Horizont 18-19/2020

‚Wir werden unsere Individualität und Selbstbestimmtheit nicht verlieren.‘ Dentsu-Aegis-Austria-CEO Andreas Weiss sieht in der neuen D-A-CH- Struktur des Dentsu-Netzwerks nichts Bedrohliches → Seite 6 HORIZONT 3,60 Euro № 18-19 8. Mai 2020 Die österreichische Wochenzeitung für Werbung, Medien & Marketing Eine aktuelle Studie bescheinigt der Disziplin noch nie da gewesene Akzeptanz und vor allem Investments. Der Markt zeigt dabei bemerkenswerte Auffälligkeiten. Ein Streifzug durch das Milliardengeschäft. Content- Marketing hebt ab © nadzeya26/stock.adobe.com © sodawhiskey/stock.adobe.com © Igor/stock.adobe.com Bericht von Birgit Samer S eit 44.000 Jahren teilt die Menschheit leidenschaftlich gerne Geschichten mitein- ander. Von steinzeitlichen Höhlenmalereien zu trendigen Info- grafiken:DasMediumhatsichstetsver- ändert, der Content, das Erzählen von Geschichten, ist aber in unserer Natur geblieben–underfährtinderKommu- nikation weiteren Aufschwung. Und doch wurde die junge Mar- ketingdisziplin Content-Marketing lange kritisch betrachtet. Lohnen sich Mehraufwand und Ressourcen gegenüber klassischer Werbung wirk- lich?, lautete die oft gestellte Frage in den vergangenen Jahren. Schließlich zogen immer mehr Unternehmen eigene Newsrooms auf und produ- zierten journalistisch anmutende Inhalte selbst. Den zum Buzzword mutierten Claim „Content is King“ beäugten vor allem klassische Wer- ber teils misstrauisch. Mittlerweile scheint sich dieser jedoch vom reinen Motto zum Leitfaden in der täglichen Marketer-Praxis gewandelt zu haben. Das legt zumindest die neueste Basisstudie „Content Marketing 2020“ nahe, die HORIZONT exklusiv vorab vorliegt. Die Studie, die das Marktfor- schungsinstitut SCION imAuftrag des Content Marketing Forums (CMF) umgesetzt hat, beschert der Disziplin den Zahlen nach eine absolut rosige Zukunft. 9,4Milliarden Euro Volumen hat der Markt für Content-Marketing in Deutschland, Österreich und der Schweiz demnach erreicht. Um 17 Prozent haben die Inves- titionen in Content-Marketing im deutschsprachigen Raum seit der letzten Content-Marketing-Basis- studie im Jahr 2018 zugelegt und sich damit seit 2012 verdoppelt. Seit 2010 sind die Content-Marketing- Investitionen im D-A-CH-Raum um ganze 111 Prozent gestiegen (siehe Grafik umseitig). Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von acht Prozent. Content ist also auch im Hinblick auf harte Daten King. Die Ergebnisse der Studie, die im Februar durchgeführt wurde, basieren auf 319 Einzelinter- views mit Führungskräften und Ent- scheidern im Content-Marketing. Rot-weiß-rot spielt monetär mit Österreich kann im deutschsprachi- gen Raum in entsprechender Relation durchaus mithalten: 590 Millionen Euro geben Unternehmen hierzulan- de mittlerweile für Content-Marke- ting aus. Die durchschnittlichen Bud- gets liegen dabei mit 610.000 Euro nur geringfügig unter denen im deut- schen Markt (640.000 Euro). Spitzen- reiter ist hier die Schweiz mit einer durchschnittlichen Budgetgröße von 760.000 Euro. Dass die durchschnittlichen Bud- gets inÖsterreichbeinahe sohoch sind wie inDeutschland, ist fürMartinDistl, Österreich-Vorstand des CMF, „ein Signal, das uns sehr positiv stimmt. Unternehmen sind bereit, in Content- Marketing zu investieren, sie wissen denhohenWirkungsgrad zu schätzen“. Die erfreuliche Botschaft für Distl: „Content-Marketing ist auch bei uns angekommen.“ Schließlich spiegelt sich der Trend der D-A-CH- Region auch hierzulande wider. Es ist wohl auch eine Bestätigung für den letzten Sommer eingeschlage- nen Content-Kurs der GroupM. Die weltweit größte Media-Agentur- gruppe eröffnete vergangenen Juni mit [m]Studio eine eigene Content- Schmiede in Wien. Mit dem Aufbau und der Leitung wurde Distl beauf- tragt. Dass Content-Marketing gerade auch inder Corona-Krise Anwendung findet, zeigt etwa das neueste Projekt von [m]Studio: Für Coca-Cola Öster- reich wurde der Podcast „#miteinand daheim“ entwickelt. Erklärtes Ziel: Die Zuhörer mit Optimismus durch die Krise zu bringen. In dieser Ausgabe Taten undWorte Was sd-one-CEO Xenia Daum gerade jetzt an Spendings von GAFA-Werbekunden ärgert Menschen → Seite 3 Fachkompetent Warum sich regionale und Fachmedien in der Covid-19- Krise übervorteilt fühlen Medien → Seite 5 Digitale Zwischenbilanz mit Blick voraus Wie digitaleWerber und Ver- markter Einbrüche verkraftet haben und was sie für die kommende Zeit erwarten update → Seite 7 Euronews-News Was hinter neuen Allianzen von News-Sendern in der EU steckt international → Seite 8 Medien Menschenschutz vs. Datenschutz: ‚Es gibt keine klare Linie‘ Nikolaus Forgó im neuen HORIZONT-Podcast über gesellschaftliche Abwä- gungen im Datenschutz. Die Frage nach der Speicherung, Verwendung und Sicherheit per- sonenbezogener Daten ist in Zei- ten der Corona-Krise omnipräsent. Datenschutz-Experte Nikolaus Forgó, Vorstand des Instituts für Innovati- on und Digitalisierung im Recht an der Universität Wien, erläutert in HORIZONT-Erweiterung, dem neuen Podcast von HORIZONT, seine An- sichten: „Die einzig klare Linie, die man ziehen kann, ist: Es gibt keine klare Linie. Hier sind Grundrechte gegeneinander abzuwiegen und ab- zuwägen.“ Sowohl das Grundrecht auf Datenschutz als auch das Grund- recht auf Leben seien eben solche. „Und es gewinnt nicht immer eindeu- tig das eine. Es gibt so gut wie kein Grundrecht, das absolut wirkt.“ Auch der Status quo der EU und fehlende Inno- vationskraft im digitalen Kon- text sowie die B ewe r t ung der App des Roten Kreuz sind im Podcast Thema, ebenso wie die Frage nach Stärken und Schwächen in der digitalen Gesetzgebung: „Wenn man Politiker ist und mit Normen arbeitet, versucht man je- des Problem zu erschlagen, in dem man eine entspre- chende gesetzliche Regelung schafft.“ Das habe zu „unglaublich vielen, aber dann auch oft widersprüchlichen Regelungsansätzen“ geführt, so Forgó. Accenture Interactive als Partner Die Umsetzung des neuen Angebots erfolgt gemeinsam mit starken Partnern–der Podcastwirdpräsentiert von Accenture Interactive, Österreichs führender Digitalagentur. Für Bera- tung und die technische Umsetzung zeichnet Daniel Roßmann mit seiner Firma podcastwerkstatt.com verant- wortlich. Im Podcast spricht HORI- ZONT-Chefredakteur Jürgen Hofer ab sofort mit Experten über Trends und Themen aus den Bereichen Digital, Kommunikation und Medien. red HORIZONT-Erweiterung ist unter an- derem auf horizont.at , Spotify, Deezer und Apple Podcast abrufbar. Österreichische Post AG,WZ 02Z031577 W , Manstein ZeitschriftenverlagsgesmbH, Brunner Feldstraße 45, 2380 Perchtoldsdorf Retouren an Postfach 100, 1350Wien Lesen Sie weiter auf → Seite 2 © David Bohmann

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