Zuckerberg: Reumütiger Auftritt vor US-Kongre...
 

Zuckerberg: Reumütiger Auftritt vor US-Kongress

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Symbolfoto
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"Wir haben uns die Dimension unserer Verantwortung nicht vergegenwärtigt und das war ein großer Fehler", meinte der Facebook-Gründer.

Wie ernst Mark Zuckerberg seinen Auftritt vor dem US-Kongress nahm, zeigte sich schon bei seiner Garderobe. Das graue T-Shirt blieb im Schrank, stattdessen griff der Facebook-Chef zu Business-Anzug und Krawatte. Im Laufe des fünfstündigen Fragemarathons der Senatoren im US-Kongress zeigte sich Zuckerberg reumütig. "Wir haben uns die Dimension unserer Verantwortung nicht vergegenwärtigt und das war ein großer Fehler", zitierte ihn die APA. Bei den Konsequenzen blieb der 33-Jährige vage. Man durchlaufe gerade einen breit angelegten Kulturwandel im Unternehmen, meinte er. Konkrete Zusagen, das soziale Netzwerk kontrollieren zu lassen, gab es aber nicht.

Zuckerberg kämpft sich in die Partie
Die zum Teil scharfen Fragen der Senatoren des Justiz- und Handelsausschusses reichten von der jüngsten Datenaffäre, bei der die britische Firma Cambridge Analytica mit den Nutzerinformationen den Wahlkampf von Präsident Donald Trump unterstützte, über Falschnachrichten ("fake news") bis zur russischen Einmischung in den Wahlkampf vor zwei Jahren. Den Druck, unter dem Zuckerberg stand, ließ er sich nur anfänglich anmerken, verhaspelte sich einige Male. Schließlich stand einiges auf dem Spiel. Der Aktienkurs seines Konzerns ging seit Bekanntwerden der Datenaffäre Mitte März deutlich nach unten, die Politik dachte über stärkere Regulierung und vereinzelt sogar über die Zerschlagung von Facebook nach. Im Laufe der Anhörung gewann Zuckerberg aber an Selbstvertrauen und hatte zeitweise gar die Lacher auf seiner Seite. So antwortete er auf die Frage, ob Facebook ein Monopol innehabe: "Es fühlt sich für mich nicht danach an."

Bisher hätten viele Abgeordnete darauf vertraut, dass sich die Technologieunternehmen selbst steuerten, sagte der Vorsitzende des Handelsausschusses, John Thune (Republikaner), zu Beginn der Anhörung. "Aber dies könnte sich ändern." Senator Bill Nelson von den oppositionellen Demokraten drohte, wenn Facebook die Datenschutzprobleme nicht löse, "dann werden wir das tun müssen". Zuckerberg erklärte, er sei per se nicht gegen eine Regulierung, wenn es die richtige Regulierung sei. Details wollte er nicht nennen, versprach lediglich, entsprechende Vorschläge einzureichen. Er betonte, dass die USA nicht hinter China zurückfallen dürften, was Innovationen angehe. Auch mit Russland befinde man sich in einem "Rüstungswettlauf", meinte Zuckerberg, als es um die Vorgänge rund um russische Einflussnahme im US-Wahlkampf ging. Zuckerberg nannte es "eines seiner größten Leidwesen", diesen über Seiten seines Unternehmens betriebenen Kampagnen nicht rechtzeitig auf die Spur gekommen zu sein. Seither sei es die "Top-Priorität" seines Konzerns, "die Unversehrtheit" von Wahlen zu schützen, beteuerte er.

"Wird immer eine kostenlose Version geben"
Überhaupt zeigte sich der Milliardär schuldbewusst und wiederholte einige diesbezügliche Aussagen aus den letzten Interviews und Anzeigen. Jeder Facebook-Nutzer "sollte Kontrolle darüber haben, wie seine Informationen verwendet werden", sagte Zuckerberg laut APA während der Anhörung. "Es war mein Fehler, und es tut mir leid." Neben mehr Kontrolle der Nutzer über ihre Daten sollen etwa die Datenschutzeinstellungen leichter verwaltbar werden. Werbekunden sollen davon nicht gestört werden. "Ich bin dem Ziel verpflichtet, es hinzubekommen", sagte der Facebook-Chef zusammenfassend und ließ mit einer spannenden Aussage aufhorchen: "Es wird immer eine Version von Facebook geben, die kostenlos ist." 

Bei Anlegern kam Zuckerbergs Auftritt gut an: Die Facebook-Aktie baute ihre Gewinne aus und schloss mit einem Plus von 4,5 Prozent. Zuckerbergs Befragung soll am Mittwoch im Repräsentantenhaus weitergehen.

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