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25 Jahre Aigner PR: 'Haben natürlich auch Fehler gemacht'

Peter Aigner setzt auf persönliche Betreuung und Beratung.
© Aigner PR

Seit 25 Jahren führt Peter Aigner seine gleichnamige PR-Agentur. Eine Bilanz von den ersten verdienten Schillingen bis zur Kaltakquise bei Starbucks.

Dieser Bericht ist zuerst in Ausgabe Nr. 49/2019 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Im Jahr 1994 stimmten die Österreicher nach erfolgreichem Abschluss der Beitrittsverhandlungen für den Beitritt zur Europäischen Union. Ein Wirtschaftsbericht hielt seinerzeit fest: “Die Rezession konnte überwunden werden, Nachfrage und Produktion nahmen einen deutlichen Aufschwung, die Inflation war tendenziell rückläufig.” Beste Startbedingungen also für die Gründung eines eigenen Unternehmens – und so wagte der damals 32-jährige, gebürtige Wiener Peter Aigner den Schritt in die Selbständigkeit.

Der gelernte Journalist arbeitete zuvor beim Wirtschaftsmagazin Cash-Flow (1988–1992), beim Kurier (1990–1992) und im Mucha Verlag (1992–1995). Aigner blickt zurück: “Ich komme ja aus dem Journalismus und war – noch in der Agenturgründungsphase – beim Kurier und beim Wirtschaftsblatt. Ich habe 1994 mit meiner Frau die Agentur gegründet, weil es für mich einfach spannend war, die ganze Sache einmal von der anderen Seite zu sehen. Und ich ­glaube, dass es gut ist, bevor man in die PR geht, Erfahrungen als Redakteur gesammelt zu haben, um deren Arbeitsweise zu verinnerlichen.” Nach einiger Zeit der Paralleltätigkeit stieß Aigner an seine Kapazitätsgrenzen und arbeitete vortan auch aus “Gründen der Optik” ausschließlich als selbstständiger Agenturbesitzer. An seinen ersten Kunden kann er sich noch genau erinnern.

Erster Auftrag für 6.000 Schilling
“Der erste Kunde war eine oberösterreichische Firma und wurde uns von einem Bekannten vermittelt. Die haben damals 6.000 Schilling bezahlt, als Monatspauschale. Das war 1994 viel Geld. Es war ein Kunde, der vorher noch nie PR gemacht hatte, und er hat uns machen lassen.” Auch an die Arbeitsweise kann sich Aigner noch gut erinnern: “Wir haben einfach ‚learning by doing‘ gemacht. Und wir haben natürlich auch Fehler gemacht”, bekennt er. “Ich glaube, es ist wichtig, dass man ein, zwei Kunden hat, die einem auch mal freie Bahn lassen.” In der Folgezeit hat Aigner PR eine ganze Reihe von Kunden in allen Fragen der PR betreut und mit ihnen langjährige Partnerschaften geführt. Besonders gerne denkt ­Aigner an zwei Top-Kunden zurück: Starbucks Österreich und SK Rapid Wien. “Wir haben sowohl B2B- als auch B2C-Kunden betreut, und wir hatten sowohl Firmen aus Österreich als auch internationale Firmen und deren österreichische Ableger im Portfolio. Der Kunde, der in der Außenwirkung wahrscheinlich am wichtigsten gewesen ist, war Starbucks Österreich, die wir ein Jahr, nachdem sie nach Österreich gekommen sind, übernommen haben. Und das war natürlich ein ­großer Name, der für uns damals als junge Agentur – das war 2002, 2003 – sehr viel hergemacht hat in der Branche.”

Eine E-Mail nach Seattle
Aigner plaudert aus dem Nähkästchen – er habe damals ein Buch von Howard Schultz, dem Gründer von Starbucks, gelesen und eine E-Mail nach Seattle an das Headquarter geschickt: “Wenn Sie einmal nach ­Österreich kommen, würden wir gerne PR für Sie machen.” Dann kam als Antwort: “Danke für Ihre Anfrage, wir halten das in Evidenz.”

Und dann ist Starbucks tatsächlich nach Österreich gekommen. Das Unternehmen habe allerdings das erste Jahr mit einer anderen Agentur gearbeitet und mit ihr sogar einen PR-Preis gewonnen. “Starbucks war aber trotzdem nicht zufrieden, und so haben wir im darauffolgenden Jahr den Auftrag bekommen. Ich dachte, es sei Zufall, dass das, was man sich wünscht oder erträumt, wahr geworden ist.”

Ein weiterer Kunde, der ebenfalls recht anspruchsvoll in der Umsetzung war: der Fußballverein Rapid Wien, den Aigner PR von 2004 bis 2009 betreut hat, “in einer Phase, in der der Verein sehr erfolgreich war und zwei Mal Meister geworden ist”, so Aigner. “Das war noch in der Vor-Red-Bull-Ära sozusagen. Rapid hatte damals noch nicht wirklich eine PR-Agentur engagiert, und unser Job war es, den Verein auch auf die Wirtschaftsseiten der Medien zu bringen. Wir haben Kooperationen mit dem Marketing-Klub, mit der Österreichischen Marketinggesellschaft zustande gebracht – und es ist uns gelungen, Rapid auch immer einmal in Marketing-Medien unterzubringen oder auf Wirtschaftsseiten von Tageszeitungen.”

Befragt nach seinem Credo antwortet er spontan: “Man muss immer versuchen, kreativ zu sein. Und bei Kunden, die vielleicht einmal weniger Budget haben, mit guten Ideen interessante Dinge umsetzen.” Als Beispiel nennt er DocLX, Veranstalter von Maturareisen. “Maturareisen haben nicht immer das beste Image, und wir haben damals mit der Netzwerkforschung eine Jugendstudie gemacht. Und so wurde der Jugendtrendmonitor ins Leben gerufen, bei dem jedes Jahr unterschiedliche Themen abgefragt werden. Umgesetzt hat es DocLX dann mit Marketagent.”

Komplexität steigt
In der Retrospektive nennt Aigner vor allem den technologischen Wandel als die größte Veränderung der vergangenen 25 Jahre. “Als wir begonnen haben, gab es noch nicht einmal Internet. Dann kam Online, die Sozialen Medien, Facebook, Instagram, und am Ende stehen die Blogger und die Influencer, wo wir auch seit zwei Jahren eine eigene Data-Biz haben und sie mit betreuen.”

Für Aigner, der sich gerade über den Neukunden Air Arabia, den größten Low-Cost-Carrier im nordafrikanischen und arabischen Raum, freuen kann, ist persönliche Betreuung das Wichtigste. Er führt seinen Erfolg darauf zurück, dass man als klassische, inhabergeführte Agentur agiere: “Wir sind ein kleines Team, haben einen hohen Bekanntheitswert. Zudem sind wir seit 2009 im internationalen Netzwerk Comvort vertreten, einem Zusammenschluss inhabergeführter Agenturen”, so der PR-Experte.

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