Horizont Newsletter

'Virtual Reality ist Freiheit'

Kassulke ist Mitbegründer und Geschäftsführer von Handygames aus Giebelstadt in Deutschland, einem Tochterunternehmen von THQ Nordic mit Sitz in Wien.
© Handygames

Die Games-Branche ist der wichtigste Technologietreiber für Virtual Reality. HandyGames-Mitbegründer Christopher Kassulke über VR und AR und warum untergeht, wer das Thema ignoriert.

Dieser Artikel erschien zuerst in update #4, dem Digitalmagazin des HORIZONT. Noch kein Abo? Hier klicken!

Warum fühlt sich das Aufbauspiel „Towsmen“ mit VR-Device so anders als auf dem Smartphone oder der Switch-Konsole an?

Christopher Kassulke: Auf dem Mobiletelefon spielt man einen Bürgermeister und managt seine eigene Siedlung. In 'Townsmen VR' spielt man "Gott"und kann wirklich in die Welt eingreifen und sie beeinflussen. Man kann das Wetter manipulieren, mit den virtuellen Menschen kommunizieren, eine Forelle aus dem Fluss fischen und der kleinen Katze zum Fressen geben. Komplette Freiheit.

Sonys PlayStation VR öffnete Virtual Reality vor zwei Jahren einen Zugang zum Massenmarkt. Doch damit häuften sich Klagen über Motion Sickness, also ein Unwohlsein beim Tragen der Headsets. Hat die Industrie dieses Problem mittlerweile im Griff?

Das Wichtigste ist: Spiele entwickeln, die wirklich für VR ausgelegt sind. Es gibt Techniken, die Motion Sickness verhindern. So sollte das Design schnelle Bewegungen vermeiden, visuelle Fixpunkte ins Display integrieren oder andere Fortbewegungen anbieten, zum Beispiel das Beamen. 'Townsmen VR' bietet eine Fortbewegung an, die an das Krabbeln von Babys erinnert. Für VR muss man einfach auch neue Wege gehen.

Welche Spielideen sind mit VR- und AR-systemen in fünf Jahren möglich, an die wir heute noch nicht denken?

In VR-Spielen wird man durch Fortschritt in der Technologie tiefer abtauchen können, so ähnlich wie im Film 'Ready Player One'. Künftige VR-Titel werden sehr anspruchsvoll sein und Immersive Gaming vorwärtsbringen. AR-Titel werden immer besser mit der aktuellen Umgebung verschmelzen. Hier sehe ich sehr interessante Ansätze, besonders im Horrorbereich kann man mit einem Mobiltelefon und AR sehr krasse Sachen machen. Allerdings sind die Leute daran gewöhnt, dass sie Software für ihr Smartphone gratis oder für wenig Geld bekommen. Daher ist und bleibt das ein schwieriger Markt.

Das große Handikap von VR-Spielen sind momentan Verkabelung, fehlende haptische Rückkopplung aus dem VR-Raum und die Notwendigkeit großer realer Räume für Open-World-Szenarien. Wann sind diese Hürden gemeistert?

Außerhalb von Deutschland gibt es bereits viele VR-Arcades, die viele dieser Probleme lösen. Spiele wie unser 'Panzer Panic', 'Stunt Kite Masters', 'Townsmen VR' oder 'Devil and the Fairy' sind dort sehr beliebt. Es gibt dort technische Lösungen, um große Areale erkunden zu können. Es wird nicht mehr lange dauern, und wir werden durch holografische Szenarien wandern können. Die Technik bleibt nicht stehen. Ich finde diesen Fortschritt faszinierend. Unsere ersten Spiele vor knapp zwei Jahrzehnten waren noch schwarz-weiß, auf Handys mit Bildauflösung von der Größe einer Briefmarke. Jetzt bewegen wir uns im virtuellen Raum.

Wie spannend ist der AR- und VR-Softwaremarkt heute für einen Game-Developer und wie sieht das in fünf oder zehn Jahren aus?

Für uns ist der VR-Markt spannend, und wir haben verschiedene Spiele dafür im Portfolio. AR ist geschäftlich noch nicht relevant, jedoch beobachten wir dies sehr genau. Wer in der Games-Branche ein Jahr in die Zukunft schauen kann, ist ein Genie – fünf oder zehn Jahre vorausschauen ist wie Kaffeesatz lesen. Deshalb ist es wichtig, bei allen Technologien ganz vorne mit dabei zu sein. Denn wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Deshalb ist Innovation in der DNA unserer Firma fest verwurzelt und wir schauen ständig über den Tellerrand hinaus. Ein "Haben wir schon immer so gemacht" gibt’s bei uns nicht.

Stellen wir uns eine Reise ins Jahr 2035 vor. wie spielen wir dann?

Ich weiß nicht, ob VR dann der heiße Scheiß sein wird oder etwas ganz anderes. Ich weiß aber eines ganz genau: Content wird weiterhin entscheidend sein. Jede Technologieplattform braucht Spiele. Wir als Gesellschaft werden immer spielen, das liegt in der Natur des Menschen. Auf welcher Plattform oder mit welchem Eingabegerät, das ist sekundär.

[Richard Löwenstein]

0 Kommentare

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online

Das könnte Sie auch interessieren