Wahlkampf in digitalen Zeiten: Das sagen die ...
 

Wahlkampf in digitalen Zeiten: Das sagen die Experten

Am Montag diskutieren Experten auf einer Veranstaltung des management club über die Bedeutung von digitalen und analogen Medien im vergangenen Wahlkampf.

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Welche Learnings ziehen wir aus dem vergangenen Wahlkampf? Welche Rolle spielen alte und neue Medien dabei? Und was bringt die Zukunft? Zu diesen Fragen diskutierten Marlene Auer, Chefredakteurin des HORIZONT, Politikberater Thomas Hofer, Philipp Maderthaner, Gründer und Geschäftsführer des Campaigning Bureau und Thomas Spann, Geschäftsführer Kleine Zeitung am 6. November auf einer Veranstaltung des management club (mc) in Wien. Moderiert wurde die Diskussion von mc Vizepräsident Alois Grill, CEO und Gesellschafter der LOYS Repositionierungs-Agentur.

Maderthaner verwies zu Beginn darauf, dass die ÖVP mit vielen Grundsätzen der politischen Kommunikation gebrochen habe – etwa mit dem Grundsatz „Positioniere deinen Gegner, sonst positioniert er dich.“ – und trotzdem als Sieger aus der Wahl hervorging. Ähnlich wies auch Hofer auf eine Besonderheit hin: Dem Team Kurz sei es gelungen, eine gute Positionierung zu erreichen, indem man den Slogan „Es ist Zeit.“ mit einer etablierten Partei kombinierte. Christian Kern sei zwar der frischere Kandidat gewesen, Kurz ist bereits länger in der Politik tätig als Kern – dennoch wurde Kern als Teil des Establishments wahrgenommen.

Maderthaner verrät auch konkrete Zahlen zum Budget der ÖVP im vergangenen Wahlkampf: Drei Viertel der Onlinespendings der ÖVP gingen an Facebook, zwölf bis 15 Prozent des gesamten Media-Budgets gingen an digitale Kanäle. Klassische Kanäle sind somit noch immer stark vertreten, aber Digital gewinnt laut Maderthaner an Bedeutung – auch, weil dadurch die Einbindung von interessieren Bürgern damit sehr leicht fällt: Auf Facebook fand die Partei potenzielle Unterstützer, anschließend wurde mit ihnen via Email und WhatsApp Kontakt gehalten.

Journalismus gewinnt an Bedeutung

Auer verwies darauf, dass die Spitzenkandidaten ein starkes Gefühl für das Social Web und das Internet bewiesen haben, sich dies aber nicht in den Zahlen von Focus MR widerspiegelt – das bestätigt auch Spann, laut dem das Leserinteresse zwar groß war: „Aus kaufmännischer Sicht war es aber eher mau,“ sagt er. Auer und Spann verweisen gleichermaßen darauf, dass in Zeiten des Social Webs und den daraus entstehenden Filterblasen die journalistische Arbeit immer wichtiger wird.

„Journalisten dürfen nicht den Temperaturen im Social Web hinterherhetzen, sondern müssen Informationen richtig einordnen und sie sachlich auf den Boden bringen,“ sagt Auer. Spann verweist in diesem Kontext auch auf die Wichtigkeit von regional verankerten Redaktionen.

Eine Gefahr sieht hier auch Hofer: „Viele Journalisten haben sich von der Stimmung in Social Media anstecken lassen“, sagt er. Und die Kompetenz, die Seriosität einer Quelle richtig einordnen zu können, wird immer wichtiger. So werde es bald etwa auch möglich sein, mit einer speziellen Software Bewegtbild zu manipulieren, welche aus bloß 30 Minuten Roh-Videomaterial die Rede eines Politikers täuschend echt fälschen kann.

Lesen Sie am kommenden Freitag mehr zu diesem Thema in der Print-Ausgabe des HORIZONT.
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