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Fellners Frequenzen

Wolfgang Fellner auf den Österreichischen Medientagen 2018.
© Johannes Brunnbauer

Das bundesweite Radio der Mediengruppe Österreich soll im Mai starten und legt neben dem Hauptprogramm klaren Fokus auf Digital. HORIZONT analysiert die Faktoren Marktanteile, Umsätze und Investitionen sowie Reaktionen der Konkurrenz.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 9/2019 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Nun also bekommen Österreich und die gleichnamige Mediengruppe nach dem positiven Bescheid der KommAustria ein weiteres bundesweites Privatradio. Wolfgang ­Fellner hat dazu klare Vorstellungen und Pläne, wie er gegenüber HORIZONT erläutert – aber auch Erwartungen.

Die von der KommAustria für die Dauer von zehn Jahren vergebene Zulassung hat innerhalb von neun Monaten im Sendebetrieb zu münden, Fellner will sein nationales Radio schon früher on air bringen: "Wir bemühen uns, möglichst noch im Mai, aber jedenfalls vor dem Sommer zu starten."

Vier Prozent Marktanteil im Visier
Konkrete Zahlen zur möglichen Entwicklung am Radiomarkt weist der 92-seitige Bescheid der Behörde auf. Demnach geht die Antragstellerin, also die Mediengruppe Österreich, von einem österreichweiten Marktanteil von zwei Prozent aus, der sich nach fünf Jahren auf circa vier Prozent verdoppeln soll. Mit letzem Wert läge Fellner derzeit klar hinter Ö3 und kronehit (als derzeit einzigem bundesweiten Privatradio), aber etwa vor FM4. Fellner selbst gibt sich zu den Erwartungen bescheiden. "Wir gehen davon aus, dass wir ein anständiger Dritter werden. Ö3 ist einsam an der Spitze, kronehit macht seit 15 Jahren sehr erfolgreiche Arbeit – wir würden nicht einmal ansatzweise auf die Idee kommen zu behaupten, dass wir in den ersten Jahren an den beiden vorbeikommen wollen", so Fellner im Gespräch. Dabei meint er vor allem das klassisch lineare Radio, peilt aber mit dem Verweis auf seinen Fernsehsender oe24.TV eine führende Position im digitalen Bereich an. "Unser Digitalradio-Angebot soll klare Nummer eins bei bei App-Downloads und Streaming sein."

 

Ziel: Sieben Millionen Euro Umsatz
Diese Marschroute soll auch relevante Werbeerlöse mit sich bringen, die im Antrag beziehungsweise Bescheid der KommAustria aufgelistet sind (siehe Grafiken auf Seite 2) und von rund 4,3 Millionen Euro im ersten Jahr auf knapp sieben Millionen Euro nach fünf Jahren steigen sollen. Die Vermarktung läuft einerseits über die RMS, die Fellner als „eine ganz hervorragende Werbevermarkterin“ ansieht. Schon bisher war die Privatradiovermarkterin für Sender der Mediengruppe Österreich aktiv – und bekräftigt auf Nachfrage die Bemühungen, auch das bundesweite Fellner-Radio vermarkten zu wollen: "Unser Interesse ist es, alle österreichischen Privatradios zu vermarkten und die Kraft von Österreichs Privatradios zu maximieren, daher streben wir auch die Integration des neuen bundesweiten Radiosenders in das RMS-Portfolio an", so RMS-Austria-Geschäftsführer Joachim Feher auf Nachfrage. Zusätzlich zu den Vermarktungserlösen der RMS will Fellner "natürlich eine Reihe von senderspezifischen Angeboten schnüren, die natürlich umso lukrativer am Werbemarkt sind, wenn sie national und regional angeboten werden können." Dabei verweist Fellner schon jetzt auf das Interesse des Werbemarkts am digitalen Angebot: "Da werden völlig neue Formen der Radiowerbung mit Targeting möglich. Das bringt der Werbebranche ein neues digitales Radio-Werbeerlebnis, das das Medium vom Streumedium zum Zielgruppenmedium macht", so der Chef der Medien­gruppe Österreich. Den Erlösen stehen Investitionen  und laufende Kosten von Produktion bis Distribution gegenüber, die laut Bescheid zu etwa der Hälfte aus Personalkosten bestehen. Fellner betont das für ihn nicht unerhebliche Investment an sich.  "Für die Mediengruppe ist das schon eine erhebliche Investition, die in den letzten Jahren unser Radioergebnis ein wenig belastet hat, weil wir die vielen Sender über die letzten Jahre zusammenkaufen und eben diese Zeit lang betreuen mussten. Die Grundkosten sind über Radio oe24 gedeckt, dazu kommen jetzt natürlich Kosten für das deutlich aufwendigere nationale Radio. Wir gehen aber davon aus, dass sich das vom ersten Tag an finanziert und halbwegs break even sein wird", so Fellner, der auf bestehendes Studio und Technik sowie internes Know-how verweist, wodurch man an sich in einer "luxuriösen" Situation sei. "Aber es ist natürlich auch eine finanzielle Herausforderung, all das regional aufzuziehen und mit sehr großem Aufwand das digitale Radio vorzubereiten."

 

Führen wird das neue Radio Sylvia Buchhammer, die laut Fellner die Lizenz "maßgeblich" erkämpft hat. Unter welchem Namen das neue nationale Radio der Mediengruppe Österreich sendet, steht hingegen noch nicht fest. "Das neue nationale Radio wird wahrscheinlich einen neuen Namen bekommen." Er habe aber vor diesen Planungen den Bescheid abgewartet.

Digitalradio mit zehn Kanälen
Das neue Fellner-Radio wird ein 24-Stunden-Vollprogramm für die Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen und wird schon mit dem Start einen klaren digitalen Fokus aufweisen. "Wir haben spät aber doch nun endlich die Lizenz erhalten", verweist Fellner auf die Extrarunde bei der KommAustria, die die Lizenz nicht gleich beim ersten Versuch erteilte. Das sei, so Fellner, nun eigentlich "zu spät für traditionelles Radio und ein wenig zu früh für die Zukunft des kompletten Digitalradios." Deshalb laufen die Pläne der Fellners dahingehend, das neue Angebot als Digitalradio vorzubereiten. "Das heißt wir werden – so wie von der KommAustria genehmigt – auf einem Frequenzkanal mit verschiedenen Frequenzen je nach Bundesland ein Hauptprogramm spielen", konkretisiert Fellner. In Ergänzung dazu wird es ein Digitalradio mit zehn Kanälen geben, die einerseits nach Musikdekaden und andererseits nach Musikgeschmack ausgerichtet sind. Dabei laufen – und hier betont Fellner den Unterschied etwa zu Spotify – News, Wetter und Verkehr des Hauptprogramms zeitgleich auf allen Digitalkanälen – was sie unterscheidet, ist die dazwischen eingebettete Musik. Während bei den Digitalradio-Kanälen die Musik eben divergiert, bietet das Hauptprogramm einen breiten Musikmix mit einer Mischung aus Greatest Hits der aktuellen Charts sowie Songs der 2000er-, 90er- und 80er-Jahre. "Dazu kommt die bewährte Breaking-News-Schiene, Newsshows, regionale Newssendungen für jedes Bundesland, Eventtipps und so weiter – eben alles, was man sich von einem spannenden neuen Radio erwartet", so Fellner.

 

Zur vollen Stunde und regional
In der Zeit von 7:00 bis 18:00 Uhr sollen laut Bescheid zu jeder vollen Stunde Nachrichten gesendet werden. Fellner will auch für jedes Bundesland jede Stunde regionale News senden. "Das Radio wird die regionalen Ansprüche abdecken, so wie wir das im Lizenzantrag geschrieben haben." Dabei geht die bestehende oe24-Redaktion im neuen nationalen Radio auf, Antenne Salzburg als eine der Fellner-Frequenzen soll so wie derzeit bestehend beibehalten bleiben. "Wir haben in Salzburg mehrere Frequenzen, auf einer dieser – je nachdem, welche uns die KommAustria zuweist – wird es weiter Antenne Salzburg geben, auf einer anderen läuft dann das nationale Radio."

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