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5G und Mobile Marketing: Warten ist zu wenig

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© APA/AFP

Das Potenzial von 5G für Mobile Marketing sieht man auch bei den Telekommunikationsunternehmen. Zur Nutzung nehmen sie die Werber in die Pflicht.

Eines der prägnantesten Features, die Matthias Zacek, Industry Head Google Austria, im Rahmen der Präsentation der „Mobile Speed Rankings“ präsentiert hat, war der Schieberegler im neuen „Mobile Speed Scorecard“-Tool. Per Mausklick errechnet das Programm, wie viel mehr Umsatz generiert werden könnte, wenn die Ladezeit der mobilen Seite sinkt – auf Basis einer angenommenen 4G- oder WLAN-Verbindung. Vom verführerischen Gedanken, nun einfach auf die Ausbreitung von 5G zu warten und dem Umsatz bei den einhergehenden sinkenden Ladezeiten beim Wachsen zuzusehen, kann Zacek aber nur abraten. Zum einen sei die flächendeckende Verbreitung der nächsten Mobilfunkgeneration noch ein gutes Stück weit entfernt, zum anderen sollte es darum gehen, auch auf Basis einer 3G-Verbindung, die immer noch die verbreitetste in Österreich ist, eine schnelle Seite bieten zu können.

Dennoch klingen die Prognosen zu den Auswirkungen von 5G auf den Bereich Mobile Marketing sehr verlockend. Der „Mobile First World 2018“-Report von Adobe errechnete etwa für US-Händler ein Plus von zwölf Milliarden Dollar pro Jahr durch die Verbreitung von 5G. Überall auf der Welt seien Smartphones der Treiber für Wachstum im Internet.

Vorsicht vor Goldrausch
Bei den österreichischen Telekommunikationsunternehmen sieht man die Sachlage etwas vorsichtiger. „Bei jeder neuen technologischen Entwicklung kursieren Studien, die neue Goldgruben versprechen, ohne dass diese dann gefunden werden“, meint T-Mobile-Sprecher Helmut Spudich gegenüber HORIZONT. Generell sei 5G eine wichtige Weiterentwicklung sehr leistungsfähiger Datenverbindungen. „Jährliche Zuwachsraten der Datenmengen von 100 oder mehr Prozent zeigen, dass wir noch lange von einem Abflachen dieser Kurve entfernt sind“, meint der Unternehmenssprecher, der sich eine graduelle Entwicklung mit offenem Intensitätsgrad erwartet. „Zunächst werden sich damit jetzige Anwendungen intensivieren, allen voran Videostreaming. Augmented und Virtual Reality werden zwar sicherlich zu diesem Datenwachstum und dieser Nutzung beitragen, in welchem Umfang ist jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzbar. Der Gedanke, dass aus den jetzigen „Smombies“, also den „Smartphone Zombies“, auf der Straße „VRombies“ werden, erscheint dem Sprecher auf ein paar Jahre nicht so realistisch. Generell nehme Mobile Marketing zu, das sei aber nicht erst eine Folge von 5G, sondern passiere schon seit vielen Jahren. „Und vielfach ist es eine Verlagerung von Aufwendungen und keine zusätzlichen Budgets“, so Spudich.

Chance und Verantwortung
Auch bei A1 attestiert man der neuen Mobilfunkgeneration großes Potenzial, das es nun zu nutzen gelte. Marco Harfmann, Director Transformation & Marketing Communications, meint zu HORIZONT: „5G wird den Bereich des Mobile Marketings in zweierlei Hinsicht disruptieren: Einerseits werden viel mehr Geräte, vom Auto bis zum Kühlschrank, mit dem Internet verbunden sein und uns dadurch wertvolle Daten liefern.“ Es gelte also nun, diese Daten möglichst smart zu nutzen und dadurch neue Zielgruppen zu erreichen. „Andererseits werden durch 5G Videoerlebnisse in 4K sowie in VR und AR mobil und überall möglich“, meint Harfmann: „Daher müssen Werber sicher über neue Werbeformen nachdenken, die Kunden im virtuellen Raum glaubwürdig und trotzdem unaufdringlich erreichen.“ Ähnlich sah die Auswirkungen von 5G zuletzt auch Georg Löffelmann, Head of Strategy, Innovation & Lifecycle bei der A1 Telekom Austria AG: Im Rahmen der Digital Business Trend sieht er auch Anwendungen bei Smart Home, smarten Verkehrslösungen oder Industrie 4.0 – „und bei Anwendungsgebieten, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können“. A1- CEO/CTO Marcus Grausam meinte zudem: „Auch A1 TV und interaktive Videodienste werden von 5G profitieren“ (vgl. HORIZONT 09/18).

Auch bei der Internetoffensive Österreich rechnet man gegenüber HORIZONT mit erheblichen Auswirkungen durch die neue Technologie: „Die 5. Generation des Mobilfunkstandards wird die Möglichkeiten von Mobile Marketing deutlich erweitern und verbessern. Aufgrund der rascheren Datenübertragung durch 5G wird Echtzeitkommunikation zur Realität, wodurch neue Anwendungsformen für Industrie und Endkonsumenten, zum Beispiel Haushalt, Fahrzeuge, Entertainment entwickelt werden können“, heißt es bei der IOÖ. Dabei entstünden wertvolle Daten und Informationen, die für den Bereich des Mobile Marketings neuartig genutzt werden können und von der Werbebranche innovative Ansätze fordern. „Die Berücksichtigung der strengsten Datenschutzregeln auf nationaler und europäischer Ebene wird in diesem Zusammenhang ebenso eine wichtige Rolle spielen“, so die IOÖ. •

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