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'Absolut äquidistant'

Ferdinand Wegscheider gründete 1995 Salzburg TV, 2007 wurde dieser von Red Bull übernommen. Seit 2016 ist Wegscheider Intendant des daraus entstandenen ServusTV.
© Leo Neumayr

ServusTV legt mit Nachrichten, aber auch in der Access Prime Time, kontinuierlich zu. Intendant Ferdinand Wegscheider über zu drehende Schräubchen, Kritik an Formaten, die ihn kalt lässt, und das Forcieren von fiktionalen Eigenproduktionen.

Es war eines seiner ersten großen Anliegen, als Ferdinand Wegscheider im April 2016 die Intendanz des Red-Bull-Senders ServusTV übernahm: die Infoschiene zu stärken – und auch fiktionale Eigenproduktionen standen schnell auf der Agenda. Gut zweieinhalb Jahre später sieht sich der Privat-TV-Pionier in seinen Plänen bestätigt. Die im November angelaufene Krimiserie „Meiberger“ stellt Wegscheider zufrieden: „Wir hatten einen sensationellen Start mit einem Marktanteil von 8,2 Prozent und 254.000 Zusehern“, so Wegscheider im Gespräch mit HORIZONT. „Im Durchschnitt liegen wir mit sechs Prozent deutlich über Trakehnerblut.“ Mit dem Cast von Meiberger sei es gelungen, den Anspruch von ServusTV zu demonstrieren – „da brauchen wir uns gegenüber anderen Krimis auch nicht zu verstecken“. Der Plan Wegscheiders ist jedenfalls, die fiktionale Eigenproduktion im Idealfall auszubauen. „So wie ‚Meiberger‘ bis jetzt funktioniert, wird der ersten Staffel eine zweite folgen. Ideen für andere fiktionale Formate gibt es zudem.“


‚War dringend notwendig‘


Quotenhochs im Vergleich zum Senderschnitt (ServusTV erzielte 2017 2,1 Prozent bei 12+, im November 2,6 Prozent) verbucht auch Wegscheiders Steckenpferd Information. Die Servus Nachrichten um 19:20 Uhr steigerten sich in der Gesamtbevölkerung seit dem vierten Quartal 2015 von 1,53 Prozent Marktanteil auf 4,32 Prozent im aktuellen Quartal 2018; das entspricht einer Steigerung der Durchschnittsreichweite von gut 32.000 auf über 102.000 Seher. „Eine Nachrichtensendung zu solch einem wichtigen Zeitpunkt um 19:20 und sieben Tage die Woche war dringend notwendig, wie man an der Entwicklung auch sieht“, so Wegscheider. Die ihm gestellte Aufgabe, als er zu ServusTV kam, sei es auch gewesen, Nachrichten als Fixbestandteil zu etablieren – „und zwar Nachrichten, die diesen Namen auch verdient haben. Bis 2015 gab es von Montag bis Freitag um 18 Uhr nur Wohlfühl-Meldungen.“ Die nun erzielten Quoten würden weitere Potenziale zeigen, „auch wenn es auf dieser Flughöhe entsprechend schwieriger wird, zuzulegen“.

 


In der inhaltlichen Ausgestaltung sehen sich Wegscheider und der Sender immer wieder mit Kritik konfrontiert, die bis zu „Breitbart der Alpen“ reicht. Wegscheider relativiert. „Ich als Person Ferdinand Wegscheider produziere ein Format, das ein klarer Kommentar und auch so gekennzeichnet ist. Das ist klar zu trennen von den Nachrichten, darauf lege ich Wert. Ich bin stolz darauf, dass wir das klarer handhaben als so mancher Mitbewerber. Für die Nachrichten kann ich zu solchen Vorwürfen nur milde lächeln, die sind absolut in der Mitte und äquidistant.“ Sein Kommentar war bereits Anfang der 2000er-Jahre bei Salzburg TV, dem Vorläufer von ServusTV, entstanden. „Ich habe schnell gemerkt, dass die Reaktionen darauf stark waren. Der jetzige Eigentümer hat auch klar gesagt, dass er diesen Kommentar haben möchte.“ Anstiege verbucht ServusTV auch in der neu aufgesetzten Access Prime Time. Hier habe man sich bewusst in die „Todeszone“ der ORF-Konkurrenz Bundesland Heute und ZIB gewagt, mit Nachrichten, Infomagazin, Quizmaster, „Bares für Rares“ sowie dem Wetter einen „guten Mix“. Diesen habe auch der Sender an sich. „Der Sender hatte vorher kein optimales Grundangebot. Die einzelnen Wochentage auch in der Primetime haben sich mehr und mehr stabilisiert, daran arbeiten wir weiter. Allein das durchgängige Senderschema war eine kleine Schraube, die unglaublich viel bewirkt hat.“

Dieser Artikel ist zuerst in der Ausgabe Nr. 50/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

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