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TV punktet trotz nonlinearen Drucks

Medienminister Gernot Blümel bei seiner Eröffnungsrede.
© RTR/David Bohmann

Vor allem unter 30-Jährige kehren dem linearen Fernsehen laut einer RTR-Studie den Rücken zu. Beliebt bleiben TV-Sender bei Live-Elementen und Fernsehnachrichten.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 26/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Die Zeit, in der bewegte Bilder allein dem Fernsehen vorbehalten waren, ist längst vorbei. Zwar sehen mehr als 60 Prozent immer noch täglich fern, die unter 30-Jährigen verabschieden sich aber zusehends vom linearen TV. Dabei zeigen vor allem Personen mit formal höherer Bildung eine stärkere Neigung, nonlineare Videoangebote anstelle der linearen Programme zu nutzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR), die am Mittwoch im Beisein von Medienminister Gernot Blümel präsentiert wurde. Dieser hob in seinen Eröffnungsworten positive Erkenntnisse der Studie hervor: „Unsere Jugend ist an aktuellen Ereignissen und Nachrichten viel interessierter und gegenüber Inhalten aus sozialen Medien deutlich kritischer, als vielfach angenommen wird. Klassische Informationsmedien haben für die jungen Menschen dabei noch immer einen hohen Referenzwert. Demokratiepolitisch betrachtet stimmt das sehr optimistisch“, so der Minister.

Prozess beschleunigt sich
Derzeit konsumieren laut der Studie noch 38,2 Prozent der 16- bis 29-Jährigen täglich lineares Fernsehen. In der Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen liegt dieser Anteil bei 49,7 Prozent, bei den 45- bis 59-Jährigen bei 61,9 Prozent. Gleichzeitig geben in der Altersgruppe der unter 30-Jährigen 46 Prozent an, täglich Videoangebote (Videos, Mediatheken und Streamingdienste) zu nutzen. In der Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen liegt der Anteil derjenigen, die täglich Videoangebote nutzen, bei 14 Prozent. In der Altersgruppe der 45- bis 60-Jährigen spielt diese Art des Medienkonsums mit drei Prozent noch immer eine untergeordnete Rolle. Wie die Studienautoren festhalten, wird sich der „Prozess der Ablösung des linearen Fernsehens durch VoD-Angebote jedoch wahrscheinlich beschleunigen, sobald die technischen Voraussetzungen dafür erfüllt sind“. Als Vorteile von VoD-Formaten gegenüber dem linearen Fernsehen nennen alle befragten Altersgruppen eine größere Wahlfreiheit in Inhalt und Form sowie eine höhere Mobilität und zeitliche Unabhängigkeit. In den Augen der Jüngeren ist das Fernsehen auch nicht mehr zeitgemäß: „Etwas zugespitzt könnte man sagen: Regelmäßig fernsehen nach Ansicht der Jüngeren nur mehr die, die technisch und lifestylemäßig nicht auf der Höhe des Zeitgeistes sind“, so die Studienautoren.

Nachrichten weiterhin sind gefragt
Dennoch gibt es nach wie vor Fernsehformate, die auch bei jüngeren Rezipienten nicht durch Videoangebote ersetzt werden; einerseits Live-Events wie große Sportereignisse oder Shows, bei denen zeitversetzter Konsum keinen Sinn hat beziehungsweise jegliches Spannungsmoment unterläuft, sowie andererseits Nachrichten. So haben 47,7 Prozent der Personen unter 30 Jahren angegeben, täglich Nachrichten zu hören oder zu lesen. „Da Nachrichten aus den sozialen Medien derzeit nur eine geringe Glaubwürdigkeit besitzen, werden klassische Medien – wie der ORF, andere öffentlich-rechtliche Anstalten, aber auch Tageszeitungen, denen man Qualität zubilligt – wieder mehr Beachtung finden“, heißt es in der Studie. Eine Herausforderung stellen allerdings die beschleunigten Rezeptionsgewohnheiten der Jungen dar. „Das hohe Tempo, das in der Online-Kommunikation und im Videokonsum vorherrscht, vermindert die Chancen für Nachrichtenformate, die Themen ausführlicher darstellen und in der Tiefe analysieren.“ Zudem werden Stil und inhaltliche Ausrichtung von herkömmlichen Nachrichtenformaten von Jüngeren als wenig ansprechend empfunden.

Die Studie basiert auf einer qualitativen und quantitativen Erhebung, die von April bis Juni 2018 durchgeführt wurde.

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