Youtube-Manager McOwen Wilson: "Werbung bleib...
 

Youtube-Manager McOwen Wilson: "Werbung bleibt weiter Kern unseres Geschäfts"

Gareth Davies
Auf den Medientagen diskutiert Ben Mc­Owen Wilson mit österreichischen Vertretern der TV-Branche, wie neue Kanäle mit dem traditionellen Fernsehen konkurrieren.
Auf den Medientagen diskutiert Ben Mc­Owen Wilson mit österreichischen Vertretern der TV-Branche, wie neue Kanäle mit dem traditionellen Fernsehen konkurrieren.

Ben McOwen Wilson ist bei YouTube für Content-Partnerschaften zuständig. Im Interview spricht er über Paid Content, Schleichwerbung und Urheberrecht.

Horizont: Der Markt für Onlinevideo wird immer kompetitiver. Vor allem Snapchat mit Mobile-Videos und Facebook mit Livestreams drängen immer mehr in den Markt. Welche Strategie verfolgt YouTube, um da die Nummer eins zu bleiben?
Ben McOwen Wilson: Wir denken, dass es großartig ist, wenn so viele Unternehmen in Onlinevideo investieren. Das erhöht die Innovation in dem Bereich und zeigt, wie groß die Möglichkeiten im Markt sind. Es gibt Platz für viele verschiedene Modelle, aber der große Trend, der hinter all dem liegt ist, dass der Videokonsum immer stärker online stattfindet. Während es immer mehr Konkurrenz gibt, wächst YouTube unglaublich stark. Die Zeit, in der Nutzer die Videos sehen, wächst von Jahr zu Jahr um 50 Prozent, und bei unseren Top-100-Werbern haben sich die Spendings im Jahresvergleich um 50 Prozent erhöht. Berücksichtigt man, dass es noch immer viele Wachstumsmöglichkeiten im Onlinevideomarkt gibt, fühlen wir uns sehr komfortabel mit der Richtung, in die wir uns entwickeln.


In den USA hat YouTube mit „YouTube Red“ eine werbefreie und dafür für Nutzer kostenpflichtige Version an den Start gebracht. Nutzer bezahlen rund 10 US-Dollar pro Monat dafür. Wie sehen Sie die Chancen für Paid Video Content in einer Onlinewelt, die sehr stark von Gratisinhalten dominiert ist?
Sowohl YouTube als auch unsere Creators (die Macher von Video-Content, Anm.) bauen auf das Geschäftsmodell Werbung, und Werbung wird auch weiter der Kern unseres Geschäfts bleiben. Trotzdem haben wir großes Interesse und Akzeptanz für Abo-Services wahrgenommen und darin eine Chance erkannt. Nicht nur, um den Nutzern mehr Auswahl zu bieten, sondern auch, um den Creators eine zusätzliche Einnahmequelle zu eröffnen. Wir sind bis dato sehr zufrieden mit der Annahme des Modells seitens der Nutzer, auch wenn wir damit noch in einem sehr frühen Stadium befinden. Die ersten Länder, in denen wir außerhalb der USA gelauncht haben, sind Australien, Neuseeland und Mexiko. YouTube Red verstehen wir als Langzeitinvestment, und seinen Erfolg werden wir in einigen Jahren wirklich messen können.


YouTube hat Anfang 2016 damit begonnen, in eigene Inhalte zu investieren, die ausschließlich den zahlenden YouTube-Red-Kunden zugänglich gemacht werden. Welche Strategie verfolgt man damit? Will man Streamingdiensten wie Netflix oder Amazon Prime, die ebenfalls immer stärker auf eigens produzierte, exklusive Inhalte setzen, die Kundschaft abspenstig machen?
„YouTube Originals“ sind Shows, die von einigen unserer erfolgreichsten Creators speziell für die YouTube-Red-Mitglieder produziert werden. Wir bei YouTube glauben, dass wir nur zusammen mit unseren Creators erfolgreich sein können, deswegen investieren wir seit Jahren in sie. „YouTube Originals“ sind ein neues Kapitel in diesem Engagement. Wir haben einige der erfolgreichsten, darunter PewDiePie, Fine Bros., Rooster Teeth oder Lilly Singh, mit großartigen Hollywood-Talenten zusammengebracht, um Shows speziell für ihre Fans zu entwickeln. Bis dato haben wir zwölf dieser Shows veröffentlicht, und wir sind im Zeitplan, um rund zwölf weitere Serien und Filme bis Ende 2016 herauszubringen.


Die YouTube Creators sind nicht immer zufrieden mit Ihrem Dienst. Kürzlich gab es einige Aufregung um die so genannte „Demonetarisierung“ von Videos: Eine Software markiert dabei Videos, die kein werbefreundliches Umfeld bieten. Wird ein Video markiert, dann kann der Macher kein Geld mehr damit verdienen, und einige Videomacher fühlten sich ungerecht behandelt, weil sie ihre Clips als werbeunfreundlich ansehen. Wie will YouTube dieses Problem lösen?
Da gab es in den vergangenen Wochen einige Verwirrung, also lassen Sie mich glasklar sein: Es gibt keine Änderungen in den bestehenden Regeln. Unsere Policy bezüglich der Demonetarisierung von Videos wegen Bedenken von Werbern gibt es schon lange. Nichtsdestotrotz geben wir zu, dass wir in der Vergangenheit nicht immer sehr effektiv dabei waren, was die Benachrichtigung der Creators und die Erläuterungen angeht, warum es passiert ist. Deswegen werden wir Änderungen im Benachrichtigungsprozess machen, damit den Creators klar ist, warum ihr Video demonetarisiert wurde. Außerdem werden Videomacher die Möglichkeit bekommen, Einspruch gegen eine solche Entscheidung einbringen zu können.


Ein großes Problemfeld ist immer noch das Urheberrecht. YouTube hat das Content-ID-System, trotzdem beschweren sich Publisher immer wieder, dass ihre Inhalte von Dritten veröffentlicht werden und sie dann nicht an den daraus entstehenden Werbeeinnahmen beteiligt werden. Was genau ist Content-ID überhaupt?
Wir nehmen Copyright-Management sehr ernst. Wir haben dutzende Millionen in die Entwicklung von Content ID gesteckt und entwickeln es immer weiter – es ist das führende Coypright-Kontrollsystem im Onlinevideobereich. Content ID kann heute Audio, Video oder sogar die Melodie einer Cover-Version eines Songs erkennen, kein anderes System hat solche Kapazitäten. In den letzten zwölf Monaten haben wir die viel in Machine Learning investiert, damit Content, der von Fans hochgeladen wird, von den Rechteinhabern noch besser erkannt und kontrolliert werden kann. Derzeit werden 98 Prozent aller Copyright-Angelegenheiten mit Content ID geregelt, die übrigen zwei Prozent betreffen Fälle, in denen Urheberrechtsverstöße von außen gemeldet werden. Alle unsere Partner müssen dazu ihre Referenzdateien (in der Regel Videos oder Musik, Anm.) hochladen, und Content ID scannt dann alle YouTube-Videos. Das System gibt den Rechteinhabern dann die Möglichkeit, Inhalte zu blockieren oder diese zu monetarisieren. Die große Mehrheit entscheidet sich für die Monetarisierung, tatsächlich werden 90 Prozent aller von Content ID gefundenen Videos vermarktet, was in beträchtlichen Umsätzen für die Partner resultiert. Bis dato hat Content ID den Rechteinhabern mehr als zwei Milliarden US-Dollar eingebracht.


In vielen Videos von YouTubern wird Product Placement betrieben. Kritiker meinen, dass es sich dabei oft um Schleichwerbung handelt, vor allem dann, wenn diese Produktplatzierungen auf Teenager abzielen. Die US-Handelsaufsicht FTC hat bereits verlangt, dass diese Product Placement transparenter gekennzeichnet wird. Wie geht YouTube das Problem an? 
Unsere Werberegeln machen klar, dass die Macher von YouTube-Videos verantwortlich dafür sind, lokale Gesetzen, Regulierungen und die Community-Richtlinien von YouTube einzuhalten, und das inkludiert auch Werberichtlinien. Wenn Content gefunden wird, der diese Regeln verletzt, dann werden wir aktiv. Das kann auch die Konsequenz haben, dass wir das Video entfernen. Wir haben bereits in der Vergangenheit mit den Creators und den Behörden in diesem sich entwickelnden Bereich der Regulierung zusammengearbeitet und werden auch in Zukunft alles daran setzen, diese Regeln auf unserer Plattform durchzusetzen.


YouTube hat kürzlich neue Community-Funktionen eingeführt, die es Videomachern erlauben, auch Texte, Fotos und Umfragen zu posten. Will YouTube so mehr zum Social Network werden?
„Community“ ist eine neue Plattform für Creators, um mit ihren Fans auch über Videos hinaus interagieren zu können. Sie können Bilder, längere Texte oder animierte GIFs in ihren YouTube-Kanälen veröffentlichen. Immerhin sind das kreative Leute, die mehr als nur Videos können, und so können sie sich in neuen Formaten ausdrücken. Die Creators haben uns um Funktionen gebeten, zwischen den Videos auch anderen Content veröffentlichen zu können. Derzeit ist die Funktion für etwa ein Dutzend Videomacher verfügbar, einige von ihnen haben „Community“ sogar mitentwickelt. 


Außerdem wurde YouTube Gaming gestartet, wo Nutzer anderen dabei zusehen können, wie sie Computerspiele zocken. Ist das die Antwort auf der Gamingplattform Twitch, die Amazon um rund eine Milliarde US-Dollar aufgekauft hat und sehr beliebt beim jungen Publikum ist?
Es gibt Hunderte Millionen Gamer, die sich Milliarden Stunden Gamingvideos jeden Monat auf YouTube ansehen. Diese Gamer haben YouTube zur mit Abstand größten Gaming-Content-Plattform der Welt gemacht, und unsere Motivation war, dieses Erlebnis noch besser für diese Community zu machen. Deswegen gibt es eben YouTube Gaming, dort gibt es den unterhaltsamsten Live- und On-Demand-Content für Spielbegeisterte. 


Rund um Virtual Reality gibt es derzeit einen großen Hype. Facebook setzt sich stark auf das Thema. Welche Rolle kommt YouTube als Plattform in dem Trend zu?
Wir haben bereits im März 2015 360-Grad-Videos gelauncht. Im November 2015 haben wir den Support für 360-Grad-Content mit 3D-Effekten gestartet. Und im April haben wir 360-Grad-Livestreaming auf der Plattform möglich gemacht. Wir sind also sehr früh in den Bereich vorgestoßen, und heute hat YouTube die größte Bibliothek an Videos, die man sich mit einer Virtual-Reality-Brille ansehen kann. Mit der App haben wir zudem enorme Reichweite, sie ist bereits auf fast jedem Smartphone installiert. Die Uploads von 360-Grad-Videos wachsen weiter, sie haben sich in den vergangenen drei Monaten verdoppelt. Am aufregendsten zu sehen ist, wie Musiker, Sportler und Marken diese Technologie nutzen, um wirklich einzigartige Erlebnisse für die Zuseher zu schaffen.


Was nach wie vor viele interessiert, aber nie vom Eigentümer Google verraten wird: Ist YouTube profitabel?
Wir weisen die YouTube-Umsätze nicht aus.
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