Yahoo-Deal: Allianz der Abgestürzten
 

Yahoo-Deal: Allianz der Abgestürzten

Yahoo
Der Wert der Yahoo-Immobilien im kalifornischen Sunnyvale soll bei einer Milliarde US-Dollar liegen.
Der Wert der Yahoo-Immobilien im kalifornischen Sunnyvale soll bei einer Milliarde US-Dollar liegen.

Der neue Yahoo-Eigentümer Verizon schließt die einstige Internetgröße mit seiner Tochter AOL zusammen, die früher ebenfalls ein Riese war. Gemeinsam treten sie am Werbemarkt gegen Facebook und Google an

Dieser Beitrag erscheint auch in der HORIZONT-Ausgabe Nr. 29-30/2016 vom 29. Juli. Hier geht's zum Abo.

Im Jahr 2000 war Yahoo 125 Milliarden US-Dollar wert. Sechzehn Jahre später hat sich Verizon, der größte Mobilfunker in den USA, die einst führende Suchmaschine im Internet um einen Bruchteil davon, um schlappe 4,83 Milliarden US-Dollar gekauft. Der Plan: Sofern die Wettbewerbshüter zustimmen und der Deal im ersten Quartal 2017 abgeschlossen werden kann, soll Yahoo mit einer anderen Verizon-Tochter zusammengeschlossen werden: AOL. Diese hat ein ähnliches Schicksal wie Yahoo hinter sich. Einst der weltweit größte Internetanbieter mit einem Marktwert jenseits der 100 Milliarden US-Dollar, schluckte Verizon AOL 2015 um 4,4 Milliarden US-Dollar.

Gemeinsam sollen Yahoo und AOL, die zusammen auf fast 15.000 Mitarbeiter kommen, jenen Boden wieder gutmachen, den sie an Google und Facebook verloren haben. Denn zusammen kommen sie am US-Display-Werbemarkt, der dieses Jahr laut Marktforscher den von Google dominierten Search-Markt überholen wird, auf neun Prozent.

Eine neue Nummer drei

„Während Google und Facebook Geld drucken, rauft sich der Rest um die Reste. Eine starke Nummer drei ist gut für alle“, so David Cohen vom Werbemarktanalysten Magna Global. Der Plan von Verizon für seine Töchter basiert stark auf den Mobile-Trend. „Die Übernahme von Yahoo bringt Verizon in eine starke Position als globales mobiles Medienunternehmen und wird uns helfen, unsere Einnahmen mit digitaler Werbung schneller wachsen zu lassen“, meint Verizon-Chef Lowell McAdam. Zwar hat Yahoo seinen Zenith schon lange überschritten, doch vergessen sollte man nicht, dass seine Webangebote (Suchmaschine, Newsportal, Sport) pro Monat immer noch eine Milliarde Nutzer weltweit erreicht (davon 600 Millionen auf Mobilgeräten) und in den USA hinter Google und Facebook auf Platz drei der meistbesuchten Onlineplattformen liegt.

Zusammengenommen mit den zu AOL gehörigen Newsportalen Huffington Post, TechCrunch und Engadget kommt man auf eine ordentliche Reichweite, die sich vermarkten lässt. AOL-Chef Tim Armstrong hat als Ziel ausgerufen, zusammen mit Yahoo zwei Milliarden Nutzer erreichen zu wollen. Außerdem bringt Yahoo einige Tochterfirmen mit, die sich auf Digitalwerbung spezialisiert haben, darunter BrightRoll (Plattform für Programmatic Advertising), Flurry (Analysedienst für mobile Apps) und Gemini (spezialisiert auf Suchmaschinen- und Native Advertising).

Der so wichtige Mobile-Bereich ist allerdings die Achillesferse von Yahoo. Die 2012 eingesetzte Chefin Marissa Mayer (Ex-Google) schaffte es nicht, den angeschlagenen Web-Riesen ordentlich auf Smartphones zu positionieren. Während sich Facebook die Mobile-First-Dienste Instagram und WhatsApp um viele Milliarden kaufte und Google sein mobiles Betriebssystem Android zum Marktführer machte, kaufte sie um eine Milliarde US-Dollar die Blogging-Plattform Tumblr, die bisher mehr als die Hälfte ihres Wertes verlor und im Mobile-Bereich eine untergeordnete Rolle spielt. Auch die Yahoo-Tochter Flickr, einst das größte Fotoportal im Netz, konnte den schnell wachsenden Rivalen Facebook und Instagram nichts entgegenhalten. Ob Mayer für Yahoo, dessen Marke erhalten bleiben soll, weiter tätig sein wird, ist derzeit noch unklar. Schaden wird es nur ihrer Reputation, nicht ihrem Konto – sie würde Berichten zufolge eine Abfindung in der Höhe von 57 Millionen US-Dollar erhalten.

Ob Verizon es schafft, zu einem Schwergewicht am Onlinewerbemarkt zu werden, zweifelt die Konkurrenz an. „Die Geschichte zeigt, dass jeder einzelne Versuch in diese Richtung gescheitert ist“, sagt jedenfalls Marcelo Claure, CEO des Verizon-Konkurrenten Sprint. Seine Firma fokussiere lieber aufs Kerngeschäft, als sich am Content- und Digitalwerbemarkt mit etablierten Größen zu matchen.
Die Kronjuwelen von Yahoo hat sich Verizon übrigens nicht geleistet. Der 15-Prozent-Anteil am chinesischen Onlinehändler Alibaba und der 35,5-Prozent-Anteil an der eigenständigen Firma Yahoo Japan werden zusammengefasst und separat an der Börse gehandelt.
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