Walter’s Weekly: Wenn Roboter Werbung anklick...
 

Walter’s Weekly: Wenn Roboter Werbung anklicken ...

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Diese Kolumne macht sich jede Woche auf die Suche nach aktuellen Nachrichten und Entwicklungen der Kommunikationsbranche im angloamerikanischen Raum

Betrug im digitalen Werbegeschäft 

Einer Schätzung zufolge könnten Werbetreibende heuer bis zu 11 Milliarden(!!) Dollar durch betrügerische Werbung verlieren. Das funktioniert grundsätzlich so: Hacker erschaffen Programme, die in der Lage sind, einen Schein-Web-Verkehr zu erzeugen. Über gefälschte Web-Sites kassieren sie dann ab. Bezahlt wird der gigantische Schwindel von den Vermarktern, die irrtümlich meinen, echte Werbeflächen bzw. real klickende Interessenten gekauft zu haben.

Der Betrug kann vollautomatisch ablaufen (durchgeführt von sogenannten 'bots', kurz für roboters) oder unter Einsatz von bezahlten Web-Nutzern, die künstlich Traffic erzeugen. Die eingesetzten Techniken sind reichlich kompliziert, da raffinierte Software in der Lage ist, menschliches Online-Klickverhalten nachzuahmen (und deswegen nicht so leicht entlarvt wird). Oft genug werden ahnungslose User eingespannt, die nicht bemerkt haben, dass ihr Browser aus der Ferne gesteuert wird.

Das Interactive Advertising Bureau (IAB) hat eine eigene Arbeitsgruppe eingesetzt, die Traffic of Good Intent Task Force (TOGI). So lobenswert solche Initiativen auch sind, sie reichen sicher nicht, da das Problem überhandnimmt (falls die Schätzungen richtig sind, werden die Werbebetrugsverluste heuer um 22 Prozent mehr ausmachen als im Vorjahr). Der Einsatz von privaten Sicherheitsanbietern wie Pixalate ist wohl notwendig.

Hier mehr Einblicke zu den eingesetzten Betrugstechniken:

http://venturebeat.com/2014/05/12/coming-clean-the-truth-about-fraud-in-digital-advertising/

http://www.iab.net/trafficgoodintent

Gewinnen die Cyber-Gauner den Krieg?

Beim Jahrestreffen der „National Venture Capital Association” in San Francisco warnte David DeWalt, Chef der Sicherheitsfirma FireEye, dass die kriminellen Attacken im Cyperspace immer raffinierter würden und nun selbst die High-tech-Unternehmen im Silicon Valley unter Beschuss geraten. Seiner Einschätzung nach waren, rein historisch gesehen, die Angriffs- und Abwehrkapazitäten immer ausgeglichen – doch jetzt scheinen die Kriminellen die Überhand zu gewinnen.

Ein Problem ist, dass in diesem schmutzigen Geschäft Regierungen und Geheimdienste verwickelt sind, die insgesamt größere Kapazitäten zur Verfügung haben als Privatfirmen. Im Besonderen hat das mobile Web neue Einfallstore für Betrüger geöffnet. Noch verwundbarer wird voraussichtlich das ‚Internet der Dinge’ sein.

Quelle:

http://blogs.wsj.com/digits/2014/05/14/cyber-crooks-are-winning-tech-war-and-silicon-valley-is-losing/

Ganz allein auf meiner Wolke

Die sensationelle Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes, die Datenschutzgesetze auf ein ‚Recht des Gelöschtwerdens’ auszudehnen, hat viel Kommentarstaub aufgewirbelt. Ist das Urteil nur recht und billig oder eine Form von Internet-Zensur, wie Wikipedia-Gründer Jimmy Wales meint? Der Trend geht jedenfalls, wie bereits in diesem Blog angemerkt, in Richtung besserer Schutz der Privatsphäre. Das Problem ist bloß, dass kein Gerichtshof der Welt um die Tatsache herumkommt, dass man Dinge nicht ungesehen machen. Mit anderen Worten: Sobald einmal Daten in der Digitalsphäre erscheinen, können nicht alle Spuren auf Befehl hin zum Verschwinden gebracht werden.

Selbst das kürzlich an dieser Stelle erwähnte Unternehmen Snapchat hat nun rechtliche Probleme bekommen, da sie zwar den Nutzern Anonymität bei den Konversationen zugesagt haben – gleichzeitig hat das Unternehmen aber die Kontaktdaten ohne um Erlaubnis zu fragen gespeichert. Als Bestrafung werden sie jetzt 20 Jahre lang extern überwacht.

Eine Reihe junger Unternehmen drängt in diesen Bereich. Etwa Dstrux, die versprechen, dass E-Mails in wenigen Sekunden verschwinden. Hier werden Botschaften über den Dstrux-Server umgeleitet, sodass der Empfänger nie das Original-File erhält (das in verschlüsselter Form gespeichert wird), sondern bloß eine Streaming-Version.

Letztlich wird es wohl neue Strukturen brauchen, wie beispielsweise das geplante globale Datennetz Respect Network, das am 23. Juni offiziell seinen Dienst aufnimmt. Mitglieder können Apps für die offene Plattform entwickeln, die von Grund auf in Richtung Datenschutz aufgebaut worden ist. Was zu folgenden drei Unterschieden führt: (i) Die Mitglieder besitzen und kontrollieren ihre Daten in einer eigenen Datenwolke. (ii) Datenaustausch findet Peer-to-peer statt. Und (iii) das gesamte Unternehmen wird über die Teilnehmer finanziert, also nicht via Werbung oder Verkauf von privaten Daten.

http://venturebeat.com/2014/05/12/respect-networks-promise-own-your-digital-future/

http://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-2623862/FTC-says-Snapchat-deceived-customers-disappearing-messages.html

http://qz.com/208266/dstrux-promises-email-that-can-self-destruct-in-five-seconds/

Wird das 'Internet der Dinge' gravierende Auswirkungen haben?

Diese Frage stellte das Pew Research Center Analysten, Unternehmern und Technikern. Eine Mehrheit mutmaßt, dass in nur zehn Jahren die Online-Anbindung von Dingen aller Art unser Leben stark beeinflussen wird. Die befragten Spezialisten waren ferner der Meinung, dass in diese Anbindung auch unsere Körper miteinbezogen werden, d.h., all die versprochenen Digitalgeräte (Brillen mit Kameras, Handy-Uhren, Gesundheitsarmbänder mit Überwachungsfunktion, unter die Haut implantierte Chips usw.) werden Teil dieses Datenflusses. Allerdings scheinen wir bei den sogenannten „wearables“ erst ganz am Anfang des Endwicklungsstadiums zu stehen und die allmählich auf dem Markt kommenden Techniken dürften noch für einige Zeit Nischenprodukte bleiben.

Es wurde auch die Befürchtung geäußert, dass wir Bürger immer durchsichtiger werden, wenn selbst unsere Körperfunktionen digital überwacht sind (und daher gehackt werden können) ...

Quelle:

http://bits.blogs.nytimes.com/2014/05/14/some-predictions-about-the-next-decade-from-pew-research/

Lesetipp:

The Naked Future: What Happens In a World That Anticipates Your Every Move, von Patrick Tucker

http://www.amazon.com/The-Naked-Future-Happens-Anticipates/dp/1591845866/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1400153557&sr=8-1&keywords=The+Naked+Future%3A+What+Happens+In+a+World+That+Anticipates+Your+Every+Move

[Walter Braun]
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