Virtuelle Wahl, realer Kauf
 
ViewAR
Die österreichische Firma ViewAR hat schon für zahlreiche Partner das Projizieren etwa von Möbeln in die eigene Umgebung umgesetzt.
Die österreichische Firma ViewAR hat schon für zahlreiche Partner das Projizieren etwa von Möbeln in die eigene Umgebung umgesetzt.

Augmented und Virtual Reality werden zusehends integraler Bestandteil von Marketing und Verkauf, Berührungsängste schwinden.

Das gedruckte Flugblatt ist den Österreichern zwar heilig, die digitale Weiterentwicklung macht aber auch vor diesem Urgestein nicht halt. Einen innovativen Ansatz im Bereich Augmented Reality wählte dabei der österreichische Drucker Leykam gemeinsam mit dem Tochterunternehmen amano media mit der Entwicklung der App papAR, die das Papier beim Blick durch Smartphone oder Tablet zum Leben erweckt. Die Basis ist gedruckter Content wie Bilder, die für Magazine, Broschüren, Flugblätter, Bücher und weitere Printprodukte verwendet werden. Diese Bilder werden mit einem unsichtbaren digitalen Marker versehen und vom Anwender mittels Smartphone-Kamera gescannt. Wird der Marker erfasst, eröffnen sich dem Betrachter neue Inhalte: Beworbene Stofftiere erwachen zum Leben, Produkte werden direkt im Handy- oder Tabletdisplay mit weiterführenden grafischen oder textlichen Informationen beschrieben und animiert dargestellt.

Vertrauen schaffen

Die Berührungsängste der Werbewirtschaft mit der neuen Technologie sind zum Teil allerdings noch da, das Potenzial wird noch nicht ausgenützt. 

 „Für einige Kunden ist es – abseits des Integrierens von URLs – auch der erste diesbezügliche Vorstoß, andere haben zum Teil bereits Erfahrungen mit QR-Codes gemacht“, erzählt Marcus Weywoda, Geschäftsführer von amano media, gegenüber ­HORIZONT, und ergänzt: „Unternehmensintern ist meist daher die größte Barriere die Bildung des Vertrauens, dass für Augmented Reality nicht zeitgleich neue Inhalte zu schaffen sind.“

Heimische Technik punktet

Augmented-Reality-Anwendungen haben in verschiedensten Branchen bewiesen, wie effektiv sie sind, nicht zuletzt deshalb wird schon jetzt von arCommerce gesprochen, wenn es um die nächste Generation des eCommerce geht. Unter dem Motto „Handel ist Wandel“ hat sich etwa Interio vergangenes Jahr den österreichischen Hersteller ViewAR ins Boot geholt und die Interio-AR-App entwickelt, um den Kunden möglichst realitätsnahe Einkaufserlebnisse zu ermöglichen. „Kunden möchten wieder mehr Beratung“, so Interio-Geschäftsführerin Janet Kath, die darauf baut, dass Augmented Reality diese im Vorfeld eines Shopbesuches auf eine spannende Art bieten und so Kunden für das eigene Sortiment gewinnen kann. Aus der Sicht von Interio stellt sich nicht mehr die Frage, ob die neue Technologie einschlagen wird, sondern wie schnell Unternehmen in diesem Segment Lösungen anbieten können. ViewAR hat mit der Umsetzung der Interio-App nicht nur die Visualisierung von Produkten vollzogen, sondern auch eine Anbindung an den Webshop gebaut.

Auch Design-Möbel einzelner Marken, Unterhaltungselektronik von Bang & Olufsen, Klaviere von Steinway, Fitnessgeräte von Kettler und andere Produkte mehr holte ­View­AR – letztes Jahr auch mit dem Wirtschaftsoscar ausgezeichnet – schon ins Zuhause der Betrachter.

Virtuelles Erleben im echten Shop

Die Möglichkeiten für den Einsatz von Virtual Reality sind nahezu unbegrenzt, der – auch finanzielle – Aufwand wächst allerdings mit den Ansprüchen. Der Elektronikhändler Saturn hat etwa in Deutschland vergangenen November mit „Virtual Saturn“ ein virtuelles Einkaufserlebnis für den Shop, aber auch zu Hause gestartet. „Virtual Saturn“ ist eine Shopping-App, die für HTC Vive und Oculus Rift verfügbar ist und demnächst auch für Windows-Mixed-Reality umgesetzt wird. Kunden können dabei mit Hilfe einer VR-Brille zahlreiche Produkte in zwei verschiedenen virtuellen Umgebungen erleben und alle Artikel anschließend kaufen – allerdings mittels Computer, ein integrierter Kaufabschluss in VR ist bisher noch nicht möglich. In Österreich steht die Umsetzung des virtuellen Verkaufskonzepts laut Anfrage des HORIZONT aktuell noch nicht auf dem Plan.

3D-Showroom als Versuchsballon

Für Ikea Deutschland entwickelte die deutsche Digitalagentur Demodern die weltweit erste Produktpräsentation, die es mit Virtual Reality ermöglicht, Produkte in einem 3D-Showroom interaktiv zu erleben. In ausgewählten Einrichtungshäusern können Kunden mit der VR-Brille Oculus Rift Räume zum Leben erwecken und neue Wege der Inspiration und Kreation einschlagen. Die „Virtual Home Experience“ steht im Zentrum eines Raumes für neue Wohnideen, der es Kunden ermöglicht, verschiedene Möbel und Materialien zu kombinieren und zu erkunden. Im virtuellen Ikea-Showroom können Kunden Möbel in Echtzeit konfigurieren. Materialien, Texturen und Wandfarben sind änderbar – und ein Tageszeitwechsel ermöglicht es, Produkte in unterschiedlichen Lichtstimmungen zu vergleichen. Es geht aber auch abseits einzelner Hightech-Cases. Neben der Print- und Online-Version des Katalogs bot Ikea schon letztes Jahr eine neu designte Katalog-App, die etwa auch auf Apple TV läuft. Dank der 360°-Ansichten von Räumen in VR und der AR-Funktion hat das Möbelhaus bewiesen, dass mit der Integration neuer Technologie, wenn gewollt, auch ganze Möbelhäuser direkt in das Wohnzimmer von Kunden gepackt werden können.

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