Ziel: Österreichisches IT-Portal – für die We...
 

Ziel: Österreichisches IT-Portal – für die Welt!

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Gerald Reischl, Chefredakteur und Plattform-Manager der futurezone.at, zieht zum Jahrestag des Launch des IT-Portals aus der Kurier-Gruppe Bilanz: Zugriffe vervielfacht, Community über 10.000, neue Video- und Suchfunktionen – und ein Fest im März.

Interview-Fassung des Berichts erschienen in HORIZONT 08-2012 am 24. Februar 2012. 

HORIZONT: Die Zeitrechnung der futurezone.at beginnt eigentlich nicht bei Übernahme am 1. Oktober 2010, sondern am 28. Februar 2011, mit dem Relaunch der Website... 


Gerald Reischl: Genau. Wir haben vor einem Jahr eigentlich erst begonnen. Von Anfang an seit Oktober 2010 ist die futurezone.at in der ÖWA Basic ausgewiesen. Wenn ich unseren Relaunch vom Februar als eigentlichen Starttermin nehme - für die Redaktionsmannschaft, für die Themenaufbereitung, für das, was wir erzählen wollen - dann haben wir innerhalb eines Jahres unsere Besucherzahlen mehr als verdoppelt, die Visits mehr als verdreifacht und die Pis mehr als vervierfacht. 
Ich glaube das zeigt doch auch, dass wir einen guten Content machen! Die Stärke der futurezone ist, dass hier engagierte Leute sitzen und - ich möchte da zwar vorsichtig sein, aber dennoch: - ich glaube wir haben das beste Technologie-Journalisten-Team des Landes hier vereint. Da freuen die steigenden Zugriffszahlen schon, weil das vor allem eine Auszeichnung für das Team ist. Apropos Zugriffszahlen: Obwohl der Februar drei Tage weniger als unsere Rekord-Jänner hat, werden wir wohl auch im Februar in der ÖWA neue Rekordzahlen melden können (In Zahlen laut ÖWA Basic, Jänner 2012 (in Klammern die Werte Februar 2011): 682.546 Visits (320.828) von 205.494 Unique Clients (98.874) produzieren 3,187.178 Millionen PageImpressions (874.745), Anmhs.). 
Das ist auch bemerkenswert, als der Transfer und Start der neuen futurezone ohne den ORF ja durchaus skeptisch und kritisch gesehen und kommentiert wurde. Besonders die Community - die wir ja nicht übernehmen durften - war am Anfang sehr skeptisch. Ich denke mittlerweile haben wir eine Community aufgebaut, die auch erkennt, dass wir uns bemühen und guten Content liefern. 

HORIZONT: Die Community sind jene, die sich registrieren, um auch posten zu können...? Dazu gibt's Facebook mit derzeit Ende Februar fast 3300 Fans... 

Reischl: Wir halten mittlerweile bei über 13.000 Mitgliedern. Facebook nutzen wir von Anfang an. Unsere Facebook Fans sind echte Fans, wir haben keine Angebote zur Steigerung angenommen... 

HORIZONT: Im Zusammenspiel - welche Funktion hat der Facebook-Auftritt aus Eurer Sicht? 

Reischl: Ganz einfach: Wir posten unsere Geschichten und gehen in den Dialog mit unseren Usern und der Community ein. Das erscheint mir als das Wichtigste: Wir posten unsere Geschichten nicht nur, sondern wir versuchen über Facebook eine Diskussion entstehen zu lassen... 

HORIZONT: ...die auf Facebook einen anderen Ablauf hat, als wenn auf der futurezone-Website Poster aufeinander reagieren? 

Reischl: Ja, Deshalb haben wir in Kürze auf der futurezone.at ein neues Kommentarsystem mit einem Social-Log-in: Das ist aus unserer Sicht extrem wichtig, wenn man im Web 2.0 gut vertreten sein will. Das war schon beim Launch der Site vor einem Jahr mein Wunsch, dass wir ein adäquates Kommentarsystem aufsetzen. Da wird es jetzt in den nächsten Monaten eine gemeinsame Lösung geben mit kurier.at, damit wir das gleiche System nutzen können. 

HORIZONT: Das wird was anders können? 

Reischl: Es wird interaktiver sein. Ich bin schon immer ein Fan der Interaktivität gewesen. Kommentieren und Posten ist zwar schon eine Form von Interaktion, aber als Dialog doch einseitig. Die Reaktion eines Poster auf ein Posting eines anderen ist noch kein Dialog. Im neuen System wird es die Info geben, dass jemand reagiert hat. Diese Social-Login Funktion ist einfach Standard in der Facebook Ära. Ich glaube, das wird uns einiges bringen. 

HORIZONT: Social Login ist dazu der Terminus Technicus? 

Reischl (verschmitzt): Wir nennen das so und ich glaube, dass das ein gängiger Begriff ist. 
Das ist aber nur eine von vielen Massnahmen, die wir ab März setzen werden: Zum Monatswechsel Ende Februar Anfang März wird sich die futurezone.at Homepage dahin verändern, dass wir eine Video-Leiste in die Site einbauen werden. Dazu werden wir unsere zahlreichen Produkttests deutlicher hervorheben und in einer eigenen Galerie präsentieren. Der Video-Bereich liegt mir besonders am Herzen: Seit der CES (Consumer Electronic Show) in Las Vegas haben wir gemerkt, dass die User Videobeiträge einfach wollen. 
Wir setzen dabei, ich drücke es so aus, auf Fast-Food-Video-Beiträge: 60, maximal 90 Sekunden, alles andere ist einfach zuviel. Es geht bei Video nach meinem Verständnis bei unserem Thema IT zum einen um Appetit-machen auf die Geschichte dazu und zum anderen um Content für jene Konsumenten, die keine Lust oder keine Zeit zum Lesen haben. 
Auch Bildergalerien bei den Produkttests werden wir forcieren. 
Schließlich werden wir auch einen Live-Ticker einbauen: wir wollen bei Veranstaltungen, die es uns wert erscheinen, wirklich live berichten, in Text und mit Fotos. Aber nur für besondere Anlässe - also eine Produktpräsentation von Apple oder dem Auftritt eines CEOs beim Futuretalk der A1-Telekom. 

HORIZONT: Die Videos produziert wer? 

Reischl: Das machen wir alles selber. Wir haben das auf der CES ausprobiert: Wir waren zu viert in Las Vegas, meine drei Mitarbeiter haben dort Video-Berichte erstmals ausprobiert - und das hat sehr gut funktioniert! Deshalb setzen wir das gleich nächste Woche ab 28. Februar beim Mobile World Congress in Barcelona fort, und das ist für uns ein guter Anlass, den neuen Video-Balken in die Homepage zu integrieren. 

HORIZONT: Technisch macht Ihr das wie? 

Reischl: Ganz einfach: Eine erstklassige HD-Kamera, Funk-Mikros, Schnitt-Software und ein starkes Notebook. Das reicht vollkommen. 

HORIZONT: Das funktioniert auch auf den mobilen Applikationen der futurezone? 

Reischl (lacht): Das ist genau die Debatte, die wir derzeit führen. Wie bringen wir das technisch auf die mobilen Devices? 
Unser Youtube-Kanal ist dabei kein Problem, aber die unterschiedlichen technischen Voraussetzungen für die Apps. Wir haben die Apple-App, die iPad-App, seit Februar eine Android Version...also werden wir die IOS-App und die Android App in den nächsten drei Wochen updaten, damit das technisch einfacher einspielbar ist. Updaten müssen wir sowieso, weil wir zwei neue Channels dazubekommen - einen Science Channel, also Wissenschaft, und einen English-Channel. Da wird es täglich mindestens eine Geschichte pro Tag auch auf Englisch geben... 

HORIZONT: Das erweitert die futurezone.at weit über Österreich beziehungsweise den deutschen Sprachraum hinaus? 

Reischl: Richtig. Mein Ziel ist es, mit der futurezone ein österreichisches Technologieportal zu machen und österreichisches Know how auch in die weite Welt zu bringen. Wenn wir relevanten, österreichischen Content haben, den nur wir haben - österreichische Start-ups, Ideen, Know-how - dann werden wir das auch auf Englisch präsentieren. Das macht es den Suchmaschinen leichter und sollte uns auch Verlinkungen zu anderen Portalen bringen. Damit das sprachlich passt, arbeiten wir mit einem amerikanischen Kollegen zusammen. Ab 5. März soll das starten. 

HORIZONT: Das findet auf allen Plattformen, inklusive Apps, statt? 

Reischl: Ja, Vielleicht noch zu den Apps: Das Resümée - wir haben die Apps ja im September 2011 gestartet - ist super! Die iPhone-App ist etwa 50.000mal heruntergeladen worden. Als Technologieplattform müssen wir natürlich so etwas machen. Wir haben deshalb dafür auch unbedingt die besten App-Entwickler in Österreich haben wollen und deshalb den Spezialisten Nous beauftragt. Die haben eine für die futurezone adäquate, coole App entwickelt mit dem Grid-Ball als Navigationselement. Aber das heisst nicht, dass wir bei mobilen Ausspielungen nur auf Apps setzen. Ich bin der Meinung, das HTML5 die künftige Lösung und der nächste Schritt sein wird, die über alle Plattformen laufen wird. Ich denke, dass wir nach dem Update jetzt dann in die neue HTML5-Welt einsteigen werden. 

HORIZONT: futurezone macht mit der WU-Wien eine Untersuchung zu Facebook? Was wird da untersucht, was soll herauskommen? 

Reischl: Das wissen wir noch nicht, und das ist ja auch das spannende dabei! Professor Spiekermann ist an mich herangetreten und hat gefragt, ob die futurezone mit der WU-Wien eine Facebook-Untersuchung machen will. Wobei wir nur die Plattform sind, die die wissenschaftliche Studie so populär machen kann, dass es auch genügend Teilnehmer zur Studie gibt. Ich betone: Das ist eine Studie, keine blosse Umfrage. Die Studie wird Ende Februar abgeschlossen, ich rechne damit, dass es im März Ergebnisse geben könnte. Das ist sozusagen ein Startschuss - wir starten auf der futurezone gleich im März eine Umfrage zum Thema Open Data. Und das ist erst der Anfang... 

HORIZONT: Also nicht nur Gewinnspiele, die es ja auch schon gibt zur Aktivierung der User? 

Reischl (streng): Das ist ein Wissens-Quiz mit Gewinnen, richtig, ein verspielter Wochenrückblick. 
Wir wollten kein bloßes Gewinnspiel machen, sondern wirklich etwas fordern: Die Fragen sind wirklich schwierig. Wenn ich auf Urlaub bin und in die Redaktion zurückkomme und das Quiz mache, schaffe ich das in der Regel nicht. Man muss wirklich die futurezone gelesen haben und die Suchfunktion gut nutzen, damit man das wirklich beantworten kann. Aber das Quiz hat sich zu einem echten Must-have aus unserer Sicht entwickelt. Apropos, Stichwort Suchfunktion: Im März integrieren wir Mind-Breeze vom österreichischen Softwarehaus fabasoft als Suchmaschine. Das System wird speziell für uns angepasst und funktioniert nach meinem Dafürhalten besser als alles andere, was es derzeit gibt. 

HORIZONT: Alles was es jetzt gibt ist auch Google? 

Reischl:
 Genau! Aber Google wird es natürlich weiterhin geben. Wir respektieren Google, auch wenn wir mit einigem nicht einverstanden sind. 

HORIZONT: Der März wird also ein Monat voller Paukenschläge... 

Reischl: Wir starten im März eine große Marketingaktion: Die coolsten IT-Ferialjobs. Derzeit sprechen wir mit Firmen. Das ist eine Aktion für die Community aber auch die Branche: IT-Fachkräfte sind bekanntlich Mangelware. Das soll junge Leute über eine Video-Bewerbung bei uns auf dem Portal zu den Firmen bringen. Wobei der Job im Juli/August natürlich bezahlt ist, mindestens 500 Euro. 

HORIZONT: Gerald Reischl steht für IT-Journalismus, nicht zu vergessen Buchautor - wieweit können Sie überhaupt noch journalistisch arbeiten bei soviel Management-Aufgaben? 

Reischl: Als der Kurier die futurezone gekauft hat und ich die machen sollte, habe ich schon geschluckt. Die Widerstände aus der damaligen Community waren doch sehr heftig. Aber die Herausforderung war und ist wirklich sensationell, und "Kurier"-Geschäftsführer Thomas Kralinger hat mir das Vertrauen geschenkt, indem er einem Journalisten die Leitung eines Portals übertragen hat. Ich habe ja keine kaufmännische Erfahrung in diesem Sinne, bin aber für das ganze Portal verantwortlich. 
Es ist nicht allein meine Leistung, sondern die des ganzen Teams, dass ich sagen kann: Auch die Zahlen im ersten Jahr können sich sehen lassen! Wir haben eigentlich als Nischenprodukt begonnen und sind auch nach wie vor Special Interest - nur dass die Special Interest Gruppe immer größer wird. 
Für immer mehr Menschen wird der sogenannte Special Interest Bereich IT mit allem Drumherum zentraler Teil des Lebens. Jeder, der heute 20 Jahre alt ist, ist in das IT-Zeitalter hineingeboren. 
Allein dadurch wachsen wir schon. 

HORIZONT: Zum sozusagen zweiten Geburtstag gibt´s also was zu feiern? 

Reischl: Ja, samt Fest: Am 21. März feiern wir in einem neuen Club gleich ums Eck vom Kurier-Haus, ein Jahr futurezone. Das soll einfach eine Party werden, zu der wir Technologievertreter einladen und natürlich die Community auch! 
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