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Eventbranche formuliert Forderungen an Politik und sich selbst

WKW
Die Veranstalter und Workshopleiter des Event-Day.
© A. Hross

Zum ersten Mal traf sich die heimische Eventbranche zum Austausch vergangene Woche im Zuge eines "Eventday". Das Resultat waren vier in Workshops erarbeitete Kernforderungen an die Politik und zwei an die Branche selbst.

Mehr als 120 Mitglieder aus Wien und Niederösterreich waren der Einladung von WKW/WKO-Branchensprecher Erik Kastner in die Messe Wien am 29. Jänner gefolgt, um Zukunftsfragen der Event-Branche zu diskutieren. In jeweils vierstündigen Diskussionen erarbeiteten die Teilnehmer in sechs Workshops eine gemeinsame Position zu Grundsatzfragen.

Im ersten Workshop wurde das Thema „Veranstaltungsgesetze und Umsetzung“ bearbeitet. Die Branche fordert bereits seit Jahren ein einheitliches, bundesweites Veranstaltungsgesetz. Zwei Wege wurden skizziert: Eine Option wäre die Verlagerung des Veranstaltungsrechts von der Landes- in die Bundeskompetenz, samt dafür nötiger Verfassungsänderung. Wegen der offenkundigen hohen Hürden dafür plädierten die Experten vornehmlich für das Erarbeiten eines bundesweit einheitlichen Rahmens, der als Orientierung für die Bundesländer fungieren soll.

Schwammige Gesetzesdefinitionen

Die seit jeher bestehende Kritik an der Praktikabilität des Antikorruptionsgesetzes wurde in einem weiteren Workshop konkretisiert, etwa, dass die darin enthaltene Formulierung „Missbrauch anvertrauter Macht zu privatem Vorteil“ sehr unklar sei Es sei oft nicht einfach, den Wert einer Einladung zu errechnen, wurde eingewandt. Man könne sich folgenden Weg aus dem Dilemma vorstellen: eine Art „Zertifikat“ wie beim Spendengütesiegel oder bei den „Green Events“, dass diese oder jene Veranstaltung 'compliant' sei und den Normen des Österreichischen Antikorruptionsgesetzes entspreche, beziehungsweise eine stärkere Klarstellung, „was ein dienstliches Interesse“ sei, sowie die Einführung einer abgestuften „Amtsträger-Pyramide“.

Die Modelle der Vienna Filmcommission dienten als Vorbild für zwei weitere Vorschläge: einmal die Schaffung einer Wiener Koordinationsstelle für Events als Stelle, die Behördenwege und Genehmigungen zwischen Stadt und Magistrat erleichtert; und zum zweiten analog zur Filmbranche die Forderung nach der Möglichkeit von Pauschalregulierungen, um flexibles Arbeiten zu ermöglichen und so die heterogene Branche mit sehr variablen Arbeitszeiten neu aufzustellen.

Keine "Party People"

Vornehmlich an sich selbst gerichtet, fand sich weiters die Forderung nach Aus- und Weiterbildung sowie gezielter PR-Arbeit in eigener Sache, um das Bild von "Party" und "Bespaßung" in der Eventbranche geradezurücken. Das Berufsprofil, das "hochkomplexes Agieren und Organisieren" bedeute, solle in der Öffentlichkeit noch deutlicher gestärkt, der Event-Begriff erweitert, und positive Role Models der Branche durch gezielte PR-Arbeit präsentiert werden. Zertifizierung und Qualitätssicherung waren die Themen der abschließenden Präsentation. Im Workshop habe man unisono festgestellt, dass das bisherige System der Zertifizierung ungenügend sei, hieß es. Deshalb schlage man vor, bei der Anmeldung für den Gewerbeschein automatisch auch Informationen über Qualitätssicherung zu vermitteln.

Mit dem Treffen wurde offenbar eine Lücke geschlossen: 82 Prozent der Anwesenden lobten per Feedback die Veranstaltung, 65 Prozent sprachen sich für das Lehrberufsbild eines Eventmanagers aus, 54 Prozent sind zur Mitarbeit in der Wirtschaftskammer bereit und 87 Prozent der befragten Anwesenden sind der Meinung, dass gemeinsam etwas „bewegt bzw. verändert“ werden kann. Kastner resümierte deshalb seinerseits, der Event-Day solle künftig regelmäßig stattfinden und er werde "mit voller Wucht die Interessen der Branche vertreten".

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