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Twitter-Krieg in nächster Runde

© Ian Ehm

Nach der neuerlichen Attacke von US-Präsident Donald Trump gegen CNN bleibt der Sender standhaft. Gut für den Journalismus. Und die TV-Quoten. Leitartikel von Marlene Auer, Herausgeberin und Chefredakteurin.

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 35-36/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Machen Sie keinen Fehler, Herr Präsident, CNN lügt nicht. Wir bringen die Nachrichten. Und wir berichten, wenn Leute in Machtpositionen Lügen erzählen.“ Mit diesen Worten antwortete CNN, als Donald Trump den US-Sender vor wenigen Tagen via Twitter attackierte und den Watergate-Enthüllungsjournalisten Bernstein beschimpfte, ihm gar das „Erfinden“ von Geschichten vorwarf. Es wirkte, als käme Trump mit jeder Reaktion noch mehr in Fahrt, so forderte er schließlich sogar die Entlassung von CNN-Präsident Jeff Zucker. Er hätte einen „üblen Job gemacht, die Quoten sind schlecht“.

Paradoxerweise verbreitet Trump damit exakt das, was er vielen Medien von Beginn seiner Präsidentschaft an vorwarf: Fake News. Tatsächlich nämlich verzeichneten Medien, die sich kritisch mit seiner Person und seinen Aktivitäten auseinandersetzen, steigende Nachfrage. Im Print-Bereich sind es die Washington Post und die New York Times, die besonders bei den Online-Abos zulegen konnten. Doch auch kritische TV-Sender verbuchen Zuwächse, darunter eben auch CNN. 2017 war für den Sender ein Rekordjahr – es wurden die höchsten Quoten der Sender-Historie gemessen. Die Standhaftigkeit gegen Trumps Attacken sind also gut fürs Geschäft. Jeder Twitter-Krieg stärkt die Marke, die Zugriffe, die Quoten. Die Auseinandersetzung mit Informationen ist darüber hinaus wesentlich für die Demokratie. Gerade in Zeiten von (echten) Fake News und sehr bedenklichen politischen Entwicklungen in manchen Ländern der Welt braucht es kritischen Journalismus zur Sicherung von recherchierten Informationen durch ausgebildete Redakteure. 

Jeff Zucker wird übrigens als Keynoter bei den Österreichischen Medientagen Ende September in Wien sprechen. Und das ganz sicher über True News.

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