Warum ist Uber so ein Überflieger?
 

Warum ist Uber so ein Überflieger?

Seb Braun/www.sebbraun.co.uk
Was plant Uber als nächstes?
Was plant Uber als nächstes?

Diese Woche geht's bei Walter's Weekly um das Geschäftsmodell von Uber.

Die Taxi-App Uber taucht regelmäßig in den Nachrichten auf. Einmal geht es um die fragwürdige Behandlung eines Heeres von privaten Fahrern, dann wieder um Demonstrationen regulärer Taxler oder um Aufrufe zu Regelung oder gar Verbot des neuen Konkurrenten. Einerseits dehnt sich das Unternehmen unaufhaltsam aus, andererseits reißen die negativen Meldungen nicht ab. Wie erklärt sich da, dass 54 Investoren – darunter Amazon-Gründer Jeff Bezos und die Bank Goldman Sachs – zusammen 9 Milliarden (!) Dollar in das Unternehmen gesteckt haben und Uber inoffiziell mit bis zu 64 Milliarden (!!) Dollar bewertet wird? Summen dieser Größenordnung kommen nicht über billigere Taxifahrten herein. Selbst dann nicht, wenn die Rede von einer "globalen Lücke" im Transportwesen ist. Was also feuert die Investorenfantasien so gewaltig an?

Uber Technologies wurde 2009 von Travis Kalanick (seine Familie hat tschechisch-österreichische Wurzeln) und dem kanadischen Web-Unternehmer Garrett Camp gegründet. Die Grundidee war, private Autobesitzer mit potenziellen Passagieren zu vernetzen. Mit dem Slogan "Everyone’s Private Driver" war Uber anfangs als Luxusmarke positioniert, im Gegensatz zum bescheidener auftretenden Konkurrenten Lyft. Es dauerte ein Weilchen, bis sich UberX zum Kampf um den Massenmarkt entschlossen hatte, kühl die alte Markenidee sausen lassend.

Offiziell trat die Plattform 2010 in Aktion. Zurzeit agiert Uber in rund 400 Städten auf der ganzen Welt, alle 5-6 Tage wird im Schnitt ein neuer Markt angegangen. Das geschieht in der Regel so, dass ein kleines Team (genannt "launchers") einfliegt, den ersten Fahrer engagiert, dessen Hauptaufgabe es ist, weitere Fahrer ausfindig zu machen und an Bord zu bringen.

Marktführer können nicht wie Startups auftreten

Erstaunlich sind die hartnäckige Konsequenz und der unternehmerische Mut, mit dem dieses Unternehmen vorgeht. Nirgendwo besser sichtbar als in London. Kein Mensch, der die verwinkelten, mittelalterlichen Straßen und die regulierte Taxi-Szene kennt, würde sich auf der Suche nach Profiten dorthin wagen. Nicht nur, dass lange vor Ubers Ankunft 3.000 Taxianbieter im Markt waren, es gab auch schon eine Taxi-App namens Hailo, das bereits 9.000 Fahrer in den berühmten schwarzen Vehikeln angeheuert hatten.

Aber genau diese Draufgängereinstellung scheint Investoren zu faszinieren, unberührt von einer Reihe von Rückschlägen. Die jüngste Niederlage: In Austin (Texas) haben Uber und Lyft ihre Dienste vorläufig eingestellt, nachdem bestehende strenge Regelungen bei einer Abstimmung bestätigt worden sind. In der Großstadt Sao Paulo will man privat vermittelten Taxifahrten eine Kilometersteuer aufbrummen. Auch eine kürzlich beigelegte Sammelklage kam mit einer Zahlung von 100 Millionen Dollar nicht eben billig. Und in Europa wachsen die Hürden ebenfalls in eine Reihe von Ländern, jüngst in Schweden.

Das Unternehmen ist längst kein Underdog mehr – bei dieser Größenordnung wird das Image immer wichtiger, seien es Streitereien um die Behandlung der engagierten Fahrer oder Vorwürfe, ein Monopol anzustreben. Auch das Gezerre um Trinkgeld oder nicht beschädigt den Ruf der Firma.

Worum es wirklich geht

Uber will nicht bloß Mittlerfunktion sein, sondern ein Marktplatz, erkennbar an diversen neuen Plattformen wie Uber RUSH und Uber Eats. Egal, ob es um fahrerlose LKW oder um Essenszustellung oder private Transportbedürfnisse ohne eigenen PKW geht: Wo immer etwas bewegt werden muss, braucht es eine Vermittlungsplattform. Über allen thront übermächtig Uber, mit tiefen Taschen und globaler Reichweite.

Der anvisierte Megakuchen zieht viele Nachahmer an. Nicht alle unbedingt erfolgreich – etwa BlackJet, die Privatflugzeuge auf Anfrage organisieren wollten und gescheitert sind.

Das Ziel von Uber scheint zu sein, sich ähnlich wie Google oder Facebook als allgegenwärtige Endverbraucher-Marke zu etablieren...

Leserservice:

  • Wer eine längere Analyse lesen möchte, auf welche Weise Uber den riesigen und höchst komplizierten Taximarkt London angegangen ist und wie das Ganze aus der Sicht der Fahrer funktioniert, hier ein ausgezeichneter Artikel.
  • Von 23. bis zum 27. Mai hat das Online-Magazin Motherboard eine Reihe von Beiträgen angekündigt, die sich mit der Zukunft von Uber auseinandersetzen...


[Walter Braun]
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