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"Change the Game": Milborn und Breitenecker präsentieren ihr Buch

Markus Breitenecker und Corinna Milborn
© Bernhard Eder bzw. Lisa-Maria Trauer

"Wie wir uns das Netz von Facebook und Google zurückerobern" - der Untertitel deutet die Stoßrichtung von Puls4 Infodirektorin Corinna Milborn und Puls4 Gründer Markus Breitenecker an.

Corinna Milborn und Markus Breitenecker scheuen sich nicht, deutliche Positionen gegen US-Player wie Facebook, Google und Co zu beziehen. Ihr heute erscheinendes Buch "Change the Game - Wie wir uns das Netz von Facebook und Google zurückerobern" fasst zusammen, was den Chef der ProSiebenSat1Puls4-Gruppe und die Puls 4-Informationschefin an den Internetgiganten stört und welche Maßnahmen sie im Umgang mit den Riesen fordern. 

Die Kernthese der Autoren: Facebook, Google und in modifizierter Form auch Amazon würden sich als technische Plattformen gerieren, seien aber Medienherausgeber. Facebook etwa, indem es den Newsfeed zusammenstelle. Somit könnten sie auch die Verantwortung für die dort verbreiteten Inhalte nicht abgeben. Mit dieser Verantwortung hätten die Silicon-Valley-Giganten aber gar nichts am Hut, meinen Breitenecker und Milborn. Vielmehr baue sich eine Clique reicher Männer Monopole mit einer eigenen Ideologie, mit Demokratie könnten sie nichts anfangen, Daten seien ihnen reines Wirtschaftsgut. Sie seien die Vertreter der "dunklen Seite der Macht" und "kapern das freie Netz": "So stirbt das Internet der Vielen."

Als Schäden skizzieren die Autoren zum einen die Verbreitung von Manipulation, Hass und Hetze, zum anderen das Aufsaugen von Onlinewerbung, das Printmedien beeinträchtige.

Drei Ansätze
Zur Lösung formulieren Milborn und Breitenecker unter dem Motto "disrupt the disruptors" drei Ansätze. Zum einen müsse der Rechtsrahmen aktualisiert, die Regeln für die Online-Welt angepasst und dann auch umgesetzt werden. Dies gelte für Medien-, Urheber- und Kartellrecht ebenso wie den Datenschutz, und es brauche eine europäische Anstrengung, um einheitliche Standards zu schaffen. Die Plattformen müssten überdies zur Inhaltskontrolle verpflichtet werden und dürften nicht steuerlich bessergestellt bleiben als traditionelle Medien.

Zum zweiten brauche es eine "neue europäische Medienordnung", für die das Buch mit insgesamt zwölf Thesen aufwartet. Eine Rolle darin spielen europäische Medienkooperationen, auch, um die Entstehung von Alternativen bis hin zu europäischen sozialen Netzwerken zu ermöglichen.

Drittens plädieren die Autoren ausführlich für einen "neuen öffentlich-rechtlichen Auftrag für das 21. Jahrhundert". Europas öffentlich-rechtliche Sender könnten der "Hebel" für einen "Befreiungsschlag" sein - seien derzeit dafür aber völlig falsch aufgestellt. Vieles in diesem Kapitel hat man in der Debatte in dieser oder ähnlicher Form bereits gehört: Allianzen statt Konkurrenz und ein "neues kooperatives Mediensystem" etwa. Die Öffentlich-rechtlichen könnten "eine Art Wikimedia aller öffentlich finanzierten Public-Value-Programme zur Verfügung stellen, damit sie jeder jederzeit ansehen kann" so eine "Vision".

"Anstatt auf den eigenen Kanälen möglichst hohe Quoten zu erzielen - mit allen Kompromissen, die dafür derzeit gemacht werden -, sollte es die Aufgabe der Öffentlich-rechtlichen sein, die gesamte Reichweite von Public-Value-Inhalten in europäischen Medien im Vergleich zu den US-Medien zu steigern und so für möglichst viel Qualität am gesamten Medienmarkt zu sorgen", heißt es weiter. "Kostbares Gebührengeld" sollte nicht für Programm, das "der Markt finanzieren kann", ausgegeben werden. Denn ja - gebührenfinanziert sollte das Öffentlich-rechtliche System sein, halten die Autoren fest.

"Das Buch deckt sich nicht mit Lobbying- und Positionspapieren, sondern sind Gedanken zu einem europäischen Mediensystem, die darüber hinausreichen", sagt Breitenecker, Vorsitzender des VÖP, der sich zuletzt eher für eine Budgetfinanzierung ausgesprochen hatte, laut APA. "Nicht in allen Ländern Europas sind Gebühren das Finanzierungsmittel - aber die Finanzierung sollte auch dort, wo sie aus dem Budget kommt, verfassungsrechtlich abgesichert sein, damit die Existenz der Öffentlich-rechtlichen nicht von der Tagespolitik beeinflusst wird."

"In unserem Vorschlag sollen öffentlich-rechtliche Kanäle als Rückgrat erhalten werden", betont Milborn gegenüber der APA: "Wir treten weder für Privatisierungen noch für die Auflösung von Kanälen ein."

Und was wünschen sich die beiden ganz konkret von der österreichischen Medienpolitik? "Die Lösung kann tatsächlich nur auf europäischer Ebene liegen", so Milborn. Doch es gebe "einige Schritte, die Österreich auch alleine durchführen könnte": Etwa höhere Steuerleistungen durchzusetzen, "Datenschutz einzufordern und klarzustellen, dass man österreichisches Medienrecht anwenden wird".

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