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40 Jahre ÖJC: Ein Sprachrohr für Journalisten

Fred Turnheim wurde 1988 geschäftsführender Präsident des ÖJC und 1990 schließlich zu dessen Präsident gewählt – seither hat er das Amt inne. © Bernhard Moestl

Fred Turnheim, Präsident des Österreichischen Journalistenclubs, über politischen Handlungsbedarf, seine Besorgnis im Hinblick auf Grund- und Freiheitsrechte und die Schwierigkeit bei der Nachwuchssuche.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 49 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Der Österreichische Journalisten Club (ÖJC), die größte parteiunabhängige Journalistenorganisation hierzulande, feiert ihr 40-jähriges Bestehen. Wünsche hat ÖJC-Präsident Fred Turnheim genug – nicht nur zum Jubiläum und insbesondere an die Politik: „Ich würde mir die sofortige Aufhebung der Einschränkungen für Journalisten im Sicherheitspolizeigesetzes, keine Einschränkung der Medien im Rahmen der Terrorismusabwehr und eine neue Form der Bundespresseförderung zur Stärkung der Medien wünschen.“

Auf die Frage, wie sehr der ÖJC eigentlich gehört wird, wenn dieser Forderungen und Vorschläge an die Politik richtet, antwortet Turnheim: „Wir haben erkannt, dass Vorschläge, die konstruktiv von uns kommen, durchaus in dem einen oder anderen Fall auch umgesetzt werden.“ Als Beispiel nennt er die Durchsetzung des Presseausweises für Journalisten in Kriegs- und Krisengebieten. „Das war eine eindeutige Forderung ausschließlich vom ÖJC, die dann auch umgesetzt wurde.“ Als Interessenvertretung nimmt der ÖJC auch an Gesetzesbegutachtungsverfahren, sowie Arbeitskreisen zu den Themen Grund- und Freiheitsrechte, Urheberrecht und Pressefreiheit teil.

Das Solidaritätsproblem

Eigene Medien wurden gelauncht, eine Videoschiene aufgebaut und die Mitgliederzahlen wachsen stetig – es ist eine durchwegs positive Bilanz, die Turnheim anlässlich des 40. Jubiläums zieht. Negativ allerdings bewertet er die gesellschaftspolitische Entwicklung im Hinblick auf Grund- und Freiheitsrechte welweit. „Fälle wie der in der Türkei inhaftierte deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel und der Journalistinnenmord in Malta beweisen, in welcher schlechten Situation wir uns weltweit befinden.“ Diese Angriffe seien nicht nur Angriffe auf Journalisten, sondern auf die Grundund Freiheitsrechte der Menschen.

Unter den österreichischen Journalistenorganisationen fehlt Turnheim die Solidarität. Diese würden sich eher bekämpfen, statt gemeinsame Ziele zu verfolgen. „Ich finde dieses Einzelkämpfertum absurd und denke, dass wir solidarisch zusammenarbeiten sollten. Mein großer Wunsch für die nächsten 40 Jahre wäre eine solidarische Zusammenarbeit unter allen Journalistenorganisationen.“ Für 2018 stehen die Erweiterung der Videoschiene, der Ausbau der Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten und eine Neustrukturierung des Dr. Karl Renner-Publizistikpreises auf der Agenda.

Die Einnahmequellen

Das alles kostet natürlich Geld. Einnahmen lukriert der ÖJC nicht nur durch die Beiträge seiner 6.700 Mitglieder, sondern auch über die Journalismus & Medien Akademie, Lehrredaktion und Seminare. Zudem bringt die Vermietung des hauseigenen Presse- und Schulungszentrums Einnahmen. Insgesamt steht dem ÖJC jährlich „ein höherer sechsstelliger Betrag“ zur Verfügung, sagt Turnheim. Die Organisation lehnt allerdings – um die Unabhängigkeit des Vereins zu garantieren – jede Form der Bundespresseförderung ab. „Alle Aktivitäten und Initiativen muss sich der ÖJC als Wirtschaftskörper selbst erwirtschaften.“

Seit 1990 leitet Turnheim nun schon die Organisation. Pensionspläne stehen bereits im Raum: „Mein Ziel ist, bei der nächsten Generalversammlung 2020 zu sagen, jetzt gehe ich langsam wirklich in Pension.“ Die Nachwuchssuche gestaltet sich allerdings als nicht ganz einfach: „Ja, wir suchen Nachwuchs für den ÖJC, denn es ist eine ältere Führungsschicht am Werke, die dringend jüngere Leute braucht. Wir freuen uns auf Junge, die mitmachen und den Verein übernehmen wollen. Nein, wir wollen auf keinen Fall den ÖJC sterben lassen.“

Die Vereinigung wurde 1977 von Günther Nenning und Wolf in der Maur gegründet. Bis 1984 diente der ÖJC als Vorfeldorganisation der Journalistengewerkschaft innerhalb des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB). 1984 wurde die Organisation unabhängig.

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