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Smart City: Maßgeschneidert & zielgerichtet

Symbolfoto
© Fotolia (Maksim Pasko)

In der Smart City eröffnen sich zahlreiche neue Möglichkeiten, Daten zu generieren. Davon profitieren auch Marketing, Werbung und Medien.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 26/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Smarte Technologien werden den Lebens- und Arbeitsalltag in Zukunft entscheidend bestimmen. Mit dem Einsatz dieser Technologien eröffnen sich auch neue Möglichkeiten, um Daten zu generieren. Doch wie können diese sinnvoll genutzt und wie kann Missbrauch verhindert werden? Und: Welche Potenziale erschließen sich dabei speziell für Marketing, Werbung und Medien?

„Im Kern geht es bei allen Maßnahmen rund um die ‚Smart City‘ darum, das Leben der Menschen einfacher und angenehmer zu gestalten“, unterstreicht Kati Förster, Director Data Solutions, MediaCom. Voraussetzung dafür sei einerseits eine offene Datenpolitik, die es Unternehmen erlaube, datenbasierte Anwendungen zu entwickeln. Andererseits, so räumt sie ein, würden miteinander verknüpfte digitale Systeme natürlich immer auch das Risiko eines Missbrauchs in sich tragen. „Das heißt, dass hier gleichzeitig auch ein Cyber-Security-Konzept vonnöten ist.“

Die Anwendungsfelder für Werbung und Marketing in einer „Smart City“ beschreibt Förster als vielfältig: „Wann immer wir uns im Internet der Dinge bewegen, können wir potenziell auch Daten sammeln, die für ein datengetriebenes Marketing mehr oder weniger nützlich sind“, erläutert die Datenexpertin. Hier müsse man nur an den ersten Schritt, quasi die Basis jeder Smart City denken, an ein Netz an öffentlich zugänglichen WLANs. „Diese können in einfachster Form für ortsbasierte Werbung genutzt werden.“ Aber auch Smart Homes oder smarte Wohnanlagen würden Hinweise darauf geben, wie Menschen ihren Alltag und ihre Freizeit verbringen. „Diese Daten helfen uns, maßgeschneiderte und damit relevante Produkte zu entwickeln und letztlich auch zielgerichtet zu kommunizieren.“

Im Dienste der Gemeinschaft
„Für uns geht es nicht darum, welche Daten wir sammeln können, sondern wie wir mit diesen Daten Vorteile für den Einzelnen oder für die Gemeinschaft schaffen können“, unterstreicht auch Matthias Fiegl, Abteilungsleiter IoT & Big Data, T-Mobile Austria. Welche Vorteile das konkret sein könnten, erläutert er am Beispiel von Großveranstaltungen: „Mit Unterstützung anonymisierter und aggregierter Mobilfunkdaten, ohne Möglichkeit, auf den einzelnen Kunden zurückzuschließen, können Besucherzahlen automatisiert erfasst und intelligent ausgewertet werden“, erläutert der Experte. Auf diese Weise könnten gefährliche Situationen rechtzeitig erkannt – und damit die Sicherheit erhöht – sowie der Einsatz der Rettungskräfte effizienter gestaltet werden. T-Mobile hat hier eine eigene Lösung entwickelt. Diese funktioniert so: Nutzen Menschen ein Smartphone oder Tablet, hinterlassen sie digitale Datenspuren. „Die Mobilfunkgeräte wandern dabei von Funkzelle zu Funkzelle und melden sich laufend an und ab. Und aus diesen Signalisierungsdaten der Mobilfunknetze lassen sich anonymisierte und aggregierte Bewegungsprofile erstellen.“ Mögliche Anwendungsfelder würden sich dabei natürlich auch für Werbung und Marketing ergeben: „So könnten zum Beispiel Werbetafeln auf Basis der gesammelten Daten optimal platziert werden.“

Kein gläserner Mensch
Bedenken in Richtung „gläserner Mensch“ begegnet Fiegl mit dem Hinweis darauf, dass Telekommunikationsanbieter den strengsten Datenschutzrichtlinien verpflichtet seien und das Thema Datenschutz daher zentraler Teil deren gesamten Handelns sei. Der Abteilungsleiter IoT & Big Data berichtet außerdem, dass T-Mobile darüber hinaus der erste Mobilfunkbetreiber sei, der das Netz für das Internet der Dinge (Narrowband-IoT-Technologie, kurz NB-IoT) in Österreich ausgebaut habe. „Den Netzausbau konnten wir im Juni 2018 abschließen.“ Bei NB-IoT handle es sich um ein schmalbandiges Netz, das sich für eine Vielzahl von IoT-Anwendungen und Städte, die „smart“ werden wollen, eigne – etwa bei der Parkraumverwaltung, beim Einsatz intelligenter Beleuchtung und Ladestationen oder bei einer vernetzten Müllabfuhr. „Mit der österreichweiten Versorgung von NBIoT sind wir international Vorreiter“, betont Fiegl. „Selbst innerhalb unseres Konzerns, also der Deutschen Telekom, sind wir Vorzeigeprojekt und neben den Niederlanden das einzige Land, das NB-IoT bereits landesweit anbieten kann.“

‚Smarte‘ Erlebnisse für Touristen
„Wir sind gerade dabei, mit verschiedenen Städten Smart-City-Lösungen zu entwickeln“, erläutert Richard Palmetzhofer, Leiter Solution Sales A1. Großteils würden dabei Sensoren zum Einsatz kommen. „Die auf dieser Basis gewonnenen Daten liefern wir an eine Plattform, die wir für die jeweilige Stadt betreiben.“ Als Beispiele nennt er Sensoren für Parken und Lichtsteuerung. Was in der Zukunft noch dazu kommen werde, sei, dass man den Städten Analysen, die auf anonymisierten, aggregierten Mobilfunkdaten basieren, beispielsweise für den Tourismus zur Verfügung stellt. „Diese Analysen könnten zum Beispiel Auskunft darüber geben, aus welchen Ländern die jeweiligen Touristen kommen.“

Aber auch den Touristen selbst wolle man künftig ein „smartes“ Erlebnis bieten. Derzeit entwickelt man beispielsweise ein Tool, das QueueZeiten verhindern soll: „Hier könnten wir Algorithmen verwenden, um dem Kunden so Auslastungs-Informationen zu geben, damit diese nicht stundenlang vor dem Schloss Schönbrunn stehen müssen.“ Erste Prototypen werden gerade erarbeitet, womit man fast eine Vorreiterrolle in Europa einnehme.

Zukunftsmusik Augmented Reality
„Auf einem Flughafen werden natürlich sehr viele Daten gesammelt. Gespeichert werden diese von uns allerdings nicht“, erläutert man seitens der Pressestelle des Flughafens Wien. Zudem gebe es hier auch ganz unterschiedliche User: „Als Flughafenbetreiber verfügen wir nur über Daten, die die Flugplaninformation betreffen und die für die Schaffung und Erhaltung der Infrastruktur notwendig sind.“ Auf Passdaten, biometrische Daten und die Videoüberwachung hätten hingegen nur die Behörden und auf die Passagierdaten die jeweiligen Airlines als Vertragspartner der Reisenden Zugriff. „Wir wissen nur, wie viele Menschen sich an Bord befinden, was es uns ermöglicht, den Flughafenbetrieb und damit auch unsere Services sowie kommerzielle Leistungen an das jeweilige Passagieraufkommen anzupassen.“

Neue Möglichkeiten für Werbung und Marketing auf Flughäfen könnte aus Sicht des Unternehmens die Augmented Reality bieten. „Im kommerziellen Bereich könnte diese Technik etwa die Möglichkeit eröffnen, dass ein Flugreisender, der sich in einem Shop befindet, Informationen über Sonderangebote erhält.“ Da hier GPS- und personenbezogene Daten miteinander kombiniert würden, würde die Nutzung der Technologie allerdings die Zustimmung des Passagiers über eine Flughafen-App voraussetzen. „Hier muss man aber erst schauen, welche Daten man wirklich braucht, um diesen Service auch anbieten zu können.

[Eva Pakisch]

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