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21. Journalistinnenkongress: Warnung vor Generationenwechsel und Backlash

Der 21. Journalistinnenkongress findet heute im Haus der Industrie in Wien statt.
© Journalistinnenkongress

Die Medienfrauen am 21. Journalistinnenkongress berichten von einem gesellschaftspolitischen Backlash und stellen fest, dass hart erkämpfte Rechte wieder in Frage gestellt werden.

Der Journalistinnenkongress findet heute zum 21. Mal im Haus der Industrie in Wien statt. Die Initiatorin Maria Rauch-Kallat betonte in ihrer Eröffnungsrede: "Es wird heute darum gehen, das zu verteidigen, was die Frauen bis heute erreicht haben, doch wir brauchen auch Fortschritte. […] Es ist ein Verteidigungskampf, bei dem es um Macht und Einfluss geht." Für die Zukunft wünsche sich die ehemalige ÖVP-Frauenministerin, dass mehr Frauen in öffentliche Entscheidungen involviert werden, denn Frauen würden – in verschiedenen Bereichen – einen anderen Schwerpunkt als Männer setzen.

Ähnlich sah dies Georg Kapsch, der dieses Jahr seine letzte Rede als Hausherr des Hauses der Industrie hielt: "Männer sehen ein- und dieselbe Situation anders als Frauen, gerade deswegen ist es wichtig, dass Frauen in Führungspositionen kommen und in den Medien repräsentiert werden. […] Ich werde diese Runde immer im Herzen mittragen." Als einziger männlicher Redner kritisierte der Präsident der österreichischen Industriellenvereinigung abermals, dass zu wenig Frauen in führenden Positionen tätig sind. Wenn in einem Vorstand von zehn Personen nur drei Frauen seien, "ist das ein Sittenbild der Gesellschaft". Er plädierte für die Quote, denn wenn es keine gebe, bewege sich viel weniger. Trotzdem hoffe er bald ohne Quote auskommen zu können.

Warnung vor Generationenwechsel und Backlash
"Von den letzten 25 Jahren kann viel Positives berichtet werden, jedoch mit einem großen Aber", meinte Ehrengast Frauenministerin Ines Stilling. Besonders betonte sie hier den Generationenwechsel und den Backlash, der in verschiedenen Bereichen, wie dem Schwangerschaftsabbruch oder dem Umgang mit Rollenklischees, spürbar sei.

Vor dem Backlash warnte auch die Philosophin und Autorin Lisz Hirn in ihrer Keynote mit dem Thema "Warum wir uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen dürfen". "Wir stecken schon mitten im Backclash", sagte Hirn bestimmt. Der Neokonservatismus sei wieder chic, wir erlebten eine neue Prüderie und die Biederkeit werde immer sichtbarer. Sie stellte sich die Frage: "Sind Frauen die größten Feindinnen der Frauen? Nein das sind sie nicht", so Hirn und erklärte, dass Frauen keine Minderheit seien und es schon Frauen in früheren Generationen gab, die für Frauen kämpften, welche allerdings in Vergessenheit geraten sind. Außerdem dürften wir uns nicht ausruhen, denn es sei ein Kampf miteinander und nicht gegeneinander.

Neue Kämpfe und erneute Kämpfe
Die Generalsekretärin des Presseclubs, Daniela Kraus, diskutierte am heutigen Vormittag mit den Journalistinnen Melisa Erkurt, Angelika Hager und Christiana Jankovics über Rückschläge in der Geschlechtergleichstellung. Dabei ging es um neue Kämpfe und erneute Kämpfe, gemäß dem Motto des heutigen Kongresses: "Nix ist fix!". Feminismus sei für die junge Journalistin Melisa Erkurt schon seit ihrer Kindheit ein Thema, heute lege sie aber einen besonderen Fokus auf Feminismus und Migration. Sie selbst wurde in Sarajevo geboren. "Ich muss oft nachdenken: Ist das jetzt, weil ich eine Frau bin oder weil ich Migrantin bin? Meistens beides." Sie sehe die Auseinandersetzung mit der Rolle von Frauen mit Migrationshintergrund im Feminismus als neue Herausforderung.

Die Kolumnistin Angelika Hager hat erst später in den Feminismus gefunden. "Arrogant" sei sie in ihren Zwanzigern gewesen. Während eines Interviews mit Alice Schwarzer stellte sie fest: "Irgendwie bin ich nie genug." Als berufstätige Frau genauso wie als Mutter. Schon vor fünf Jahren seien ihr gut ausgebildete junge Frauen begegnet, die sagten: "Eigentlich muss ich ja gar nicht arbeiten, ich kann zuhause bleiben." Ein Rückschritt in Hagers Augen, ausgelöst von der Müdigkeit der Mütter, die alles unter einen Hut bekommen wollten. Es scheint wie ein endloser Kampf. Die Betriebsrätin und Vorreiterin in Sachen Gleichstellung im ORF, Christiana Jankovics, ließ seit 1999 alle zehn Jahre die ORF-Frauen befragen. Auch dieses Jahr zeigte sich das zentralste Problem: 70 Prozent der Antworten zeigen demnach, dass sich Frauen mehr bemühen müssten als Männer, um zum gleichen Ergebnis zu kommen. Besonders in Gehaltsfragen und Aufstiegschancen. "Die Frauen im ORF sehen tagtäglich, wie es den Männern leicht gemacht wird", sagte Jankovics.

"Wir müssen aggressiver werden", so Hager. "Man muss sich dann auch gefallen lassen, dass man die hysterische Altfeministin ist." Ihr ging es darum, die Sozialisierung von Frauen mit neuen und gemeinsamen Konzepten zu durchbrechen. "Man darf nicht mehr lieb sein wollen." Die ORF-"Report"-Journalistin Erkurt bemerkte die sozialen Unterschiede zwischen Mädchen und Buben auch im Klassenzimmer. 2017 unterrichtete sie ein Jahr an einer AHS in Wien. Sie beobachtete die Körpersprache der Mädchen und bestärkte sie durch Powerposen. Feminismus haben die Schülerinnen durch Social Media entdeckt.

"Man nimmt das, was schon da ist, und baut darauf auf", sagte Jankovics zu den jungen Frauen im Publikum. "Niemand muss neu anfangen." Sie nannte das die "Räuberinnenleiter". In ihrer Jugend dachte sie, sie würde den Kampf um Gleichstellung vor allem für sich kämpfen. Heute weiß sie, dass sie es für die nächste Generation tut. Sie kämpfte zum Beispiel auch für Frauenquote im ORF-Gesetz. "Das ist ein Wettbewerbsvorteil!", rief sie Markus Breitenecker zu, dem österreichischen Geschäftsführer der Sendergruppe ProSieben/Sat1/Puls 4. Die Männer müssten an den Tisch geholt werden, denn "wenn es uns schlechter geht, geht es euch nicht besser", beschloss Hager die Diskussion am Vormittag.

Milborn gewinnt MedienLöwin in Gold
Corinna Milborn, Info-Chefin von Puls4 und Moderatorin des News-Talk "Pro & Kontra" wurde am Vorabend des 21. Journalistinnenkongresses im Haus der Industrie in Wien feierlich mit der Goldenen Löwin für ihr bisheriges Lebenswerk und ihre Vorbildwirkung ausgezeichnet (HORIZONT berichtete).

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