Walter’s Weekly: Auf der Suche nach Kontext b...
 

Walter’s Weekly: Auf der Suche nach Kontext bei der Suche ...

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Diese Kolumne macht sich jede Woche auf die Suche nach aktuellen Nachrichten und Entwicklungen der Kommunikationsbranche im angloamerikanischen Raum

User werden bei der Hand genommen ... Google erzielt nach wie vor den Großteil der Einnahmen durch werbebegleitende Suchen. Der Zusammenhang zwischen Suchkriterium und Werbeplatzierung ist aber oft sehr lose und nicht unbedingt persönlich relevant. Das hat für das mobile Web eine unerwartete Folge, wie das seit einem Jahr auf dem Markt befindliche, israelische Unternehmen Everything.Me aufgedeckt hat: Die durchschnittliche Anzahl von Web-Browser-basierenden Abfragen auf einem Android-Smartphone ist exakt 1,25 pro Tag und Nutzer. Verdammt wenig. Gesucht wird immer noch – nur zusehends weniger im direkten Kontakt mit einer Suchmaschine. Auf Handys beginnt sich also die Art und Weise der Webnutzung stark zu verändern. Nicht mehr kühn ins wilde, weite Web, sondern spezifisch auf die Umstände angepasste Interaktionen. Everything.Me weiß das deshalb so genau, weil ihre Software erlaubt, ein Smartphone persönlich zu konfigurieren – im Gegenzug erfährt das Unternehmen, wer, wo, wann was abfrägt. Was ihnen erlaubt, Kontext-bezogene Vorschläge zu machen, noch ehe der User ahnt, dass er dies oder das sucht. Gerät denkt mit, sozusagen. Ein Trend, auf den anscheinend alle Großen aufspringen, indem sie junge Unternehmen in diesem Bereich aufkaufen, etwa Apple im vergangen Herbst Cue, oder Twitters kürzliche Übernahme der neu gegründeten Firma Cover, was Yahoo postwendend veranlasste, den Konkurrenten Aviate einzuheimsen. Google Now arbeiten schon ein Weilchen an Kontext-sensitiven User-Interfaces und scheinen im Übrigen enge Bande zu Everything.Me zu pflegen. Jüngstes Zusatzangebot: Produktempfehlungen basierend auf Suchabfragen (damit man ja nicht vergisst, was man eigentlich nicht kaufen wollte ;=). Es geht nicht mehr bloß darum, Infos anzubieten, sondern die rechte Information zur passenden Zeit am geeigneten Ort. Die dazu notwendigen Metadaten werfen Mobiltelefone reichlich ab. http://qz.com/205689/context-this-is-what-comes-after-search/ http://blogs.wsj.com/digits/2014/05/06/new-google-now-feature-aims-at-amazon/ http://everything.me/ Totale Transparenz oder Warum Universitäten Microsoft boykottieren könnten Amerikanische Universitäten haben eine ausgeprägte ethische Hürde eingebaut: Forscher müssen Projekte, bei denen sie in irgendeiner Weise mit Menschen zu tun haben, sogenannten Institutional Review Boards vorlegen. Hauptsächlich im medizinischen und biologischen Bereich, aber ebenso in der psychologischen und sozialwissenschaftlichen Forschung. Ein Teil der Auflage ist strenge Wahrung der Anonymität der studierten Personen. Seit nun zu Tage gekommen ist, in welchem Ausmaß die großen Unternehmen der Digitalsphäre mit staatlichen Datenschnüfflern zusammengearbeitet haben, ist auf einigen Unis ziemlicher Ärger zu registrieren. Ganz besonders über Microsoft, die von allen Konzernen am eifrigsten mitgemacht haben und freiwillig Metadaten herausrückten. Einige Unis haben nun Bedenken angemeldet, dass der Einsatz von Microsoft-Produkten (Cloud Computing, Emails, Dokumentverwaltung usw.) unethisch sei und stattdessen alternative Anbieter, die Anonymität garantieren, zu bevorzugen wären. Nun könnte man das als eher akademische Frage abtun. Aber der Wunsch nach mehr Anonymität nimmt so stark zu, dass jüngst sogar Facebook ein kleines Zugeständnis machen musste: Fortan können FB-Nutzer ihre Identität geheim halten, wenn sie Webangebote oder Apps von anderen Anbietern anklicken. Facebooks Geschäftsmodell basiert vollständig auf Transparenz. Der Riese der Sozialen Netzwerke sieht sich aber von einer Reihe neuer Anbieter bedrängt, etwa Apps von Secret, Whisper oder Snapchat (die Gespräche löschen, sobald sie stattgefunden haben). Nur zur Erinnerung: FB wollte Snapchat um 3 Milliarden(!) Dollar aufkaufen – was das junge Unternehmen cool abgelehnt hat. Anonymität ist ein unverzichtbarer Teil unserer Freiheit, zurzeit heftig in der Klemme zwischen erzwungener Online-Transparenz sowie dem verstärkten Überwachungsbegehren seitens Staat/Geheimdienste. Der total gläserne Bürger wird demnächst ein verstärktes Verlangen nach ‚Vorhängen’ kundtun ... http://theconversation.com/using-microsoft-products-may-be-unethical-for-universities-26258 http://theconversation.com/is-facebook-finally-taking-anonymity-seriously-26173 http://www.heise.de/tp/artikel/41/41613/1.html Tageszeitungsgeschäft verschlechtert sich weiterhin Dieser Tage sind zwei gewichtige Erhebungen in den USA veröffentlicht worden: Vom Interactive Advertising Bureau (IAB) der Ganzjahresbericht für 2013 sowie die eigene Erhebung der Newspaper Association of America (NAA). Digitale Werbung ist im vergangenen Jahr kräftig, um 16 Prozent gewachsen und erzielte einen Umsatz von über 46 Milliarden Dollar. Klingt gut, aber die Verlage kämpfen untereinander um einen schrumpfenden Prozentsatz am Werbekuchen: Google gab kürzlich einen Werbezuwachs um 26 Prozent im ersten Quartal 2014 bekannt, während im Segment digitaler Display Werbung mittlerweile Facebook die Nummer 1 ist. Das heißt, während die Einnahmen in Print immer noch schrumpfen, landet von der digitalen Werbung ein fallender Prozentsatz bei jenen, die die Inhalte des Webs erzeugen. Von den 6.200 Millionen Dollar, um die der digitale US-Werbemarkt 2013 zulegte, landeten bloß mickrige 50 bei den Tageszeitungen. Zehn Unternehmen kontrollieren mehr als 70 Prozent des digitalen US-Werbemarktes; unter den ersten Acht befindet sich kein einziges Verlagshaus. Im Segment mobile Werbung (+110 Prozent Zuwachs in nur einem Jahr!) sind die Nachrichtenunternehmen weiterhin schwach. Anmerkung: All den Siegeszügen der Digitalwerbung zum Trotz halten viele Beobachter dieses Instrument für immer noch stumpf. Die Menge an völlig unpassend platzierter Werbung ist nach wie vor groß. Hier eine detaillierte Zusammenfassung sowie zusätzlicher Hintergrund zu der Lage der US-Zeitungen: http://www.pewresearch.org/fact-tank/2014/04/25/as-digital-ad-sales-grow-news-outlets-get-a-smaller-share/ http://www.niemanlab.org/2014/04/the-newsonomics-of-newspapers-mediocre-middle/ Chart der Woche: Armut bedeutet nicht länger Besitzlosigkeit Eine sehr anschauliche Grafik, erstellt von der New York Times, beweist, dass in westlichen Ländern offiziell als ‚arm’ Eingestufte durchaus aktuelle Konsumelektronik wie Smartphones, Fernseher, Computer und ähnliches besitzen, da deren Preise so rapide verfallen. Dieser Trend besteht schon seit den 1980ern. Ein derartiger Preisverfall ist nicht bei Mieten, Energie und Transport zu registrieren, auch nicht bei Dienstleistungen, wo etwa die Kosten für Bildung und Medizin stärker als der Inflationsschnitt anwachsen.

http://www.nytimes.com/2014/05/01/business/economy/changed-life-of-the-poor-squeak-by-and-buy-a-lot.html?ref=us&_r=0 [Walter Braun]
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