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Mindshare: Die Pläne der neuen CEO

David Bohmann
Christine Antlanger-Winter
© David Bohmann

Christine Antlanger-Winter spricht mit HORIZONT über die Zukunft der Agentur, ihre Visionen und die Herausforderungen am Markt.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 8/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Sie ist die neue starke Frau an der Spitze der Agentur. Per Februar hat Christine Antlanger-Winter die Rolle als CEO von Friederike Müller-Wernhart übernommen, die Mindshare in den vergangenen 18 Jahren aufgebaut hat und nun in Pension geht. Bereits seit 2003 ist Antlanger-Winter an Bord, seit zehn Jahren hat sie als Mitglied der Geschäftsführung die Managementverantwortung für die digitale Entwicklung von Mindshare verantwortet. Als Chief Strategy und Digital Officer hat sich ihre Verantwortung ab 2015 auf Marketing und Strategie erweitert, bevor sie ab 2017 als Deputy CEO fungierte. „In meiner neuen Rolle als CEO“, sagt Antlanger-Winter im Gespräch mit HORIZONT, „kann ich auf das zurückgreifen, was wir als Team in der Vergangenheit definiert und aufgebaut haben.“ Konkret meint die Agenturchefin damit das Entwickeln neuer Technologien sowie das Schärfen des Aufgabengebiets. „Wenn wir über The Loop sprechen, sind es vier Jahre, im digitalen Marketing sind es zehn Jahre Vorsprung gegenüber externen Playern“, so Antlanger-Winter. „Wir haben schon vor Langem aus einem Marktbedürfnis heraus Beratungskompetenz aufgebaut.“ Sie ist überzeugt, dass „wir mit unseren Kunden in diesen Partnerschaften – die definitiv über reines Media hinausgehen – eine sehr gute Ausgangslage haben“

Holistische Sichtweise

So sieht sie auch keine große Bedrohung durch jene, die in der Branche Fuß fassen wollen – angesprochen etwa auf Unternehmensberater, die zunehmend in den Markt drängen (siehe dazu auch Coverstory HORIZONT 3/2018). In der Mindshare hätte man früh in ein breites Angebot investiert, stark von digitalem Grundgedanken und Datenansatz getrieben – so sei eine sehr unique und differenzierte Marktposition entstanden. „Was wir brauchen, sind digitalisierte Daten, die strukturiert verfügbar sind, um nicht auf einzelne Währungen angewiesen zu sein, sondern mit verschiedenen Datenquellen zu arbeiten und daraus mit menschlicher Intelligenz Insights zu generieren“, meint sie. Um die explodierende Menge an Möglichkeiten und Touchpoints zu steuern, brauche es weiterhin Experten und Setups, die agiles Arbeiten ermöglichen. „Sonst bleibst du in alten Arbeitsweisen stecken.“ Und das ist für Antlanger-Winter keine Variante. Der Agenturmarkt ist in Veränderung, ebenso wie Medien und Marketing – und „die Branche braucht einen Sparringpartner für die rasante Veränderung am Markt“, sagt sie. Es brauche eine holistische Sichtweise, die über reines Media weit hinausgeht. „Diesen Ansatz habe ich immer forciert – und halte ihn für die künftige strategische Ausrichtung der Agentur für unbedingt notwendig.“

Tempo und Technologie

Die großen Herausforderungen sieht sie in der Geschwindigkeit, mit der sich die technologiegetriebenen Veränderungen am Markt ergeben, die Fragmentierung des Medienmarkts an sich, einhergehend mit einer völlig neuen Consumer Journey und neuen planerischen Ansätzen. Kunden müssten künftig mit größtmöglichem Tempo in dieser Transformation begleitet werden. Es sei essentiell, im Fokus der rasanten Veränderung, eine Agentur anders aufzustellen, „und dabei gut überlegt Strukturen und Prozesse zu schaffen, die genau diese neue Welt reflektieren“. Dafür brauche es aber viel Sorgfalt. "Wir dürfen nicht von heute auf morgen alles schlagartig ändern“, sagt Antlanger-Winter. „Die Organisationsform muss dieser Veränderung im Gleichschritt folgen.“ Und, wohl genauso wichtig: Es braucht gutes Personalmanagement. Es gehe darum, Top-Talente einer neuen Generation zu managen, auf Augenhöhe mit ihnen zu arbeiten sowie interdisziplinäre Teams zu fördern. „Das beste Team und die beste Technologie sind die Basis, um bestmögliche Ideen und Umsetzungen zu erzielen – dafür braucht es den Spirit mehr und immer besser sein zu wollen“, sagt die neue Mindshare-CEO. Und wie sieht sie eine möglich zunehmende Abwanderung von Programmatic-Agenden hin zu Inhouse-Umsetzungen? Das IAB Europe hatte hier zuletzt mit den Ergebnissen seiner Studie Aufsehen erregt. „Prinzipiell schafft Programmatic die Arbeit nicht ab, sondern ist aus einer Notwendigkeit heraus entstanden, die Ansprache der personalisierten Masse automatisiert zu steuern“, sagt Antlanger-Winter dazu. Das sei von den Ressourcen her zumindest genauso aufwändig, wenn nicht sogar höher. Die Aufgabe der Agentur: „Uns kommt in all diesen Prozessen eine enorm wichtige Steuerungsaufgabe zu. Die Experten in diesem Bereich, der sehr spezialisiert ist und für den es wenig Erfahrung am Markt gibt, sind rar gesät – und wenn, dann gibt es sie in den Agenturen.“ Mit „The Loop“ habe es Mindshare Österreich zudem geschafft, auch international Beachtung zu finden. Der Standort gelte, so Antlanger-Winter, global im Konzern gesehen zu einem der Top-3-Markets. „Wir sind wie wir The Loop nutzen und denken weltweit führend. Diese Position will ich forcieren.“ Und wie steht es um Befürchtungen, dass Österreich bei großen, globalen Unternehmen nicht mehr als eigener Werbemarkt gelten könne und Werbespendings zentral von den Headquarters gestreut werden? Antlanger-Winter dreht dieses Szenario um: „Ich sehe weder einen Nachteil durch den kleinen Markt Österreich noch eine Gefahr, dass Entscheidungen der Kunden künftig international über unsere Köpfe hinweg getätigt werden.“ Ein gutes Team mit gutem Leadership müsse herausragende Leistungen erbringen. „Das ist meiner Meinung nach von überall aus möglich“, sagt die Mindshare-CEO und setzt nach: „Wir erlegen uns in Österreich oftmals Grenzen auf, die umgekehrt gedacht eine Chance sein können: Warum soll nicht aus Österreich heraus Innovation und großartige Arbeit passieren können?“ Das ist auch ihr Ziel: „Ich will den erfolgreichen Weg weiterführen und die Marktposition von Mindshare ausbauen“, so Antlanger-Winter abschließend. Und: „Ich will absoluter Innovations-Leader sein, das Interesse von Kunden auf andere Services, die wir anbieten, ausdehnen und so weiter wachsen.“

 

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