Wie Fake News das Image beschädigen können
 

Wie Fake News das Image beschädigen können

Screenshot Starbucks, Screenshot benzinga
Starbucks sah sich mit gefakten Sujets ebenso konfrontiert wie die Plattform benzinga, auf der Kaufempfehlungen manipuliert und damit als Fake dargestellt wurden.
Starbucks sah sich mit gefakten Sujets ebenso konfrontiert wie die Plattform benzinga, auf der Kaufempfehlungen manipuliert und damit als Fake dargestellt wurden.

Von falschen Anzeigensujets bis bezahlten Finanztipps: Wie Falschnachrichten im Web auch abseits der Politik das Image zerstören können.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr.42 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Im US-Wahlkampf und der folgenden Politik schon allgegenwärtig, haben Fake News nun auch Wirtschafts- und Finanzwesen erreicht. Bewusst geschönte Hotel- oder Restaurantbewertungen im Netz sind seit Längerem bekannt, nun sehen sich allerdings vermehrt auch Großkonzerne, Investoren aber auch kleinere Betriebe mit Fake News konfrontiert. Die Möglichkeiten, den Markt zu manipulieren, reichen von gefakten Kampagnen, Empfehlungen von Krypto-Accounts bis zu bezahlten Aktientipps. Der Dreamer Day Starbucks sorgte jüngst mit einem Vorfall der besonderen Art für weltweite Headlines: So tauchten im Netz Anzeigen auf, in denen der 11. August zum „Starbucks Dreamer Day“ ausgerufen wurde, an dem allen nicht registrierten US-Amerikanern 40-prozentige Rabatte auf alle Starbucks-Menüs in Aussicht gestellt wurden. Wie es sich für einen Weltkonzern gehört, war die Kampagne sauber gemacht, mit dem dazugehörigen Slogan „Help Starbucks fight Bigotry“ und dem angeführten Hashtag #borderfreecoffee wurde emsig geliked und gepostet. Während Teile der Netzgemeinde das vermeintlich soziale Engagement abfeierten, war man in der Zentrale des Cafe-Multis „not amused.“ Die vermeintliche Kampagne war nämlich schlicht und einfach Fake. Starbucks ist damit kein Einzelfall, auch Pepsi und Coca-Cola, Mosanto und X-Box sahen sich unlängst mit gezielt gestreuten Falschmeldungen konfrontiert. Gerade emotional gespeiste Kampagnen, wie jene von Starbucks, verbreiten sich viral, die Konzerne können oft nur noch reagieren statt agieren und Schadensbegrenzung betreiben. Starbucks reagierte zwar schnell – über offizielle Firmen-Accounts wurde dementiert, die Kampagne als Fake gekennzeichnet – der Imageschaden aber war nicht mehr zu verhindern. Gefahr für Investoren Manipulationen passieren auch im hochsensiblen Finanzsektor. Auf Plattformen wie benzinga und Seeking Alpha werden Aktientipps als heiße Ware gehandelt, welche Investoren als Entscheidungshilfe für ihre Kaufoptionen zu Rate ziehen können. Allerdings stellte sich heraus, dass zahlreiche unter hübschen Pseudonymen wie „Equity Options Guru“, „Wonderful Wizard“ oder „The Swiss Trader“ abgegebenen Kaufempfehlungen manipuliert waren und von Finanzdienstleistern selbst finanziert wurden. Ein Verfasser soll hier unter nicht weniger als neun Pseudonymen seine bezahlten Tipps publiziert haben, recherchierte die Financial Times. Die US-Behörden haben im Zuge dieses Falles Zivilklagen gegen 27 Personen und Unternehmen eingebracht, denn nach geltendem US-Recht müssen Unternehmen offenlegen, wenn sie Autoren für die Veröffentlichung ihrer Artikel bezahlen.  [Marko Locatin]
stats