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5G: Das bringt der Datenturbo

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Die Wirtschaft hofft auf einen BIP-Boom, die Telcos sehen das Ökosystem der Zukunft. Für Medien bringt 5G neue Möglichkeiten in der Distribution, Werbern bei Smart Advertising.

Die Digitaliserung gilt als wohl größte Revolution der Geschichte, die Auswirkungen auf alle Lebensbereiche werden immer wieder betont und der Wandel der Wirtschaft beschrieben. Bedingung dafür ist, dass die Bevölkerung an der neuen digitalen Welt teilnehmen kann. Eine Schlüsselrolle kommt der nun neuen 5G-Datenverbindung zu. Denn abseits der urbanen Gebiete sieht es in puncto Schnelligkeit oft noch dürftig aus, statt Daten-Highway wartet oft eine holprige Bundesstraße mit potenzierten Problemen, wenn mehrere Nutzer mit geringen Bandbreiten auskommen müssen. Der neue Standard 5G verspricht nicht nur bis zu 100 Mal höhere Datenraten als die heutigen LTE-Netze, es geht vor allem auch um die Verfügbarkeit von Hochgeschwindigkeitsinternet, auch in ländlicheren Regionen. „Es darf kein Nachteil sein, wenn man im Waldviertel oder im Bregenzer Wald lebt oder dort eine Firma hat. Daher müssen wir schnellstes Internet in die Regionen bringen und wir wollen Vorreiter bei der 5G-Technologie sein, wie wir es auch bei früheren Standards waren“, meint Digitalministerin Margarete Schramböck, die sich das Themen auf die Fahnen geheftet hat, gegenüber HORIZONT.

Entsprechend wirtschaftsfreundlich gestalteten sich auch die Eckdaten der geplanten 5G-Frequenz-Auktion im Oktober 2018. Im Vergleich zur Bieterschlacht um die LTE-Frequenzen 2013, die zwei Milliarden Euro ins Staatssäckel brachte, beträgt das Mindestgebot dieses Mal nur 30 Millionen Euro (statt 526 Millionen 2013). Eine bewusste Entscheidung, meint Schramböck. Diesmal gehe es nicht um das Stopfen von Budgetlöchern. „Die Versteigerung im Jahr 2013 war nicht besonders nachhaltig konzipiert, weil den Firmen nach dem Lizenzerwerb die Mittel für die Implementierung gefehlt haben. Wie hoch die Einnahmen der nächsten Auktion sind, ist nicht genau prognostizierbar. Entscheidend ist, dass wir schnell in die Ausrollung und damit zu den Firmen und Haushalten kommen.“

Infrastrukturminister Norbert Hofer betont gegenüber HORIZONT ebenfalls die Wichtigkeit der neuen Technologie: „5G ist die Grundlage für zukünftige Entwicklungen in beinahe allen Lebensbereichen. Dazu zählen Industrie 4.0, autonomes Fahren, Smart Cities, Internet of Things, smart homes, Anwendungen im Gesundheits- und Bildungsbereich und viele mehr.“ Hofers Ministerium muss den Ausschreibungsbedingungen noch zustimmen, diese wird die zuständige Telekom-Control-Kommission nach Durchführung der derzeit laufenden Konsultation und Einarbeitung der Konsultationsergebnisse dem Bundesminister vorlegen.

Speed wins
Auch die Schnelligkeit des Ausbaus ist im Auktionsdesign festgehalten. Bis Mitte 2020 müssen die Auktionsgewinner die Hälfte ihrer 5G-Standorte stehen haben. „Falls die Versorgungsauflage nicht erfüllt wird, werden Pönalen fällig“, erklärt Johannes Gungl, Geschäftsführer des Fachbereichs Telekommunikation und Post der Rundfunk- und Telekomregulierungsbehörde (RTR) zu HORIZONT. Mit dieser Ausbau-Auflage soll zum einen das Horten von Frequenzen, also der Erwerb ohne wirkliche Nutzung, verhindert werden.

Zum anderen möchte die Regulierungsbehörde mit der erweiterten Auflage den 5G-Rollout anschieben und damit die 5G-Ziele der Republik unterstützen“, so Gungl. Was die Auktion ergibt, vermag auch er nicht vorherzusagen. Österreich sei 5GVorreiterland und es gebe noch nicht genug Erfahrungswerte zu tatsächlichen Marktwerten. Für die Investition in das neue Netz sollen Anbieter und Nutzer jedenfalls viel geboten bekommen, ist Gungl sicher: „Mit den erweiterten technischen Fähigkeiten von 5G eröffnen sich für viele Branchen neue Möglichkeiten.“ Einerseits seien das hohe Datenraten und die Fähigkeit, eine enorme Dichte an mobilen Endgeräten gleichzeitig zu versorgen – undabdingbar etwa beim Internet der Dinge. Zudem könne 5G nicht nur bei der Verbreitung von Medien-Content, sondern auch in der industriellen Produktion (etwa der Robotik) oder im Bereich der öffentlichen Sicherheit positive Effekte bringen. Weiters seien durch die schnellen Reaktionszeiten von 5G völlig neuartige Anwendungen im Bereich von Virtual und Augmented Reality möglich, meint Gungl. „Diese sind, zumindest potenziell, geeignet, einen Umbruch in der Art und Weise unseres audiovisuellen Medienkonsums herbeizuführen.“ Welche Anwendungen sich letztlich durchsetzen und auch erfolgreich vermarktbar sein werden, sei noch nicht abzuschätzen, schließlich befinde sich 5G derzeit noch in der Phase der Standardisierung. Mit ersten 5G-Netzen und -Diensten sei jedenfalls erst ab etwa 2020 zu rechnen.

Status quo: Österreichs Landkarte der mobilen Datenübertragung (je dunkler, desto schneller) zeigt noch viel Ausbaupotenzial.

32 Milliarden Euro für das BIP
Chancen gibt es jedenfalls viele, meint man auch bei der Internetoffensive Österreich: Mit 5G werde die Basisinfrastruktur für viele nachgelagerte Industrien und Dienstleistungen geschaffen. Zudem verweist man auf eine Studie von Arthur D. Little zu „Österreich 5G Vorreiter“. Diese kalkuliert als Effekte für Österreich in der 5G-Vorreiterrolle etwa einen BIP-Beitrag bis 2030 von 32 Milliarden Euro, 35.000 zusätzliche Beschäftigte und weitere höhere Effekte beim Zuzug von Fachkräften, ADI-Anstieg, F&E-Wachstum und der Ansiedlung von Start-ups.

Auch die heimischen Telekommunikationsunternehmen orten viel Potenzial bei 5G. Drei-CEO Jan Trionow sieht gegenüber HORIZONT in 5G „die zentrale Basisinfrastruktur für ein gesamtheitliches Ökosystem der Zukunft“. 5G ermögliche den Transport von Daten in verschiedenen Qualitäten, zum Beispiel mit geringen Verzögerungen, was bei selbstfahrenden Autos, Verkehrsinformationen oder Telemedizin eingesetzt werden könne. Der geringe Energieverbrauch spreche für eine Anwendung bei Machine-to-Machine-Lösungen. Auch für sein Unternehmen selbst erwartet Trionow Verbesserungen: „Drei ist Marktführer bei mobilem Internet in Österreich. Das 3-Netz transportiert mehr mobile Daten als die Netze der beiden anderen Anbieter zusammen. Die mobile Datennutzung unserer Kunden verdoppelt sich beinahe jährlich. 5G bringt auch diesbezüglich neue Möglichkeiten“, meint er.

Vielzahl an Impulsen
T-Mobile-CEO Andreas Bierwirth sieht gegenüber HORIZONT Vorteile für die österreichische Wirtschaft: „Wenn Österreich ein zügiger Ausbau gelingt, dann können heimische Betriebe und Start-ups bei den nächsten Digitalisierungsschritten ganz vorne mit dabei sein und international konkurrenzfähige Angebote entwickeln.“ Auch für autonomes Fahren und die Verwandlung von Autos in vernetzte mobile Büros seien kreative Lösungen gefragt, die in Österreich mitentwickelt werden könnten. Bierwirth wirft auch einen Blick zurück: „Erst vor elf Jahren kam das iPhone auf den Markt — seither ist ein ganzes Ökosystem rund um Smartphones und LTE entstanden.“ Mit 5G drehe sich diese Spirale einmal weiter: Derzeit würden wir die 5G-Anwendung, die alles erneut verändert, noch gar nicht kennen. „Sicher ist nur: Wer sich hier früh auf den Weg macht, hat bessere Chancen sie zu finden“, so Bierwirth. Bei A1 klassifizierte CEO/CTO Marcus Grausam 5G als „Nährboden für eine gesamtvolkswirtschaftliche Entwicklung“, die das Abwandern von Zukunftsindustrien verhindere: Unterschiedliche Industrie-und Gesellschafts-Cluster würden nachhaltig gestärkt – wie etwa Automobil & Logistik, Industrie, öffentliche Dienste, Smart City sowie praktisch der gesamte Bereich der Bildung. „Auch A1 TV und interaktive Videodienste werden von 5G profitieren“, sagt Grausam, der zugleich aber auch warnt: „Jeder Euro, der zu viel in die Auktion fließt, wird beim investitionsintensiven Infrastrukturausbau fehlen. Dies hätte einen nachhaltigen Schaden für viele Industrien und würde eine Abwertung des Wirtschaftsstandorts Österreich bedeuten.“

Kritik der Telcos
Denn das Auktionsdesign sehen die Telekommunikations-Unternehmen nicht ganz so positiv. Bei T-Mobile zweifelt Bierwirth deswegen an einem zügigen Ausbau. „Der jetzige Entwurf sieht eine Zersplitterung der Vergabe in zehn Regionen vor. Das ergibt einen Fleckerlteppich beim Ausbau — zum Beispiel gehört St. Pölten hier nicht zu Niederösterreich, oder Innsbruck und Bregenz sind eine Region, die in Hinblick auf die Errichtung von Infrastruktur überhaupt keinen Zusammenhang hat.“

Die Gefahr sei groß, dass sich Österreich damit völlig verzettele. Alle diese Betreiber müssten Dutzende Verträge und technische Verfahren miteinander abstimmen. „Das seinerzeitige Ziel der vorigen Bundesregierung, bei 5G wieder Anschluss an Europas Technologiespitze zu gewinnen, ist damit unerreichbar“, sagt der T-Mobile-CEO.

Bei Drei befürchtet man ähnliche Konsequenzen und Flickschusterei: „Die EU ist ja bereits mit ihrem sinnvollen Versuch, die Frequenzvergabe europaweit zu harmonisieren, am Widerstand einiger Mitgliedsstaaten, inklusive Österreich, gescheitert“, so Trionow. Der beim Auktionsvorschlag gewählte Ansatz einer regionalen Vergabe innerhalb Österreichs treibe es nun aber auf die Spitze. Wenn man das 5G-Netz zerstückele, setze man diese Technologie ineffizient ein. Bei den Versorgungsflächen müssten Schutzabstände eingehalten werden, was dann in weiterer Folge zu einer lückenhaften Versorgung führe. „Wir sind für Kooperationen offen. Alternative Anbieter haben die Möglichkeit, unser Netz zu nutzen“, kündigt Trionow an.

Auch A1 kritisiert die regionalisierte Auktion: „Österreich in zehn bis zwölf regionale Lizenzen einzuteilen, wenn wir gleichzeitig von einem europäischen Binnenmarkt sprechen, sehen wir kritisch. Nur durch eine landesweite Vergabe wird ein rascher, nahtloser Ausbau von 5G und eine gleich gute Versorgung ohne regionaler Unterschiede möglich sein“, meint Grausam, der sich auch über die Reihenfolge der Vergabe wundert: „Österreich braucht zuerst eine zielgerichtete 5G-Strategie, dann eine daraus abgeleitete TKG-Novelle und erst im Anschluss die Frequenzauktion“, meint der A1-CEO.

Weiterlesen:

>>> 5G – das erwarten sich Österreichs Medienhäuser

>>> Was sich die Werbebranche von 5G erhofft

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