Wie die Post den Kunden im Passanten weckt
 

Wie die Post den Kunden im Passanten weckt

Post AG
Zum Rollout des neuen Tools wendet sich die Post unter anderem an Kunden aus dem Handel.
Zum Rollout des neuen Tools wendet sich die Post unter anderem an Kunden aus dem Handel.

Der Ausbau des Location-Based-Netzwerks der Post kann Händler und Kunden nun österreichweit direkt in Kontakt bringen. Über sogenannte Beacons, zum Beispiel in Briefkästen, können Passanten ins Geschäft ums Eck eingeladen werden.

Aus „Passanten Kunden machen“ will die Post mit ihrem neuen B2B-Angebot „Post GO“. Die vorhandene Post-Infrastruktur wird dabei genützt, um Händler und Kunden zusammenzubringen, wenn sie ohnehin nur noch einen Katzensprung voneinander entfernt sind. Das Location-Based-Netzwerk erkennt, wenn Kunden in der Umgebung von Geschäften sind, und baut über deren Smartphones Kontakt auf, indem ein Gutschein mit einem Angebot für die nächstliegende Filiale ausgespielt wird.

Der Fantasie der Anbieter ist indes keine Grenze gesetzt: Gutscheine, Informationen über Sonderangebote, Benachrichtigungen über abholbereite Waren und mehr können Kunden im wahrsten Sinn des Wortes „im Vorübergehen“ mit auf den Weg gegeben werden. Wie bei den Einsatzmöglichkeiten bieten sich auch dem Kreis möglicher Nutzer von „Post GO“ zahlreiche Optionen. Die ersten Anwendungsfälle kommen aus dem Handel. Nutzbar ist das Angebot freilich für jeden B2B-Partner der Post, etwa aus den Bereichen Tourismus und Gastronomie oder von Veranstaltern. Nicht zuletzt erschließt sich zudem auch für den kommunalen Bereich damit eine völlig neue Kommunikationsmöglichkeit zu Bürgern.

Technik, die Nähe schafft

In technischer Hinsicht ruht das System auf zwei Säulen: Beacons für den unmittelbaren Nahbereich von rund 70 Metern Entfernung und Geofencing ab einer Distanz ab etwa 120 Metern aufwärts, ohne Grenze nach oben.

Beacons sind als Standbein der Location-Based-Kommunikation kein Neuland mehr: Große Infrastrukturen wie Flughäfen nutzen sie ebenso wie Messe- und Festival-Veranstalter oder Tourismusgebiete. Neben dem geringen Energieverbrauch, sowohl für Sender als auch Empfänger durch die Bluetooth-Low-Energy-Struktur, bietet vor allem die Unabhängigkeit vom Betriebssystem des Smartphones unkomplizierte Nutzbarkeit. In der ersten Testphase der Post wurde das „GO“-System mit Beacons in 110 Briefkästen in Wien erfolgreich getestet, nun läuft der Rollout auf etwa 300 Standorte wie Einkaufsstraßen und Bereiche mit hoher Geschäfts- und Passantendichte.

Neben den Beacons sind österreichweit relevante Geokontaktpunkte an weiteren wichtigen Standorten für die Kommunikation per Geofencing erfasst. Die Technik erlaubt das beliebige Abstecken von Bereichen über Funknetze und GPS und kann potenziell mit allen Smartphone-Besitzern, die sich im Freien aufhalten, kommunizieren.

Packerln erinnern an sich selbst

Die Funktionsfähigkeit des Systems hat die Post vor dem Rollout von „Post GO“ vor allem im Selbsttest sichergestellt, mit ihren Kundenservices im Brief- und Paketbereich: Die Post-App bietet schon seit einiger Zeit die Möglichkeit, dass Postfilialen mittels dort positionierten Beacons vorbeigehende Kunden per Handy daran erinnern, dass eine Sendung abholbereit auf sie wartet. Auch erste Pilotprojekte mit Partnern aus dem Handel, etwa im Bereich von Gastronomie und Mode, wurden bereits erfolgreich abgeschlossen.

Bedenken in Sachen Datenschutz braucht es nicht: Das Service basiert auf dem Einverständnis der Endverbraucher. Gerade die Beacons-Struktur bietet darüber hinaus allein in technischer Hinsicht doppelte Sicherheit: Beacons sind nicht mit dem Internet verbunden und können keine Daten speichern.

DSGVO als positive Benchmark

Ohnehin sieht aber Reinhard Scheitl, Leiter Marketing & Produktmanagement Österreichische Post AG, die Datenschutzaspekte nicht als Problem, sondern als positive Benchmark: Unkommentierte App-Aufforderungen zur Standortfreigabe etwa würden „von der Mehrheit der User zurecht abgelehnt“, unterstreicht er gegenüber dem HORIZONT.

Die Lösung ist aus Scheitls Sicht allerdings ebenso einfach wie naheliegend: „Wenn App-Betreiber transparent erklären, für welchen Zweck User ihren Standort freigeben, trägt das nicht nur der erforderlichen Zweckbindung in der DSGVO Rechnung, sondern erhöht gleichzeitig auch die Akzeptanz des Services bei den Usern.“ Es gelte, sich „vor allem in das User-Verhalten hineinzudenken. Wenn das Unternehmen „klar aufzeigt, dass es durch den Service am jeweiligen Standort und zur richtigen Zeit relevanten und nützlichen Content für seine Kunden ausspielen kann“, dann werde das auch auf Gegenliebe bei diesen stoßen, so der Marketingexperte.

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