Horizont Newsletter

Lokaljournalismus und Digitalisierung: Auf der Suche nach der neuen Rolle

© Adobe.stock.com/noci0114

Eine aktuelle Lokaljournalismus-Studie des Medienhaus Wien zeigt die Herausforderungen für diese Berufsgruppe auf.

"Heimvorteil? Digitale Transition im Lokaljournalismus" lautet der Titel einer neuen Studie, die im Spätherbst des vergangenen Jahres durchgeführt wurde und für die 2000 potentielle Interviewpartner identifiziert wurden. 185 Personen nahmen an der Befragung teil, 143 davon konnten nach allen Kriterien der Zielgruppe zugerechnet werden und vollendeten den Fragebogen.

Ein klares Ergebnis der Studie ist: Die Digitalisierung ist auch im österreichischen Lokaljournalismus angekommen. Obwohl die befragten Lokaljournalisten in Summe noch immer mehr für Print tätig sind, ist die Arbeit für Online-Publikation in den vergangenen fünf Jahren beim überwiegenden Teil sehr viel mehr geworden. 83 Prozent der Befragten geben an, dass Arbeitszeit, Anforderungen, Aufgaben und Erwartungen in diesem Bereich gestiegen sind. Dabei ist der Aufwand für Print aber nicht weniger geworden, sondern zumindest gleich geblieben. Das Resultat: Drei Viertel der Befragten veröffentlichen heute regelmäßig mehr Beiträge als vor fünf Jahren, noch mehr beschreiben ein generell gestiegenes Arbeitspensum.

Was sehen die Befragten nun als größte Herausforderung in Lokalmedien in Zeiten der digitalen Veränderung? Von den 105 Lokaljournalisten, die dazu Punkte auflisteten, wurden 41 Mal Aspekte thematisiert, die journalistische Qualität betreffen. Besonders häufig genannt wurde der Anspruch nach gründlicher Recherche und Richtigkeit der verbreiteten Artikel, als Gegenpol vor allem zu Social Media, wo „jeder seine Beiträge online stellen kann“ bzw. „wo jeder Quatsch gepostet wird und viele Falschinformationen verbreitet werden“ (Zitate zweier Studienteilnehmer). Explizit verwendet wurde mehrmals auch der umgangssprachliche, mehrdeutige Terminus „Fake News“, von denen man sich abgrenzen wolle. 

In dieses Bild passt, welche Kenntnisse die befragten Lokaljournalisten als besonders wichtig für die Weiterentwicklung ihres Berufes erachten. 94 Prozent finden Kompetenzen im Bereich „Text“ bedeutsam, also dem Format (z.B. Reportage) und dem Medienkanal (z.B. Online) angemessen schreiben zu können. Fast ebenso viele setzen auf „Recherche und Themenfindung“. 

Weiters zeigten sich Lokaljournalisten als ausgesprochene Optimisten. Zur Frage „Wie sicher ist Ihr eigener Job Ihrer Meinung nach?“ glaubt nur ein einziger der Befragten, dass der persönliche Arbeitsplatz „sehr unsicher“ wäre. Mehr als zwei Drittel schätzen ihren Job als „eher sicher“ ein, nicht einmal 10 Prozent empfinden ihn als „eher“ oder „sehr unsicher“. Im Vergleich mit Studien unter allen österreichischen Tageszeitungsjournalisten die eigene Jobsicherheit von jenen Journalisten, die sich dezidiert mit Lokalthemen beschäftigen, eindeutig als höher eingestuft. Auch für ihr Medienunternehmen sieht der Großteil der Befragten ein positive Zukunft. Fast drei Viertel der Befragten finden ihr Lokalmedium „eher gut“ oder sogar „sehr gut“ aufgestellt.

0 Kommentare

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online

Das könnte Sie auch interessieren