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Rückblick & Vorschau: Mad Men – zeitgemäß und offen für Neues

© Adobe Stock / WavebreakMediaMicro

Etablierte Kreativagenturen orientieren sich neu. Indes wird teils mit Google kooperiert.

 

Dieser Artikel beleuchtet den Kreativagenturen-Markt und ist Teil der großen HORIZONT-Serie "Rückblick 2018 & Vorschau 2019", die in den folgenden Tagen vollständig Online verfügbar ist.

Vielleicht hört es sich trauriger an, als es ist, doch die Ära von Mad Men ist jetzt wirklich vorbei. Nachdem Accenture Interactive 2017 in Deutschland SinnerSchrader gekauft hatte, folgte diesen November noch eine kleine Sensationsmeldung: Accenture übernimmt Kolle Rebbe. An eine große Werbeholding hätte man nicht verkauft, hieß es damals, hätte man doch dort die eigene Unabhängigkeit in Gefahr gesehen, bei Accenture jedoch offenbar nicht.


Während also der vermeintliche Großkonkurrent namens Unternehmensberater im kreativen Segment definitiv angekommen ist, wird an anderer Stelle schon mit Digitalagenturen gemergt. Und zwar so, dass dabei Letztere an erster Stelle steht. Vor kurzem wurde die Fusion aus Wunderman und J. Walter Thompson bekannt gegeben, davor jene aus VML und Young & Rubicam zu VML Y&R, die auch in Österreich schlagend wird. 2019 könnte eventuell noch weitere Neukonstellationen mit sich bringen.


Staffelübergaben
Ebenso wie bei den Media­agenturen kam es auch bei den Werbeagenturen zu der einen oder anderen Umstrukturierung an oberster Agenturstelle. Vor kurzem verkündete die BBDO Group einen Generationswechsel. 27 Jahre nach der Gründung von PKP BBDO übergibt Fred Koblinger Anfang 2019 das Ruder der BBDO Group an Jana David-Wiedemann sowie an Kreativ-Chef Roman Sindelar. Bei Serviceplan Austria stieg Christian Gosch zum Geschäftsführer Kreation auf, während Johan von Gersdorff seinen interimistischen MD-Posten an Dominic Köfner weitergab. Dieser hat mit Manfred Gansterer etwas gemein: Beide kommen aus dem langjährigen Marketing (Köfner unter anderem Zumtobel, Gansterer MediaMarkt­Saturn) und wechseln jetzt ins Agenturgeschäft. Gansterer stieg heuer als Partner bei der Marketingagentur Futura ein. 


Und erst diese Woche wurde bekannt, dass nach Franz Merlicek nun auch Harry Bergmann die Agentur Demner, Merlicek & Bergmann, heuer übrigens wieder die Top-eins-gerankte Werbeagentur (gemessen an Bruttobillings), verlässt. Im Frühjahr möchte er eine Brandconsultancy gründen und sich auf die strategische und kommunikative Beratung von Kunden konzentrieren, zu denen dann auch DMB gehören soll. Es ist der nächste Schritt nach der Neuaufstellung zu Jahresbeginn, als eine Holding-Geschäftsleitung mit Mariusz Jan Demner, Moana Merzel, Melanie Rönnfeld und Joachim Krügel etabliert wurde. Im Oktober dann wurde Alistair Thompson zum Partner bei DMB befördert. 


Einiges getan hat sich auch bei Zum goldenen Hirschen. Ende Mai gingen mit Alexander Zelmanovics und Gerhard Martinek zwei von drei Geschäftsführern. Beide haben sich nun erneut zusammengetan und Ex-Maxus-Chef und den Bruder des einen, Florian Zelmanovics, mitgenommen, um die eigene Agentur „Zeppelin, Emil, Ludwig“ zu gründen. Der verbleibende Hirschen-Geschäftsführer Herbert Rohrmair-Lewis kündigte indes eine verstärkte Synergie-Nutzung mit den deutschen Kollegen an. 


Arbeitskräftesuche
Auch wenn einige heimische Kreativ-Kampagnen dieses Jahr auf internationalem Parkett durchaus reüssieren konnten, schwächelte Österreich leider auf dem wichtigsten. Bei den Cannes Lions holte Wien Nord mit WienTourismus als einziger Einreicher eine Nominierung, die allerdings nicht in einen Löwen verwandelt werden konnte. Die Branche hofft auf ein besseres Abschneiden im nächsten Jahr. Auch wenn sich mittlerweile die meisten einig sein dürften, dass die eingereichten Kampagnen nicht nur für den erwünschten Preisregen, sondern für die Wirklichkeit konzipiert werden. 
Ebenfalls schwach fiel heuer einmal mehr die Anzahl der Arbeitskräfte in der Werbe- und Kreativbranche aus. Der Arbeitgebermarkt befindet sich im Wandel, während die Jungen gerne schon hohe Ansprüche stellen und nicht unbedingt ausreichend qualifiziert sind. Die Branche wartet also auch 2019 weiter auf (wirklich) kreativen Nachwuchs.


Schulterschluss statt Gegenschuss
Statt sich bestmöglich gegen Google aufzulehnen, tat sich Heimat Wien einfach mit selbigem zusammen. Während der US-Gigant vergangenes Jahr bereits mit BBDO in Deutschland eine Kooperation einging, setzte er heuer einen Fuß in die österreichische Kreativbranche. Google werkt direkt im Kreativteam von Heimat Wien bereits mit Konzeptionsbeginn und soll Know-how, Technologien und Daten in digitale Kampagnen einbringen. Ende Februar konnte Google dann auch Jung von Matt/Donau für eine Kooperation gewinnen. 


Koalition für fairen Pitch
Dieses Jahr wieder gerne und zu Recht bekrittelt wurde die Pitch-(Un)kultur. Einmal mehr herauskristallisiert haben sich die Aspekte „kein Abschlagshonorar und Kurzfristigkeit“ unter anderem beim Pitch um Kika/Leiner (der dann später auch noch andere Probleme dazubekam). Eine mögliche Agenturenkoalition für faire und machbare Rahmenbedingungen im Zuge von Wettbewerben könnte für 2019 auf dem Plan stehen.

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