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FACC: Reale Science-Fiction aus Österreich

Mit Andreas Perotti als Leiter Marketing und Communications legt FACC seit eineinhalb Jahren erstmals auch einen starken Fokus auf den eigenen Auftritt.
© FACC

Als Entwickler von Produkten und Systemen für die Aerospace-Industrie ist FACC weltweit tätig. Im Interview verrät Kommunikationsleiter Andreas Perotti, wie er auch das Marketing in die Höhe bringen will.

"Ein klassischer Hidden Champion nahe der Umsatz-Milliarde“, so bezeichnet Andreas Perotti den Zustand des oberösterreichischen Konzerns FACC bei seinem Amtsantritt als Leiter Marketing & Communications im Juli vergangenen Jahres. Allerdings nur aus Kommunikationssicht wohlgemerkt. Denn heimische Produkte sind nicht nur in Red-Bull-Dosen in der Welt unterwegs, sondern etwa auch in Form von Kunststoffleichtbauteilen in der zivilen Luftfahrtindustrie. Jeder, der in einer Airbus- oder Boeing-Kabine sitzt, kennt die FACC-Innenausstattung, ohne es unbedingt zu wissen. Ende November folgte für FACC der nächste Arbeitsschritt: der Partnerschaftsdeal mit dem chinesischen Technologieunternehmen für autonomes Fliegen, EHang. Gemeinsam will man autonome Luftfahrzeuge demnächst in Serienreife bringen.

‚Verkaufen keine Wasserflasche‘
Das in Ried im Innkreis beheimatete Unternehmen FACC steht für Innovation und Zukunftstrends, und beschäftigt 3.500 Mitarbeiter in 13 Ländern weltweit. Dieses Jahr folgte der Einzug in den ATX. Bis vor eineinhalb Jahren lag aber das eigene Marketing selbst noch im Dornröschenschlaf, zum Leben erweckt von Perotti und seinem Team. Das einstige KMU sei rasant zu einem Konzern angewachsen, das Geschäfte mit Kunden wie Airlines und Ländern wie China macht. Man habe erkannt, dass Marketing und Kommunikation nicht nebenbei laufen können, so Perotti im Gespräch mit HORIZONT. Schnell war klar: „Wir müssen die Marke völlig neu denken. Schönere Bilder und eine Imagekampagne reichen nicht, wir brauchen eine fundamentale Neupositionierung. FACC bezeichnete sich selbst früher als Luftfahrtzulieferant.“ Dabei sei man doch viel mehr als das. Gemeinsam mit dem Agenturpartner Reichl und Partner machte sich FACC ans Rebranding.

Zwar sei man noch vom am Umsatz gemessenen 1,7-Prozent-Durchschnitt des Marketingbudgets europäischer B2B-Unternehmen „ein Stück entfernt“, der Trend zeige aber nach oben. Zumindest eine Inspirationsquelle lag mit der voestalpine geografisch nicht weit entfernt. „So innovativ die Aerospace-Branche in ihren Produkten ist, so wenig innovativ ist sie in der Art, wie sie sich präsentiert“, merkt Perotti an: „Wir wollen uns nicht an den Besten unserer, sondern der anderen Branchen orientieren. Eine Broschüre wird uns keinen Auftrag sichern, aber Marketing spielt auch eine Rolle – wir kennen es alle aus unserem Konsumentenverhalten.“ FACC ist zwar ein B2B-Unternehmen, „die Grenzen zu B2C haben jedoch keine Gültigkeit mehr“ – Zielgruppe sei der Mensch. Und: „Je größer das Volumen, desto wichtiger der persönliche Kontakt“, hält Perotti fest: „Bei Aufträgen im dreistelligen Millionen-Bereich und langen Laufzeiten kann man die Kampagnen nicht voll automatisieren. Wir verkaufen auch keine Wasserflasche.“

Besonders wichtig sei Marketing derzeit im neuen Geschäftsbereich mit 15 Milliarden Euro Potenzial für FACC, der Servicierung von Flugzeugflotten. Im Gegensatz zu den Flugzeughersteller-Kunden befinde man sich bei den Airlines noch im Imageaufbau: „Airlines sind markenaffine B2C-Unternehmen, hier muss man sich anders positionieren.“ Weiters investiere man zunehmend Marketingressourcen in das Employer Branding. In den kommenden zwei bis drei Jahren benötige man 700 neue Mitarbeiter. Viele kämen noch gar nicht auf die Idee, sich im Aerospace-Segment zu bewerben. Würden sie allerdings konkret darauf angesprochen, „findet unsere Branche jeder unglaublich cool“.

Hier setzt FACC aktuell auf einen Mix von Print, Radio und Social Media. Derzeit läuft die erste große Kooperation; eine crossmediale-Lehrlingskampagne mit der Kronen Zeitung. Der Zuschlag an die Krone fiel, „denn sie ist stark im Blue-Collar-Bereich, beliebt bei den Jungen, crossmedial aufgestellt und stark bei der Kampagnisierung“, erklärt Perotti. Eine Zusammenarbeit für 2019 mit ProSiebenSat.1 Puls 4 ist bereits unter Dach und Fach. Abseits des Employer Brandings wirbt man weiterhin via Fachmagazine und -messen, und neuerdings programmatisch über Geotargeting. So wolle man die Headquarters der kundenseitigen Entscheidungsträger mit Targeting-gestützter Bannerwerbung erreichen.

‚Lufttaxis in Europa wohl um 2030‘
Gedanken macht sich Perotti überdies schon um die Kommunikation des Next Big Thing: die „Lufttaxis“, deren Realität mit dem chinesischen Deal wieder ein Stück näher ist. Im asiatisch-arabischen Raum wird Perotti zufolge der Personenverkehr über spezielle Luftstraßen schon in den nächsten Jahren möglich sein, in Europa wohl um 2030. Nun hänge es von der Regulierung ab (und 5G sollte dann auch installiert sein). „Es klingt nach Science-Fiction“, weiß Perotti. Und das oberösterreichische Unternehmen ist schon dabei, alle Aerospace-Schrauben zu drehen, um die Science-Fiction wahr zu machen.

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