Horizont 15/2020

‚Spielen in der gleichen Liga, aber mit dem Unterschied: Wir haben Paid Content.‘ Thomas Spann , Geschäftsführer Kleine Zeitung , über Reichwei- tenzuwächse und Zahlen zu Digitalabos → Seite 9 HORIZONT 3,60 Euro № 15 10. April 2020 Die österreichische Wochenzeitung für Werbung, Medien & Marketing ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz im großen HORIZONT-Interview: über Krisenmaßnahmen, Kurzarbeit, Werbeeinbußen. Plus: Sein Konter in Richtung Privatsender. Wie Wrabetz den ORF durch die Krise führt © ORF /Thomas Ramstorfer; avextra/stock.com In dieser Ausgabe Grüße von Daheim Die Branche im Home-Office und was sie dabei beschäftigt, erheitert und stört Menschen → Seite 6 Zeit für ‚Zeit‘ Corinna Milborn dockt nun doch beim Österreich-Ableger der Zeit an – als Autorin Menschen → Seite 7 Umstellungsdeal Tele erscheint nun 14-tägig, die Verantwortlichen richten ein Angebot an Leser und Markt Medien → Seite 8 Wertewandel Corona lässt Konsumenten über sich und ihr Verhalten nachdenken – die Fakten Marketing → Seite 10 Keine Eiersuche Werber und Agenturen reagieren auf die veränderten Umstände zu Ostern Marketing → Seite 10 Sinkender Einfluss Influencer-Marketing stockt im Kontext von Corona, dennoch ergeben sich dadurch Chancen Update → Seite 15 Dossiers ÖWA-report Fakten, Bewegungen und Statements zum österreichi- schen Digitalmarkt und seinen Reichweiten → ab Seite 17 Agenturen Menschen Neuaufstellung der CCA-Venus Einreichung erfolgt heuer gratis und digital. Corona-bedingt hat der Creativ Club Austria (CCA) Änderungen für die diesjährige Teilnahme an der Venus-Verleihung beschlossen. Um Unternehmen aller Größen trotz wirtschaftlichen Drucks Chancen- gleichheit zu gewähren, entfällt die Einreichgebühr. Bis auf wenige Aus- nahmen wie in der Kategorie „Verpa- ckungsdesign“ sind Einsendungen ausschließlich digital möglich, um den administrativen Aufwand sowie personelle Ressourcen zu reduzieren. Damit erhofft sich der CCA auch eine Erleichterung für Kreative in den Bundesländern. Die Einreichfrist bleibt weiter bei 29. Mai, die Jury soll am 7. August zusammentreten. Vor- behaltlich der gesetzlichen Rahmen- bedingungen soll die Award-Show am 3. September in Wien über die (geplant analoge) Bühne gehen. NOH ÖWR-Vorstand und Präsidium bestätigt Wahl erstmals mittels Umlaufbeschluss. Der Verein „Gesellschaft zur Selbst- kontrolle der Werbewirtschaft“ hat seinen Vorstand sowie das Präsidium einstimmig wiedergewählt. So bleibt Michael Straberger (DMVÖ) auch die nächsten drei Jahre in seiner Funktion als Werberat-Präsident, unterstützt wird er weiterhin von den Vize-PräsidentenRoswitha Hasslinger (Hasslinger Consulting) und Gerald Grünberger (VÖZ). Neu im Vor- stand begrüßt der Werberat Martin Biedermann, der damit Roland Weissmann ablöst (beide ORF). Für Straberger ist es die fünfteAmts- zeit und „eine große Auszeichnung“, nach über zwölf Jahren wieder das Vertrauen seitens der Trägervereins- mitglieder zu bekommen. Aufgrund der aktuellen Situation fand die statu- tengemäße Abstimmung zum ersten Mal via Umlaufbeschluss statt. NOH Österreichische Post AG,WZ 02Z031577 W , Manstein ZeitschriftenverlagsgesmbH, Brunner Feldstraße 45, 2380 Perchtoldsdorf Retouren an Postfach 100, 1350Wien Interview von Jürgen Hofer und MartinWurnitsch S elten hat der ORF seine Rolle fürs Land so überzeugend ausgespielt wie dieser Tage. Die Corona-Berichterstat- tung erzielt Höchstquoten, finanziell jedoch steht der öffentlich-rechtliche Sender unterDruck. ImInterviewgibt Generaldirektor Alexander Wrabetz Einblick in sein Krisenmanagement. Horizont: Wie ist die aktuelle Lage imORF? Gibt es Corona-Fälle imUnternehmen? Alexander Wrabetz: Es gibt ver- einzelte Fälle, ja. Eine niedrige ein- stellige Zahl, die aber rechtzeitig zu Hause geblieben ist oder nach Hause geschickt wurde, sodass keine kriti- schen Bereiche betroffen waren. Wie viele ORF-Mitarbeiter befin- den sich aktuell imHome-Office? Von den 3.000 Mitarbeitern sind im Moment rund zwei Drittel, also 2.000, von zu Hause aus tätig. Der ORF wird in einigen Bereichen Kurzarbeit einführen. Wie läuft das konkret ab? Wir haben übers vergangene Wochenende mit dem Zentralbe- triebsrat verhandelt und diese Ver- handlungen Anfang der Woche abge- schlossen, werden nun mit 13. April mit Kurzarbeit starten. Betroffen sind rund 600 Mitarbeiter, die zur Hälfte 50 Prozent und zur Hälfte 90 Pro- zent Kurzarbeit leisten werden. Das betrifft alle Direktionen und Berei- che, unter anderem den Sport – es wurden ja alle Großevents abgesagt. Zusätzlich haben wir versucht, Per- sonal umzuschichten und dorthin zu verlagern, wo es dringend gebraucht wird, etwa in den Aktuellen Dienst. Die Bereiche Kultur, Eigenprodukti- onen/Shows und externe Veranstal- tungen sind gleichfalls betroffen. Und den Infrastrukturbereich werden wir stark herunterfahren, vom Postdienst bis zum Bauprojekt. Welche Einsparungen bringt das? Für die kommenden drei Monate rechnen wir mit in Summe fünf Mil- lionen Euro. FPÖ, NEOS und der VÖP kritisie- ren, dass sich der ORF als gebüh- renfinanziertes Unternehmen zusätzliches Geld vom Staat holt. Was entgegnen Sie da? Das sindoft auchdiejenigen, die sagen, dass der ORF wie ein Unternehmen geführt werden soll. Genau das tue ich. Ich habe nach dem ORF-Gesetz als Vorstand eine aktienrechtliche Verantwortung, das Notwendige zur Sicherung des Unternehmens zu tun. Wie haben derzeit Corona-bedingt geringere Auslastung und vermeiden Kündigungen, indem wir Kurzarbeit einführen. Ich finde das im Übrigen ein wenig lächerlich: Der Kurzarbeits- fonds der Regierung wurde eben auf drei Milliarden Euro aufgestockt, zu behaupten, dass der ORF die Systeme hier maßgeblich beansprucht, ist ein- fach nicht wahr, wir bewegen uns hier im Promille-Bereich. Zweitens erbrin- gen wir sehr viele Leistungen für die Allgemeinheit, aus unserem öffentli- chen Auftrag heraus – auch für die In- formationsspots der Regierung, für die wir unsere Werbeplätze frei räumen undnichts dafür verlangen. Die Privat- sender erhalten Geld dafür. Dass die Privaten uns an einem Tag kritisieren, an dem sie selbst ein großes Förder- paket erhalten, finde ich auch in der Tonalität falschund sachlich jedenfalls nicht gerechtfertigt. Wann wird der ORF diese Maßnah- men wieder aufheben können? Die Bereiche Sport, Kultur und Event sind ja auch an das Veranstaltungsverbot der Regierung bis Ende Juni gebunden. Lesen Sie weiter auf → Seite 2 © ballguide

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