YouTube: Junge Stars, großes Geld
 

YouTube: Junge Stars, großes Geld

#

Die Internet-Konferenz re:publica in Berlin zeigt ein unterschätztes Thema auf: Junge Videomacher erzielen auf Googles Video-Plattform enorme Reichweiten und Einnahmen.

„YouTube wird immer noch missverstanden. Jeder denkt an Gangnam Style und Katzen, aber Google sieht in YouTube eine neue Kategorie. Es ist kein Ersatz fürs Fernsehen, sondern hat eigene Darstellungsformen und eine eigene Community.“ Der Kommunikationswissenschaftler und Ex-Axel-Springer-Mitarbeiter Bertram Gugel macht nicht etwa die oft erwähnten Social-Media-Dienste Facebook oder Twitter zum Thema auf der dieser Tage stattfindenden Berliner Internet-Konferenz re:publica (HORIZONT berichtete), sondern Googles Video-Plattform. Denn diese werde zwar unterschätzt, sei in Deutschland aber die zweitgrößte Suchmaschine und würde mehr Unique User anziehen als Facebook.

Bei den 13- bis 18-jährigen hätte YouTube außerdem eine Reichweite von 93 Prozent pro Woche, Facebook hingegen nur 65 Prozent. Zudem seien YouTube-Videos in 30 Prozent aller Webseiten eingebaut, was der Plattform zusätzliche Reichweite verschaffe. „Andere Video-Plattformen wie Vimeo, MyVideo oder Clipfish spielen in Sachen Zugriffe in Deutschland keine Rolle“, ergänzt Markus Hündgen, CEO der European Web Video Academy.

YouTube-Kanäle: die neuen TV-Sender

Dass die Video-Plattform künftig immer mehr den klassischen TV-Sendern das Wasser abgraben könnte, zeigen die 100 Mio. Dollar, die Google in den Aufbau von so genannten Original Channels investiert hat, die Premium-Inhalte von Partnern auf die Seite gebracht haben. Derzeit gibt es in den USA 114 solcher Kanäle, 12 in Deutschland und 60 weitere auf der ganzen Welt. “Diese Kanäle sind die neuen TV-Sender“, so Robert Kynci, Global Head of Content bei YouTube - weswegen klassische Medienunternehmen wie Comcast, Time Warner oder Bertelsmann in diesem Bereich investieren.

Dabei ist aber nicht unwichtig, welche Art von Video-Content geboten wird. Viele Kanäle, die mit Material bespielt werden, das von klassischen Produzenten gestaltet wurde, bleibt erfolglos - die Erfolgsquote der Kanäle liege nur bei 30 bis 40 Prozent, rechnet Gugel vor. „Der Inhalt muss stimmen, dann ist es egal, ob es verwackelt ist oder nicht“, so der Video-Experte. Werden die YouTube-Channels derzeit über Wrbung monetarisiert - Google und Partner teilen sich die Anzeigenerlöse -, soll es Gerüchten zufolge künftig auch möglich sein, dass Nutzer Channels gegen Bares ein Abo abschließen können und dann gegen z.B. 1,99 Euro/Monat Zugriff auf bestimmte Serien bekommen.

YouTube-Stars als Wirtschaftsfaktor

Zudem zeigt sich auch in Deutschland, dass Googles Video-Portal echte Stars hervorbringt, die von den Werbeeinnahmen leben können. Prominentestes Beispiel ist Y-Titty: Die Jung-Comedians aus Köln stehen derzeit bei fast 370 Mio. Views und schaffen mit vielen der witzigen Clips mehr Abrufe, als eine Folge von “Wetten, daß?” Zuseher hat. Auch in Österreich gibt es seit kurzem die Chance, sich mit dem Betrieb eines eigenen YouTube-Kanals über das Partnerprogramm etwas dazuzuverdienen.

Die YouTube-Stars sind mittlerweile zu einem eigenen Geschäftszweig für Agenturen geworden. Networks nehmen sie unter Vertrag und helfen ihnen bei rechtlichen oder organisatorischen Dingen - im Gegenzug werden sie an den Werbeeinnahmen aus YouTube beteiligt. Die Agentur Mediakraft aus Köln etwa hat Y-Titty und Dutzende andere YouTube-Sternchen unter Vertrag und will mit diesem Netzwerk insgesamt 8,5 Mio. Nutzer pro Monat erreichen und insgesamt 130 Mio. Views erzielen - und damit mehr Rechweite als die RTL-Gruppe haben. Bereits 50 Mitarbeiter sind für die Betreuung der Vertragspartner und ihre Bedürfnisse abgestellt. „YouTube ist wie Astra, eine Plattform, auf der es TV-Sender gibt“, sagt Mediakraft-Chef Christoph Krachten.

YouTube-Stars brauchen “dickes Fell”

Bis die meist jungen Videomacher zu YouTube-Stars aufblühen, vergehen oft Jahre - viele schaffen den Sprung auf die Startseiten der YouTube-Nutzer erst, nachdem sie zufällig einen viralen Hit landen. LeFloid, der in seinen Clips auf sehr eigenwillige Art Nachrichten kommentiert, hat es auf 613.000 Abonnenten geschafft und lebt heute gut von YouTube. Seine Videos erhalten oft tausende von Kommentaren und Likes - Zahlen, von denen so manche Medienunternehmen träumen. „Zahlen sind die direkteste Form von Feedback, die man bekommen kann“, so LeFloid im Rahmen der re:publica.

Sein Kollege Simon W., der in seinem Channel “Ungespielt” Computer-Games zockt und kommentiert, hat es in nur fünf Monaten auf 90.000 Abonnenten geschafft. Er musste sich an die Feedback-Welle, die unter den Videos hinterlassen wird, erst gewöhnen. „Man braucht ein dickes Fell”, so Simon W. “Man muss kucken, dass man sich von den Dislikes und negativen Kommentaren nicht hinunterziehen lässt.“ Für ihn sei eine klassische Karriere im TV keine Alternative, er würde der Video-Plattform und seinen Sehern aus Freude an der Sache treu bleiben wollen. „Geld ist ein positiver Nebeneffekt.“
stats