xseed: Start-up baut österreichisches Foursqu...
 

xseed: Start-up baut österreichisches Foursquare

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Eine neue Ortungs-App der Klosterneuburger Jungfirma Changepoint will zur eierlegenden Wollmilchsau in Sachen Location werden - Gründer Reinhard Birke erläutert HORIZONT seine vielen Ideen

Die mobile Szene in Österreich floriert: Mit xseed ist jetzt eine weitere App an den Start gegangen, die Antworten auf Fragen wie “Was tut sich Event-mäßig in meiner Umgebung?”, “Wie sah mein Haus vor 100 Jahren aus?” oder “Und wo sind eigentlich meine Freunde?” liefern will. Nach einem Jahr Forschungsarbeit hat Gründer Reinhard Birke die Gratis-Software in den Play Store von Google gebracht und beschreibt die Alleinstellungsmerkmale seiner Idee folgendermaßen: “Facebook hat ein Datenschutz-Problem. Verortungs-Apps saugen in Kürze den Akku leer. xseed hat das gelöst, denn es ist anonym und verbraucht wenig Strom.”

"Seeds" auf einer Landkarte

Als Nutzer kann man bei xseed seine nähere Umgebung nach interessanten Wegpunkten oder Events durchsuchen (so genannte “Seeds”), einen Treffpunkt mit einem anderen Nutzer ausmachen oder so genanntes “Timeshift” machen: Die App präsentiert dann Fotos am Display des Ortes aus der Vergangenheit. Wer etwas Spannendes den anderen Nutzern zeigen möchte, kann selbst einen eigenen Eintrag auf der Landkarte machen und bestimmen, ob ihn nur direkte Freunde oder alle sehen dürfen.

Spart Strom und Daten

“User können die App jederzeit anonym verwenden, d.h. wir speichern keinerlei persönliche Userdaten”, sagt Birke zum HORIZONT. “Wir sehen uns an, an welchen Orten welche Informationen abgelegt und konsumiert werden und welche Devices diese Informationen abfragen. Daraus können wir ableiten, an welchen Orten für welche Devices welche Information relevant ist. Dies ermöglicht es, Gutscheine oder andere Ermäßigungen direkt an jenen Orten abzulegen und jenen Devices zu zeigen, die auch tatsächlich ein Interesse daran haben.” Eine Vorgabe punkto Monetarisierung hat man sich bei Changepoint auferlegt: Man will keine Werbebanner in der App haben.

“Eine weitere Komponente des Business Plans besteht im Ausbau von eigenen kommerziellen Location-Based-Applikationen, bzw. der Bereitstellung unseres Technologie-Stacks für relevante Applikationen”, sagt Birke. “Die gewonnen Informationen werden dabei über alle Plattformen verteilt dargestellt. Derzeit arbeiten wir gemeinsam mit vier Partnern an entsprechenden kommerziellen Umsetzungsprojekten, um die xseed Idee finanzieren zu können.” Dieser Plan erinnert neben ebenfalls stark an Foursquare: Auch die bekannte US-Firma bietet Partnern gegen Gebühr an, seine POIs in ihre Apps zu integrieren, anstatt selbst ein Ortsverzeichnis aufbauen zu müssen. die Facebook-Tochter Instagram etwa setzt auf die Foursquare-Integration.

Geheime Idee zum Akkusparen

Damit xseed bekannter wird, hat man Viennergy, einem Wiener Verein zur Förderung von Jugendkultur, einen Fotowettbewerb gestartet, der direkt über die App ausgetragen wird. Den jugendlichen Nutzern wird bei xseed Anonymität versprochen: “Wir erheben niemals Userdaten. Keine Registrierung ist erforderlich. Selbst die übertragene Device ID wird direkt verändert, der veränderte Wert verschlüsselt und mittels Hash gespeichert", sagt Birke. "Möchte man Freunde hinzufügen, wird ein dynamischer Link zu diesem verschlüsselten Hash hergestellt und der User muss diesen selbst an einen Adressaten verschicken. Wir kennen dabei weder Adressat noch Empfänger.” Wie mit Userdaten soll auch schonend mit dem Akku der Smartphones umgegangen werden. Welche Tricks man dabei auf Lager hat, will Birke nicht verraten, weil man derzeit eine Idee entwickle, an die sonst niemand anderer arbeite.

"Nicht von vornherein einschränken"

Fotowettbewerb, Games, Events, Lokale - die App von Birker will ziemlich viel und fokussiert wie viele andere mobile Angebote nicht auf einen einzigen Use Case (was allgemein als Erfolgsfaktor gilt). “Ganz allgemein ist es ein Framework, in das dynamisch jeglicher Inhalt und auch jegliche Funktion eingebunden werden kann”, sagt Birke. “Im nächsten Schritt soll also auch die Community selbst eigene Funktionen in der App darstellen können.” Bei der App gehe es darum, digitalen Inhalt in der realen Welt abzubilden.

“Wir haben in der jetzigen Phase nicht eingeschränkt, um die Möglichkeiten auszuloten und nicht schon im Vorhinein einzuschränken. Viele Apps gehen in die Richtung, spezialisiert zu sein. Nach einem halben Jahr sind sie langweilig und deinstalliert. xseed ist ein Rahmen, der die Welt gestaltet und erlebbar macht. Daher ist auch xseed selbst nicht eine Funktion, sondern verändert seine Möglichkeiten dynamisch je nach Vorliebe und Content.”
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