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3,5 Thesen und Fahne hoch für freies Internet

Sascha Lobo spricht zur "Netz-Leute Nation" auf der re:publica 2012 - (c) re:publica

Sascha Lobos Überraschungsvortrag auf der re:publica

Überraschungsvortrag stand da im Programm, und das konsequent bis 20:00 Uhr, als Lobo gestern Abend die Bühne betrat. Erst dann wurde das Geheimnis um den Titel seiner "Rede an die Netzleute-Nation" enthüllt und lautete überraschender Weise einfach: "Das Internet 2012"

Spannender waren dann schon die Inhalte, denn Lobo kam mit 3 Thesen nach Berlin:

1. Das Urheberrecht interessiert deine Mutter.Nicht.

Was er damit sagen will, ist das eigentliche Programm des Vortrags: Diejenigen, die sich intensiv mit den Auswirkungen der aktuellen digitalen Entwicklungen beschäftigen, sind nur sehr wenige. Leicht vergisst man das, wenn man selbst ständig von diesen Menschen umgeben ist. Das gros der Deutschen (und auch der Österreicher) nutzt das Netz aber natürlich weit weniger intensiv und wann welche Daten getrackt und gespeichert werden ist ihnen gar nicht bekannt. Damit auch schon die Überleitung zu These 2:

2. Wir müssen einen Weg finden, dauerhaft mit 30 Millionen Nicht-Nutzern klarzukommen

30 Millionen nutzen das Internet in Deutschland nicht, oder nur sehr eingeschränkt. Trotzdem bilden sie die Meinung zum Internet mit. Ganz massiv sogar, denn deren Ängste und Vorbehalte beeinflussen selbstverständlich die Politik oder vielmehr die Politiker maßgeblich. Daher These 3:

3. Wir brauchen neue Narrative.

Die Meinung zum Netz wird mit Narrativen gebildet. "Das Netz macht einsam." ist so eine Einsatz-Kurzgeschichte. Oder "Anonymität führt zur Verrohung der Sitten." Schwer zu überprüfen, aber "fühlt sich wahr an", egal ob es nun wahr ist, oder nicht - so charakterisiert Lobo diese Narrative. Und fordert gleichzeitig auf, eigene zu erzählen. Solche freilich, die für das Internet (und damit meint er das freie Internet) sprechen. Denn so wird Meinung gemacht. Und damit zu These 3,5:

3,5. 2012 wird für das Internet das Jahr vor dem entscheidenden Jahr.

Klingt nach einer Verschnaufpause. Ist aber wohl eher als "Leute, es ist 5 vor 12" gemeint. Noch haben wir Zeit zu handeln. Aber nicht mehr viel.

Das Thema zieht sich durch Lobos Rede wie auch unterschwellig oder direkt angesprochen durch die gesamte bisherige re:publica: Das Internet bewegt sich auf die gefährliche Situation zu, von wenigen großen Konzernen beherrscht zu werden, die dadurch wiederum zu mächtig werden. Und das vor allem wegen der Daten, die sie über jeden einzelnen von uns haben. Aber auch wegen der Gate-Keeper Funktion, die sie einnehmen, mit der sie uns zeigen, was ihnen passt.

Daher von allen Seiten und jetzt auch von Sascha Lobo das Plädoyer für ein freies Internet. Und direkt an das Publikum der Aufruf den Blog als "die selbstbetreute Homepage" hochzuhalten. Der einzige Ort online, an dem nur der Autor bestimmt, was gezeigt wird.

[Michael Weberberger]

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