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Walter’s Weekly: Wäre ein Rückkauf unserer Privatsphäre denkbar?

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Diese Kolumne macht sich jede Woche auf die Suche nach aktuellen Nachrichten und Entwicklungen der Kommunikationsbranche im angloamerikanischen Raum

Künftiger Luxus: Datenrückkauf

Für Theoretiker der Digitalwelt gilt es als ausgemachte Sache, dass wir unsere Privatsphäre opfern müssen. Im Gegenzug erhalten wir die wunderbare Welt von Google, Facebook & Co. gratis. Gibt es als einzige Alternative dazu bloß digitale Verweigerung? Die Gesetzgeber drängen jedenfalls nicht auf mehr Datenschutz – die liegen mit den Großkonzernen im Bett.

Eine neue Geschäftsidee: Warum sollte jemand, der es ablehnt, in seinem Verhalten systematisch verfolgt zu werden, nicht in der Lage sein, sich die Anonymität zurückzukaufen? Dazu bräuchte es bloß ein spezielles Dienstleistungsangebot: Daten-Detektive schnüffeln meine hinterlassenen digitalen Abdrücke auf und verhandeln dann mit den diversen Online-Verfolgern, die mir auf der Spur sind.

Ein solches Angebot wird umso interessanter, je dichtmaschiger das Netz aus eingebetteten Computern wird, die überall in der Umwelt und in immer mehr Produkten auftauchen. Autos, Kühlschränke mit Online-Anschluss, allgegenwärtige Kameras (eines Tages mit Gesichtserkennung), Kreditkarteneinkäufe ... Milliarden solcher Daten werden ununterbrochen erhoben.

Es gibt Versuche, wie etwa von Whisper, ein anonymes Messaging-Service aufzubauen. Aber wie dicht sind deren gratis gewobene Maschen? Gerüchten zufolge sucht Facebook gerade eine Partnerschaft mit Secret (einem Konkurrenten von Whisper). Hängt Facebooks Geschäftsmodell nicht vollständig davon ab, die werte Kundschaft zu durchleuchten und das Röntgenbild der Werbung anzudienen? Es sollte für Digitalbewohner Alternativen geben...

Quellen:

http://www.mondaynote.com/2014/04/27/science-fiction-mining-my-own-exhaust/

http://www.wired.com/2014/04/whisper-gets-ads/

Strebt auch Apple eine Digitalwährung an?

Kürzlich war an dieser Stelle die Rede von Facebooks Vorstoß in den Zahlungsbereich, der vielleicht langfristig zu einer eigenen Währung führen könnte. Dasselbe Gerücht umschwirrt Apple, und mit gutem Grund. Die iTunes-Geschäfte besitzen atemberaubende 800 Millionen Kundenkonten. Die meisten Transaktionen werden über Kreditkarten getätigt – ein profitträchtiges Geschäft. Was es für Apple nahelegt, den Bezahlvorgang selbst abzuwickeln. Ganz besonders angesichts ihrer dominanten Position im Bereich Handy/Smartphone. Die Idee wäre nicht bloß, an den Finanzabwicklungen anstelle der Banken mitzuschneiden, sondern zusätzlich die gesammelten Daten dieser Transaktionen zu nutzen.

Es ist schwer abzuschätzen, ob eine anfängliche Bezahlplattform ähnlich PayPal oder Google Wallet das Ziel ist, oder ob diese Basis dazu benutzt wird, eine eigene Währung wie Bitcoin anzustreben. Die Nachfrage wäre sicher vorhanden, sowohl seitens des Handels auch der Endverbraucher...

Quelle:

http://www.wired.com/2014/04/its-only-a-matter-of-time-before-apple-becomes-the-next-way-you-pay/

Erstaunliches Werbewachstum in UK

Die Advertising Association und das World Advertising Research Centre haben gerade eine Hochrechnung veröffentlicht, der zufolge die anziehende britische Wirtschaft sich voll auf die Kommunikationsbranche durchschlägt. Der Werbeeinbruch bei den nationalen Tageszeitungen (minus 5 Prozent im vergangenen Jahr) sollte heuer gestoppt werden, und für 2015 ist erstmals seit langem sogar ein kleiner Zuwachs vorhergesagt. Ähnlich die Situation bei den Magazinen, die heuer noch Werbeumsätze verlieren dürften, aber ein Jahr später wieder mit einem Plus rechnen können. Das Werbefernsehen wird vermutlich von der Fußball-WM in Brasilien stark profitieren (plus 6,6 Prozent für 2014 sind prognostiziert).

Im Digitalbereich wird der Vormarsch der mobilen Werbung (Handys, Tablets) nun tatsächlich spürbar: Im kommenden Jahr dürfte sie bereits ein Drittel des Suchmaschinen-Werbemarktes einnehmen. Ein höherer Prozentsatz als in allen anderen Märkten, was aber nicht überrascht, da Großbritannien im Bereich eCommerce seit Jahren weltweit führend ist. Zudem sind eine Reihe von Tageszeitungen im englischsprachen Raum ungemein erfolgreich mit ihren Online- und Mobil-Ausgaben. Die führende „Daily Mail“ erreicht 11 Millionen Leser pro Tag (180 Millionen im Monat), während der „Guardian“ im März erstmals 100 Millionen Leser registrierte, und der „Daily Telegraph“ als Dritter im Bunde kommt immerhin noch auf 72 Millionen Leser pro Monat.

Insgesamt wird dem Werbemarkt heuer ein erstaunliches Plus von 5,5 Prozent prophezeit, das im darauffolgenden Jahr mit 6,5 Prozent Wachstum noch übertroffen werden sollte. Tritt das ein, wird der UK-Werbemarkt 2015 die Schallmauer von 20 Milliarden Pfund (circa 25 Milliarden Euro) erreichen.

Quellen:

http://www.theguardian.com/media/2014/apr/28/britain-advertising-spend-20bn-2015

http://www.adassoc.org.uk/

Online-Rezessionen: magere Meinungsvielfalt

Von Amazon bis zu Reise- und Hotel-Sites: Kundenreaktionen und Nutzer-Kommentare sind zu einem wesentlichen Bestandteil von Geschäftsmodellen und Marken geworden. Aber der Schein trügt in einer gewissen Hinsicht: Anstelle von demokratischer Meinungsvielfalt dominieren einige wenige Kommentatoren. Aktuelle Sozialforschung, die Online-Feedback näher untersucht hat, ist zu dem verblüffenden Schluss gekommen, dass nur ein Prozent der Reviewer den Online-Marktplatz der Meinungen dominieren.

Das spielt durchaus eine Rolle. Bei Restaurants hat man herausgefunden, dass eine Bewertungsverbesserung von 1 Stern zu einem Umsatzzuwachs zwischen 5 und 9 Prozent führt. Der Online-Stadtführer Yelp etwa übt einen großen Einfluss auf Kaufentscheidungen aus; laut einer Nielsen-Erhebung im vergangenen Jahr gaben vier von fünf Yelp-Nutzern an, vor einem Kauf die Website zu konsultieren.

Mehr Daten und Hintergründe zu diesem Thema finden sich hier:

http://nautil.us/issue/12/feedback/one-percenters-control-online-reviews

[Walter Braun]
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