Web Summit: 'Unternehmertum wird Mainstream'
 

Web Summit: 'Unternehmertum wird Mainstream'

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Der Dubliner Web Summit lockt dieser Tage 20.000 Besucher in die irische Hauptstadt, die sich über digitale Trends in den Bereichen, Kommunikation, Medien und Marketing informieren oder ihre Start-ups einem Fachpublikum vorstellen wollen - HORIZONT vor Ort

Drei Tage, 20.000 Besucher, dutzende hochkarätige Sprecher und hunderte Start-ups: Dieser Tage darf sich die irische Hauptstadt getrost europäische IT-Hauptstadt nennen. Am Web Summit, auf dem auch der HORIZONT vertreten ist, werden seit Dienstag jene Technologien diskutiert, die heute und auch künftig Bereiche wie Kommunikation, Medien, Werbung und Marketing betreffen. Auch österreichische Start-ups, Agenturvertreter und Medien sind angereist, um sich in der weiterhin boomenden Szene umzusehen und umzuhören.

In seiner Keynote fragte Saul Klein, Partner des wichtigen Risikokapitalgebers Index Ventures (u.a. Dropbox, Facebook, Outbrain, Path) wie sich Europa in dieser Welt mache. Er listete zunächst eine mittlerweile anständige Zahl an europäischen Internet-Firmen wie Soundcloud, Spotify, Zalando, King.com, ZenDesk oder BlaBlaCar auf, die durchaus mit den Großen aus dem Silicon Valley mithalten können. Was ihm aber Sorgen bereite: „Wenn man Leute fragt, ob sich ihr Leben besser oder schlechter entwickeln wird, sagen in der entwickelten Welt die meisten, dass sie erwarten, dass es schlechter wird. Währenddessen erwarten sich Mesnchen in Entwikclungsländern, dass ihr Leben besser wird“, so Klein. „In Europa und auch in den USA sind die Menschen nicht so optimistisch.“

USA weiter mit Vorsprung

Trotzdem ortet Klein weiterhin Aufbruchstimmung, was Start-ups im Technologiebereich angeht. „Unternehmertum wird Mainstream“, so der Risikokapitalgeber. Allein auf Facebook gebe es 55 Millionen User, die sich für Entrepreneurship interessieren würden, doch jene aus Europa würden auf schlechte Rahmenbedingungen stoßen. „Die europäischen Universitäten und Bildungssysteme unterstützen nicht diesen Trend. Man muss immer noch in die USA gehen, um sich die richtige Ausbildung zu holen“, so Klein. Er appellierte an Politiker, Bildungsinstitutionen wie auch die Privatwirtschaft, diese Chance nicht zu übersehen und entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Derzeit sei die Zeit optimal, ein Unternehmen zu gründen, weil die Lebensspanne großer Konzerne in den vergangenen Jahrzehnten, angetrieben durch die Digitalisierung, von im Schnitt 50 auf zehn Jahre gesunken sei - bestes Beispiel sei der einstige Fotogigant Kodak, der heute weniger wert ist als die Foto-App Instagram.

Als Vorzeigebeispiel wurde in Dublin der in Irland gebürtige Jungunternehmer John Collison vom Payment-Start-up Stripe präsentiert. Stripe arbeitet bereits mit großen Firmen wie Apple, Facebook oder Alibaba aus China zusammen, um mobile Payments flächendeckend auszurollen. „Zahlen wird in zehn Jahren komplett über das Mobiltelefon funktionieren. Firmen wie Apple und Facebook haben die Kapazitäten, das Bezahlen von fünf Minuten auf wenige Sekunden zu reduzieren“, sagte Collison. Da seine Firma nach San Francisco übersiedelt ist, musste aber auch er eingestehen, dass das Silicon Valley noch immer einen sehr starken Magnet-Effekt auf Talente und Ideenhaber ausübe. Gerade in Dublin aber könne man mittlerweile viel Geld und gute Mitarbeiter finden, um ein Start-up schnell großzumachen.

Optischer Aufputz und WLAN-Probleme


Die Schauspielerin Eva Longoria, einer der Stargäste des Web Summit, plädierte dann publikumsträchtig für ein Umdenken im Ausbildungssektor, das heute unternehmerisches Denken nicht genug fördere. Gemeinsam mit dem Multimilliardär Warren Buffet hat sie dieses Jahr ein Programm ins Leben gerufen, um benachteiligten Frauen aus Lateinamerika dabei zu helfen, eigene Firmen zu gründen.

Alles rund läuft am Web Summit, der unter dem selbst gewählten Motto „Where the Tech World meets“ steht, nicht: Zum Ärger und/oder Belustigung vieler Besucher war die WLAN-Versorgung am Vormittag des ersten Tages für viele Nutzer zu langsam oder gar nicht verfügbar. Ärgerlich für die ausstellenden Start-ups, darunter auch einige aus Österreich: Sie konnten an ihren Ständen ihre Apps und Web-Dienste nur unter erschwerten Bedingungen interessierten Besuchern zeigen. Web-Summit-Veranstalter Paddy Cosgrave versprach Besserung, spätestens beim Event, der 2015 wieder stattfinden soll.

In HORIZONT-Ausgabe 46, die am 8. November erscheint, lesen Sie einen großen Hintergrundbericht vom Web Summit in Dublin und die dort diskutierten Trends in den Bereichen Medien und Marketing.
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