Horizont Newsletter

Das sagt die Konkurrenz zum neuen Fellner-Radio

© zhu difeng / AdobeStock

Positives Feedback kommt vom Platzhirsch Ö3, aber auch dem privaten Mitbewerber kronehit. Dennoch zeigen sich Privatsender nicht vollkommen zufrieden.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 9/2019 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Durchaus gelassen reagiert die Konkurrenz auf die Lizenzvergabe eines bundesweiten Privatradios an die Mediengruppe Österreich. "Mir als Programmmacher ist grundsätzlich jeder Mitbewerber recht", so Ö3-Senderchef Georg Spatt, "und eine neue bundesweite Lizenz auf Basis der bestehenden regionalen Lizenzen bedeutet ja nicht automatisch ein Mehr an Angebot für den Hörermarkt." Mit 31 Prozent Marktanteil in der Gesamtbevölkerung dominiert die ORF-"Cashcow" den Radiomarkt in Österreich deutlich.

Mitbewerber kronehit, als derzeit einziger privater und bundesweiter Sender, kommt auf acht Prozent, wobei der Marktanteil in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen mit 14 Prozent deutlich höher ausfällt. Geschäftsführer Ernst Swoboda freut sich "über jeden bundesweiten Sender, bin aber auch nicht ganz böse, wenn der nicht direkt in unserer Zielgruppe fischt." An sich sieht Swoboda einen weiteren bundesweiten privaten Mitbewerber aber durchwegs positiv. "Wir sind der deutlich stärkste Player im Privatradio – unser weiteres Wachstum hängt stark davon ab, wie sich das Segment an sich entwickelt. Wenn es also zu einer Stärkung des Segments durch andere kommt, ist das im Interesse aller und vor allem für starke Sender wie uns."

Zugleich ortet Swoboda aber auch eine "vergebene Chance": "Fellner bundesweit ist besser als Fellner nicht bundesweit, aber: Wenn man sich einen starken bundesweiten Sender wünscht, um eben als Segment stärker zu werden, dann hätte ich mir einen gewünscht, der höhere Tagesreichweiten aufweist. Die Vermutung liegt nahe, dass die Vergabe der Lizenz an Fellner eine vergebene Chance für den Markt ist: Ich hätte mir andere Player vorstellen können, die den Markt stärker beleben. Es ist ein Lüfterl, aber nicht wirklich ein Burner." Diese Belebung hätte sich Swoboda wohl in Blickrichtung dualer Rundfunkmarkt gewünscht. "Wir kämpfen bei Werbekunden und Agenturen tagtäglich um das Verhältnis zwischen einem wahnsinnig dominanten ORF und den Privatsendern." Alles, was das private Spektrum breiter und größer macht, helfe, "normale Verhältnisse eines dualen Rundfunkmarkts zu erreichen. Ich wünsche mir Verhältnisse zwischen Privat zu ORF von zumindest 50:50." Auf wen sich Wolfgang Fellner und die Mediengruppe Österreich mit dem neuen, nationalen Programm ausrichten, "ist mir als kronehit letztlich egal. Ich habe daher was Reichweiten und Marktanteile anbelangt, auch am Werbemarkt, keinerlei Bedenken", so Swoboda.

Kritik an Ungleichgewicht
Der VÖP als Vertreter aller privaten Fernseh- und Radioanbieter hält, angesprochen auf die Erteilung der Lizenz an die Mediengruppe Österreich, "diese Konsolidierung für sinnvoll, denn eine bundesweite Lizenz kann durch die besseren Refinanzierungsmöglichkeiten zur Stärkung des privaten Radios in Österreich beitragen", so Geschäftsführerin ­Corinna Drumm, die in diesem Zuge auf das Ungleichgewicht bundesweiter Radiolizenzen zu Ungunsten der Privatradios hinweist. "Dieses Ungleichgewicht bei der Frequenzausstattung hemmt die Entwicklung privater Radios in Österreich nach wie vor." Laut Drumm sollten daher die für Privatradio verfügbaren UKW-Frequenzen erweitert werden. Sie führt die Möglichkeit der Migration eines der bundesweiten ORF-Radios auf DAB+ und Ausschreibung der damit frei werdenden UKW-Frequenzen für privates Radio ins Rennen.

Die Erteilung der bundesweiten Lizenz geht teilweise auch zur Last regionaler Sendermarken. Gefahren für die regionale Vielfalt am Sendermarkt ortet Drumm nicht. "Bestimmte regionale Radioangebote werden nun in der bundesweiten Lizenz aufgehen. Auf der anderen Seite führt die Stärkung der wirtschaftlichen Basis zu einer besseren wirtschaftlichen Grundlage, was eine Erhöhung der Qualität erwarten lässt."

0 Kommentare

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online

Das könnte Sie auch interessieren