Werbeklimaindex: "Spürbar abgekühlt"
 

Werbeklimaindex: "Spürbar abgekühlt"

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Fachverband-Obfrau Angelika Sery-Froschauer erwartet nach gedämpftem 2. Quartal "erfreulichen Klimawechsel für das 3. und 4. Quartal" - Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo geht von +1 Prozent Wachstum für die Werbewirtschaft aus

519 Mitgliedsunternehmen des Fachverband Werbung und Marktkommunikation (mit 4.401 Beschäftigten) hat das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo im Auftrag des Fachverband zur Geschäftslage und Ausblick im Rahmen der quartalsweisen Erhebung zum "Werbeklima-Index" befragt:

Werner Hölzl, Wifo, geht von einem Wachstum der Werbewirtschaft von real +1 Prozent für 2013 aus, obwohl das 2. Quartal, wie Hölzl und FV-Obfrau Angelika Sery-Froschauer, ausführen, den "seit Jahresbeginn prognostizierten Trend, dass die Dynamik der Werbung spürbar nachlässt", bestätige.

Die Geschäftsentwicklung und -erwartung der befragten FV-Mitgliedsunternehmen werde durch die "schwache allgemeine Wirtschaftslage" belastet.

Der "Werbeklima-Index" im 2. Quartal liegt bei +16 (nach knapp +20 im 1. Quartal 2013 und +23 im 4. Quartal 2012 - der Wert ergibt sich aus der Saldierung positiver und negativer Umfragewerte. Das ist dennoch weit vom "Höhepunkt" der positiven Werbeklima-Stimmung aus dem Jänner 2012 mit +36 Punkten entfernt...).

Im 2. Quartal melden 66 Prozent der Mitgliedsunternehmen "ausreichenden beziehungsweise mehr als ausreichenden" Auftragsbestand (1. Quartal: 67 Prozent) - und 33 Prozent erwarten in den nächsten 6 Monaten eine steigende Nachfrage, nur 5 Prozent eine sinkende Nachfrage (im 1. Quartal waren 31 Prozent positiv aber 6,4 Prozent negativ eingestimmt). 78 Prozent der Mitgliedsunternehmen wollen ihren Personalstand halten, nur acht Prozent Mitarbeiter abbauen (im 1. Quartal wollten 80,2 Prozent ihre Mitarbeiter halten, 7,3 Prozent abbauen).

(Insgesamt zählt der FV zum Stichtag 31.12.2012 exakt 23.097 aktive Betriebe in 14 Berufsgruppen mit 26.653 angestellten Mitarbeitern - allerdings sind exakt 64,7 Prozent der Mitgliedsbetriebe (13.874) sogenannte "EPUs", also Ein-Personen-Unternehmen).

Forderungskatalog

Sery-Froschauer erklärt: "Auch wenn die Werbekonjunktur zusehends weniger rosig ausfällt, blicken wir doch optimistisch auf das zweite Halbjahr 2013!" Der Fachverband Werbung richtet auf die nach dem 20. September antretende Regierung einige zentrale Forderungen:



  • Ausbau und Förderung der digitalen Wirtschaft in Österreich ("Fit für das digitale Zeitalter", formuliert FV-Geschäftsführer Markus Deutsch),


  • Abbau der Staatsschulden und eine "Steuerreform unter dem Aspekt der Steuergerechtigkeit", sowie


  • Reformen im Bildungs- und Weiterbildungswesen. Für die Weiterbildung der FV-Mitglieder strebt der FV in Kooperation mit der deutschen GWA (Gesamtverband Werbeagenturen) ein Online-Bildungsangebot für die Mitglieder an (das Projekt soll im November vorgestellt werden).


Eine nicht unwesentliche Detailforderung verknüpft die Vertretung der Werbewirtschaft mit der geplanten Novellierung des ORF-Gesetzes: "In einem neuen ORF-Stiftungsrat muss ein Vertreter der Werbewirtschaft sitzen!"

Werbeabgabe

Die Abschaffung der 5-Prozent-Werbeabgabe ist eine Dauerforderung des Fachverbandes - mit derzeit wenig Aussicht auf Realisierung. Dennoch unterstreichen Sery-Froschauer und Deutsch: Hände weg von einer Erweiterung der Abgabe (derzeit ist Online-Werbung von der Werbeabgabe befreit). Deshalb ist das Media-Barometer Werbeabgabe auch unvollständig: Im 1. Halbjahr 2013 nahm die Finanz aus der Abgabe 55,7 Millionen Euro ein - das wäre ein winzige Minus von 0,2 Prozent des Media-Realumsatzes Anno 2013.

Die Vorsteuer-Meldungen der FV-Betriebe, erläutert Deutsch, würden im 1. Halbjahr sogar zwischen 2 bis 3 Prozent über dem Vergleichszeitraum liegen.

Fazit: Die Basiskonjunktur für die Werbewirtschaft ist relativ robust, es gib allerdings nur wenig Signale nach oben (aber auch nicht nach unten - unter Einpreisung der Digitalwirtschaft kann durchaus von einem Wachstum, zumindest im Bereich von einem Prozent, gesprochen werden).
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