Themenmix, den „Factum“ anbiete, umfasse „die datenjournalistische Analyse des Politikbetriebes“ wie auch eine „ideologiefreie Umwelt- und Wissenschaftsbericherstattung.“ Thier: „Wir wollen den Zuseher nicht bevormunden. Wenn der Zuseher am Ende der Sendung sagt ‚Aha, so habe ich es noch nie gesehen‘, dann haben wir unser Ziel erreicht.“  Zu jedem Schwerpunktthema wird in der Sendung ein Studiogespräch mit Gästen geführt.    
 

Das könnte Sie auch interessieren