Horizont Newsletter

"Auflagen werden nicht ewig weiter schrumpfen"

Moser Holding-Chef Hermann Petz.
© MOHO/Oss

Nach Abschluss des jüngsten Geschäftsjahrs (Juli 2017 bis Juni 2018) zeigt sich Moser-Holding-Chef Hermann Petz zufrieden. Er ortet jedoch Veränderungen in Form leichter Verschiebungen bei den Erlösen Anzeigen vs. Vertrieb, glaubt an regionale Rubrikenportale und hält eigene Zustellsysteme als bedeutend für die Zukunft von Print.

Horizont: Laut dem jüngsten Abschluss Ihres Geschäftsjahrs soll es leichte Verschiebungen von Anzeigen- zu Vertriebserlösen geben. In welcher Größenordnung?
Hermann Petz: Bei der Tiroler ­Tageszeitung haben wir eine Steigerung der Vertriebserlöse von 2,6 Prozent, bei den Anzeigenerlösen inklusive Online einen Rückgang von 1,7 Prozent.

Wie kommt es zu dieser Entwicklung?
Wir machen, so wie alle Verlage, derzeit überdurchschnittliche Preiserhöhungen im Abonnentenbereich. Aktuell liegen wir bei 31,50 Euro pro Monat für sieben Tage – und damit noch weit entfernt vom Abopreis deutscher regionaler Tageszeitungen. Gleichzeitig sinken die Auflagen moderat. Alleine dadurch kommt es zu einer gewissen Mengenverschiebung.

Dass Verlage bei sinkenden Auflagen eine Steigerung oder zumindest Stabilisierung bei den Vertriebserlösen erzielen wollen, ist ja ein allgemeiner Trend. Andererseits können Copypreise nicht unermesslich angehoben werden, und Auflagen nicht unermesslich schrumpfen. Wo liegt die Schmerzgrenze?
Man kann schon davon ausgehen, dass die Auflagen nicht ewig weiter schrumpfen. Und zugleich werden naturgemäß die Abonnenten immer wichtiger. Derzeit verzeichnen wir in diesem Segment circa zwei Prozent Rückgang, liegen im internationalen Feld damit aber sehr gut. Es geht um die Qualität der Zielgruppe und das Erreichen von relevanten Reichweiten bei kaufkräftigen Lesern.

Die ÖAK weist aus, dass die Vollzahlerabos bei der Tiroler Tageszeitung leicht sinken, aber im überschaubaren Bereich. Auffällig ist jedoch, dass die Abos mit hohen Rabattierungen zwar auf niedrigem Niveau liegen, sich aber von 2015 auf 2017 fast verdreifacht haben. Steckt dahinter eine bestimmte Strategie?
In diesem Segment geht es um Abos, die an Stellen vertrieben werden, wo mehrere Menschen als Leser erreicht werden.

‚Ich kann mir vorstellen, dass die Tagesreichweiten der Regionalen sich den
Printreichweiten nähern.‘

Um den LpE-Faktor zu steigern?
Das ist nicht das vordergründige Ziel. Die Exemplare werden an Orten wie Wartezimmern oder Cafés vertrieben, sind aber trotzdem keine Gratis-Zeitungen. Wir haben dieses Segment nun auch ausgeschöpft. Zugleich ist die Zahl unserer Vollzahler ja weitgehend stabil geblieben. Bei der aktuellen Entwicklung wird die Differenz zwischen Mengenachse und Preisachse wichtiger. Früher wurden sicher viel mehr Gratisexemplare verschickt. Heute hat man das alles zurückgefahren und kann jetzt sagen, die Exemplare sind dort, wo sie wirklich gelesen werden. Bei Gratisausgaben weiß man das nie so genau.

Womit können dann Regionalmedien punkten, die Gratis-Medien produzieren und vertreiben?
Die RMA entwickelt sich in Print und Online sehr gut. Auch der Onlinebereich ist sehr spezialisiert und bietet eine Menge an lokalen und hyperlokalen Informationen, die in Summe zu einem schönen Wachstum führen. Was mich besonders freut ist aber, dass auch bei der tt.com das Wachstum weitergeht.

Wie viel Luft ist in diesem Segment noch nach oben?
Ich kann mir vorstellen, dass die Tagesreichweiten der Regionalen sich irgendwann den Printreichweiten nähern.

Wie schätzen Sie die Entwicklung für überregionale Zeitungen ein?
Die haben es schwerer. Bei uns macht es die Mischung aus überregionalen und regionalen Themen, bei rein überregionalen Zeitungen können Leser sich in diese Themen vertiefen – das sind aber sicher komplementäre Zielgruppen.

Gibt es digitale Angebote, die Sie ausprobiert und die nicht funktioniert haben?
Einige. Vor ein paar Jahren haben wir beispielsweise ein regionales Bekanntschaftsportal und ein Shopportal lanciert. Da muss man realistisch sein und sich eingestehen, dass man gegen ein skaliertes Modell internationaler Player nicht mithalten kann. Gestaltet man etwa ein lokales Amazon, scheitert man an der Konkurrenz zu technischen Lösungen von Unternehmen mit Tausenden Programmierern, und andererseits an der aufwändigen Betreuung der lokalen Händler. Dann hat man zwei Möglichkeiten: Ein schlechteres Angebot, oder man investiert so viel und kommt dafür schwerlich irgendwann über die Nulllinie.

Klingt wenig optimistisch, dass österreichische Angebote Boden gewinnen könnten gegen die Übermacht aus den USA – und bald wohl auch Asien, wenn wir an Alibaba denken.
Was funktioniert, sind auf die Region heruntergebrochene Rubrikenportale. Hier bemerken wir zunehmend, dass wir regional noch ganz andere Stärken haben, die von den Silicon-Valley-Riesen nicht abgegrast werden können.

Nämlich?
Mit dem Schaffen realer Erlebnisse und dem Unterstützen und Veranstalten von Events, die das Leben unserer Leser bereichern und die Marke stärken.

Wie skizziert sich die Aufteilung bei den Erlösen aus Print und Digital – und wie viel trägt der Eventbereich zum Umsatz bei?
Bei den Veranstaltungen reinvestieren wir das meiste wieder. Im Anzeigenbereich sind es circa 90 Prozent Print- und zehn Prozent Digitalerlöse.

Wird das so bei der Tiroler Tageszeitung so bleiben?
Was erfreulich ist, ist dass wir auch nach der DSGVO konstante Buchungen von Online-Werbung haben, obwohl wir uns dazu entschieden haben, keine getargetete Werbung anzubieten, sondern einfach unsere Zielgruppe vermarkten. Da sehe ich Wachstumsmöglichkeiten gegeben, aber auch moderat. Das Printvolumen wird durch die Digitalerlöse aber niemals ersetzt werden.

0 Kommentare

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online

Das könnte Sie auch interessieren