WhatsApp: "Keine Ads, keine Games"
 

WhatsApp: "Keine Ads, keine Games"

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Auf der DLD-Konferenz in München gab Jan Koum, Gründer der populären Messaging-App, Einblicke in sein boomendes Unternehmen mit nunmehr 430 Millionen aktiven Nutzern

Über die Messaging-App WhatsApp denken mittlerweile auch Marketing-Profis nach. Der Grund: Nunmehr 430 Millionen Menschen weltweit verschicken mit der Smartphone-Anwendung für iPhone, Android, Windows Phone, Symbian und Nokia-S60-Geräte, Texte, Fotos oder Videos an ihre Kontakt bzw. Chat-Gruppen. Diese Nutzerzahl gab Gründer Jan Koum auf der DLD-Konferenz von Burda bekannt, die derzeit in München über die Bühne geht. 30 Millionen davon sind laut Koum in Deutschland beheimatet, und in Österreich dürften grob geschätzt auch hunderttausende oder sogar Millionen die App benutzen.

Wie Google und Facebook unabhängig bleiben


Diese Reichweite stellt auch große Internet-Plattformen wie Twitter oder Google+ in den Schatten. Leider haben Werber derzeit kaum eine Chance, ihre Werbebotschaften über WhatsApp zu verbreiten. Denn: "Keine Ads, keine Games, keine Gimmicks", lautet das Motto von WhatsApp-Gründer Koum. Zwar fokussiere man derzeit auf Wachstum und nicht auf die Monetarisierung, aber man würde derzeit Geld mit der App verdienen, für die eine kleine Jahresgebühr von 99 Cent fällig ist. 50 Mitarbeiter beschäftigt die kleine Firma im Silicon Valley, verriet der medial sehr zurückhaltende Koum. "Wir wollen etwas Nachhaltiges aufbauen", so Koum. "Auch Google und Facebook haben nicht verkauft und sind unabhängig geblieben."

Weltweite Kommunikations-Plattform


Seine Aversion gegen die Monetarisierung via Werbung - Koum sieht Privatnachrichten als zu persönlich an, um die Daten zu Werbezwecken auszuwerten - hat Gründe, die auch in seiner eigenen Geschichte zu finden sind. Der WhatsApp-Gründer ist ein Kind ukrainischer Emigranten, der in dem sowjetisch geprägten Land in einer Umwelt ohne Werbung aufwuchs. Der Umstand, dass die Kommunikation nach dem Auswandern mit den Verwandten zu Hause kompliziert und teuer war, hätte ihn unter anderem zu der App inspiriert. "Wir wollen auf jedem einzelnen Smartphone sein und Kommunikation mit Familie und Freunden einfach und billig machen", sagte Koum. Wir wollen eine Kommunikation-Plattform für die ganze Welt schaffen." Das ist eine klare Kampfansage an Facebook, das auf die Popularität von WhatsApp bereits mit dem Ausbau seiner eigenen "Messenger"-App reagierte.

Andere Wege als Snapchat und Line


Zum eigenen Geschäftsmodell und in Bezug auf konkurrierende Messaging-Apps wie Line oder Snapchat sagte der Internet-Unternehmer: "Wir fokussieren auf Messaging, wir sind keine Spiele- oder Foto-Plattform." Damit erteilte er der Idee vieler Beobachter eine Absage, dass die Reichweite seiner Plattform für die Distribution von anderen Inhalten und Services genutzt werden könnte. Der Konkurrent Line aus Japan oder WeChat aus China machen viele Millionen mit dem Vertrieb von Zusatz-Content wie Games oder Comic-Stickers in ihren Messaging-Apps.
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