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Merill-Lynch-Analyse belastet TV-Börsenwerte

Das Analysten-Urteil belastet die Papiere des gesamten kommerziellen europäischen TV-Markts weiterhin.
© Gustavo Devito/Flickr

Eine Studie von Merill Lynch über Europas kommerzielles TV zieht dessen Aktienwerte immer mehr in die Tiefe. Der Grund: Die Einschätzung der Analysten prophezeit de facto nichts Geringeres als das Verschwinden des kommerziellen linearen TV.

Die Evaluierung des europäischen TV-Marktes durch Merill Lynch/Bank of America war Ende letzter Woche publik geworden und schlägt weiterhin Wellen: Der britische Sender ITV etwa war bereits unmittelbar nach Bekanntwerden des Analysten-Papiers der größte Verlierer des britischen FTSE-Aktienindex. Doch auch nach dem Wochenende ist das Echo auf die Untersuchung noch nicht verhallt. Auch die Aktie der ProSiebenSat.1-Media SE sackte ab und hatte zu Beginn der Woche bei einigermaßen volatilem Kurs Mühe, die Verluste wieder wettzumachen. Ähnlich erging es der Aktie von RTL, die sich ebenso zu Wochenbeginn wieder aufwärtskämpfen musste.

In ihrer Einschätzung der europäischen TV-Landschaft meinten die Analysten Adrien de Saint Hilaire und Sophie Julienne, das "Tempo des Niedergangs von TV-Konsum bei gleichzeitigem Aufstieg von Online-Video" werde von den Marktteilnehmern noch immer "unterschätzt". Der Prognose zufolge soll der kommerzielle europäische TV-Markt, der sich derzeit im Bereich von 50 bis 90 Prozent aus Werbung finanziere, bald schmerzhafte Einbrüche bei den Werbeeinnahmen verzeichnen müssen. Ab 2025 werde das Plus bei den Werbeeinnahmen jährlich um zwei bis drei Prozent zu fallen beginnen und in weiterer Folge in sinkende Einnahmen kippen, so die Einschätzung.

2020 als Wasserscheide-Jahr

Nach Einschätzung der Analysten ist Großbritannien "jener europäische Markt, der am reifsten für die Disruption ist, und wo wir das Sinken von TV-Anteilen zuerst erwarten". Begründet wurde diese Ansicht damit, dass die Quoten dort im Europavergleich vorerst noch recht solide sind, der hohe Anteil von Jungen, deren Abwanderung zu Streaming-Portalen erwartet wird, die Fallhöhe jedoch nur umso größer machen soll. Die Einschätzung hatte unmittelbare Folgen: Der Börsekurs von ITV befindet sich seither im stetigen Sinkflug und musste eine Abwertung auf "underperform" hinnehmen.

Im Jahr 2020 würden vor allem in Großbritannien die Digital Natives mit nur peripherem TV-Konsum bereits mehr als die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung ausmachen, rechnet Merill Lynch vor. Ab dann würden Streamingportale somit zum attraktiveren Angebot für Werber und TV "schnell seine Reichweite und seinen Größenvorteil verlieren".

 

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