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Viel Geld für die eigenen Leuchttürme

© Piotr Adamowicz/Adobe Stock

Milliarden-Investments sollen Eigenproduktionen als ‚Leuchttürme‘ der TV-Sender festigen. Die Branche zeigt sich in deren Bedeutung selten einig.

Eines eint den TV-Sender-Markt: Eigenproduzierte Inhalte stehen derzeit hoch im Kurs. Milliarden werden derzeit im deutschsprachigen Markt investiert, um unique Sendermarken zu festigen. „Eigenproduktionen sind seit jeher das wichtigste Differenzierungsmerkmal in unserem Geschäft“, sagt ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner gegenüber HORIZONT. „Und diese Produkte haben als DNA – das ist auch generell das ORF-Verständnis – die Kunst des Geschichten-Erzählens. Den Wettstreit um die Augenpaare kann nur für sich entscheiden, wer Leuchttürme und Verlässlichkeit gleichermaßen bietet. Das gilt für alle Anbieter.“ Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk machen laut Angaben Zechners Eigenproduktionen etwa 365 Millionen Euro des Budgets aus; 100 Millionen sind in einem Abkommen mit der Filmwirtschaft verpackt. ORF-Produktionen wie „Maria Theresia“ räumten zuletzt national als auch international Preise ab. „Dass unsere Geschichten, unsere Talente aus Schauspiel, Regie und Produktion mit uns ausgezeichnet werden – und das weltweit – ist wertschätzende Bestätigung unseres Wegs“, so die ORF-Verantwortliche. Maria Theresia wird fortgeführt, die Serien „Walking on Sunshine“ und „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ in Fertigstellung. Dazu stehen laut Zechner Produktionen wie „Liebermann“ mit der BBC und „Freud“ erstmals mit Netflix in den Startlöchern.

Österreichische Inhalte betont auch Markus Breitenecker für den im letzten Jahr erworbenen Sender ATV: „ATV hat eine klare Programmpositionierung mit einem Fokus auf österreichischen Produktionen.“ „Bauer sucht Frau“ ist immer noch Quotengarant, neue Formatideen wie „Blutwies’n“ sollen für Nachschub sorgen. Auch bei RTL hat Anke Schäferkordt schon für die letzten Jahre Eigenproduziertes als zentrale Devise ausgegeben. Das spiegelt sich auch im Programm der aktuellen TV-Season der Sendergruppe wieder, mit klarem strategischen Ansatz: „Als Vermarkter der Mediengruppe RTL sehen wir einen deutlichen Wettbewerbsvorteil durch starke Investitionen in Eigenproduktionen“, betonte IP-Österreich-Geschäftsführer Walter Zinggl zuletzt bei der Programmpräsentation in Wien. „Das gibt uns einen klaren Vorteil am Markt, vor allem gegenüber globalen Playern wie Netflix, Amazon und Co.“

Mit hohem finanziellen Aufwand produzierte Formate wie „Babylon Berlin“ sollen bei Pay-TV-Sender Sky unverwechselbare Inhalte schaffen. „Eigenproduktionen werden zu einem wichtigen Bestandteil der Programmierung, alle Sender sehen diese als ihre Leuchtturmprojekte. Das wollen wir genau so tun“, bestätigt Marcus Ammon, Senior Vice President Film bei Sky Deutschland. Bereits im letzten Jahr rief ServusTV seine Programmoffensive mit neben Sportinhalten auch Eigenproduktionen aus. Formate von „Heimatleuchten“ bis „Terra Mater“ setzen auch hochwertige, originäre Inhalte.

Der Trend zu Investments in eigene Inhalte erstreckt sich über den gesamten deutschsprachigen Raum. Acht Milliarden Euro investieren allein deutsche TV-Sender jährlich ins eigene Programm, rechneten deutsche Gattungsvertreter zuletzt im Vergleich zu den globalen 6,8 Netflix-Milliarden vor.

 

Lesen Sie dazu: TV: Allianz-Ambitionen gegen globale Giganten

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