‚We live the story: Wir leben unsere Geschich...
 

‚We live the story: Wir leben unsere Geschichten wirklich‘

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Chris Davies, Director Sales & Marketing BBC Global News, erzählt im HORIZONT-Interview über das Geschäftsmodell des kommerziellen Zweigs der BBC

Horizont: Herr Davies, Sie leiten die Marketing-und-Sales-Abteilung von BBC Global News, des kommerziellen Arms der BBC. Wie kann man sich diesen Job vorstellen?

Chris Davies:
Er ist umfassend (lacht). Unser internationaler News-Channel hat rund 150 Mitarbeiter. Unsere Kunden sind vor allem die Tourismusbranche, die Finanz- und die Luxusgüterindustrie. Der Umsatz von BBC Global News, zu der BBC World News und bbc.com/news zählen, lag 2013/14 bei rund 100 Millionen Pfund.

Horizont: Fungiert BBC Global News als eigenständiges Unternehmen?

Davies:
Genau, wir zahlen zum Beispiel Raumnutzungsgebühren an unsere Mutter, die BBC. Unsere Programme, das gesamte Unternehmen, muss ohne Gebührenmittel auskommen. Diese liegen immerhin bei 145 Pfund je Haushalt, das sind gesamt Einnahmen von 3,2 Milliarden Pfund, die an uns vorübergehen.

Horizont: BBC ist eine starke Marke.

Davies:
Das ist richtig. Der Content, der hier im Haus entsteht, ist ein gutes Verkaufs- und Qualitätsargument. Aber die Herausforderung ist durchaus groß, bei Konkurrenten wie CNN oder Al Jazeera. Und die Zielgruppe ist spitz, wobei wir eine große Reichweite bieten können. Alle internationalen BBC-Kanäle erreichen weltweit rund 265 Millionen Menschen. Außerdem haben die Juli-Zahlen von ComScore gezeigt, dass wir bei den globalen Onlinenutzern Kopf-an-Kopf mit CNN liegen. Die Nutzer der BBC haben seit 2012 um 30 Prozent auf 73,4 Millionen Unique Browser zugenommen, das sind nur 200.000 weniger als CNN mit 73,6 Millionen.

Horizont: Wie kompliziert ist es, mit unterschiedlichen rechtlichen Situationen in so vielen Ländern umzugehen?

Davies:
Es gibt schwierige Länder wie China oder Russland. Russland hat gerade ein Gesetz verabschiedet, das vorgibt, dass nur staatliche TV-Sender Werbung zeigen dürfen. Als der Staatsstreich in Thailand stattfand, wurden alle internationalen Kanäle gesperrt. Wir haben dann einen Online-Pop-up-Service eingerichtet. Auch in Malaysia wurden wir schon blockiert. Wir müssen auf manches ­reagieren und es unseren Kunden dann erklären.
Horizont: Spürt BBC ­Global News noch die Wirtschaftskrise?
Davies: Die Luxusgüterindustrie zum Beispiel war kaum betroffen – scheinbar gönnen sich die Menschen etwas in schweren Zeiten. Der Finanzsektor wurde stark in Mitleidenschaft gezogen, allerdings tauchen wir wie es scheint gerade aus der Krise auf. Die Finanzbranche schaut auf ihr Image und wirbt. Auch der Tourismus ist heuer erstarkt.

Horizont: Welche sind die wichtigsten Märkte?

Davies:
Die USA sind der größte Markt und digital enorm voran, auch in Indien ist BBC GN sehr relevant für die Zuseher und die Werbewirtschaft. Selbst in Deutschland haben 35 Millionen Menschen die Möglichkeit, unseren Kanal zu sehen. Die wichtigsten Offices für uns sind New York, Singapur, London, Paris und Sydney.

Horizont: Für BBC GN liegt der Fokus also auf TV- und digitaler Werbung?

Davies:
Viele Kampagnen sind crossmedial angelegt, unsere Einnahmen teilen sich etwa 50 zu 50 auf traditionelle Medien und digitale Medien auf. Online ist der Großteil Display-Werbung. Pre-Rolls legen stark zu, dennoch stehen wir immer noch hauptsächlich bei einem Display-Modell. BBC Global News Ltd. betreibt keine Radiostation, aber bei den BBC World Services, die in 27 Sprachen Podcasts gestalten und auch hier im Haus sitzen, wird Werbung gerade in kontrollierter Weise getestet. Eines ist relevant, wir verkaufen keine Werbung in und rund um News, keine Sponsorings, Produktplatzierungen, das wäre entgegen unserem Kodex. Native Advertising findet nur in Kultur-, Reise- oder Lifestyle-Programmen statt.

Horizont: Wie sind die Märkte werblich ausgerichtet?

Davies:
Die USA gibt klar die Richtung vor – sei es im Hinblick auf Native Advertising oder auch programmatischen Display-Einkauf. Programmatic Buying dringt ja nur langsam nach Europa vor, etabliert sich aber zunehmend in Australien, Asien und Afrika. Viele Menschen waren anfangs skeptisch, aber es entwickelt sich. Es gibt inzwischen echten Premium Content, der im richtigen und gewünschten Umfeld Möglichkeiten für gute Werbelösungen bietet. Das erhöht auch wieder die TKPs.

Horizont: Wie hoch sind die Umsätze, die BBC Global News mit Programmatic macht?

Davies:
In den reifen Märkten wie etwa den USA sind es rund 30 Prozent, was das Inventar betrifft, die Erlöse liegen vielleicht bei 15 Prozent. Aber das Wachstum ist rasant. Programmatic ist mehr und mehr ein smartes Tool, das uns für andere Aufgaben freispielt.

Horizont: Wer sind die drei größten Werber?

Davies:
So konkret kann ich das nicht sagen, aber wir haben langjährige Beziehungen zu Rolex, American Airlines, British Airways, Quatar Airways, HBC. DuPont, ein globales Unternehmen der Chemischen Industrie, etwa ist Sponsoring-Partner unseres Technologie- und Wissensformates „Horizons“.

Horizont: Sie waren auch für den Relaunch der Marke BBC Global News verantwortlich …

Davies
: Im Jänner 2013 haben wir den ganzen Look modernisiert. Als alle News-Kanäle, der nationale und der ­internationale, hier ins Broadcasting House übersiedelten, dazu die World Services, die Radio- und Podcast-Beiträge in 27 Sprachen produzieren, war das ein essenzieller Schritt, den alle fühlen sollten. So entstand die Kampagne „The World’s Newsroom“ – sie zeigt die Essenz unserer Arbeit: We live the story. Wir unterhalten Büros in 85 Städten in aller Welt und haben Journalisten vor Ort in mehr Ländern als jeder andere internationale Sender. Das bedeutet: Sie werden nicht nur bei Krisen eingeflogen, wie das bei anderen Sendern der Fall ist. Wir ­leben die Geschichten wirklich.

Dieser Artikel erschien bereits am 19. September in der HORIZONT-Printausgabe 38/2014. Hier geht's zur Abo-Bestellung.
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