Vier Herausforderungen für die ÖWA
 

Vier Herausforderungen für die ÖWA

ÖWA

Diese großen Themenkomplexe prägen die Österreichische Webanalyse aktuell. HORIZONT analysiert den Status quo – von Austritten bis ePrivacy.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 17/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

1. Austritte: Stehen der ÖWA in naher Zukunft weitere Austritte bevor?

„Es ist wieder Ruhe eingekehrt“, meint die neue ÖWA-Geschäftsführerin Angela Schuh-Haunold gegenüber HORIZONT. Als die Unternehmensberaterin im Jänner ihren Posten antrat, war das Fahrwasser, in dem sich die ÖWA befand, lange noch nicht so ruhig. AboutMedia und Purpur- Media, das sich nun von Reppublika Ratings+ aus dem Hause MindTake Research ausweisen lässt, werden seit Dezember nicht mehr in der ÖWA Basic geführt. sd one und Goldbach konnten an Bord gehalten werden. Im Styria-Haus machte man den Verbleib, den Geschäftsführer Alexis Johann auf „einen mit der ÖWA definierten Zeitraum“ datierte, von der Umsetzung angekündigter Veränderungen abhängig. Daran habe sich seither auch nichts verändert, hieß es von sd one. „Styria Digital One und Goldbach Audience sind ja wie bekannt nicht ausgetreten, worüber die Branche erleichtert reagiert hat“, resümiert ÖWA-Präsidentin Gerlinde Hinterleitner. „Weil eine kontrollierte, qualitativ hochwertige und seriöse Messung, die eine sehr gute Marktabdeckung erreicht, im Interesse der Onlinebranche liegt. Daran arbeitet die ÖWA auch intensiv im heurigen Jahr sowie in den letzten 20 Jahren.“

Derzeit scheint die Lage für die ÖWA also entspannt, ein großes Fragezeichen bedeutet dagegen die Rolle von Reppublika. MindTake-Gründer Klaus Oberecker gab erst kürzlich eine ambitionierte Marschroute aus: „In drei Jahren wollen wir Reppublika als Standard-Analyse und -Marktforschungstool in Österreich, aber auch weltweit, ausgerollt haben.“

2. International: Wie steht die Österreichische Webanalyse international da?

An der Ausweisung von rein österreichischen Klicks hat die ÖWA zuletzt verstärkt gearbeitet. Die Flohmarkt- App Shpock stellte im Rahmen des geplanten ÖWA-Plus-Beitrittes seine Messung auf Österreich only um. Die großen Player wie etwa Facebook nehmen an nationalen Ausweisungen nicht teil.

ÖWA-Präsidentin Gerlinde Hinterleitner betont gegenüber HORIZONT vor allem die starke Verbindung mit den Nachbarländern, auch in technologischer Hinsicht: „Im österreichischen Markt ist die ÖWA die etablierte Institution für Transparenz und Standards in der digitalen Werbeträgerforschung. Einer ähnlichen Aufgabe kommt in Deutschland die AGOF für die ÖWA Plus, die IVW für die ÖWA Basic und in der Schweiz NET-Metrix nach. Dabei verbindet die Nachbarverbände nicht nur die Sprache, sondern auch eine ähnliche Methode und Kennzahlen.“ Die ÖWA stehe im regen Austausch mit den jeweiligen Geschäftsstellen, um sich auch immer wieder abzustimmen. Zudem richte man sich in der Definition der ÖWA-Kennzahlen nach internationalen Standards.

3. Media Server: Gibt es für die ÖWA einen Weg zurück in den Media Server?

Seit dem Austritt der ÖWA aus dem Media Server im April 2017 drehen sich viele Fragen um einen möglichen Wiedereinstieg. Zahlreiche Anstrengungen wurden unternommen, um die ÖWA wieder ins Boot zu holen. Ende November sah es noch nach Tauwetter aus, als ÖWA-Präsidentin Gerlinde Hinterleitner eine Einladung der Interessensgemeinschaft der Media Agenturen (IGMA) annahm, um „ein Paket zu schnüren, damit wir wieder eintreten können.“ Zwei Wochen zuvor hatte Media- Analyse-Präsident Helmut Hanusch noch im HORIZONT resümiert, die Zukunft hänge „an einer vernünftigen Währungsstudie für Online, sonst ist der Media Server tot.“ Mittlerweile ist auch die Media-Analyse ausgestiegen. Hanusch sprach in seiner Begründung unter anderem auch die ÖWA an: „Die Bedingungen der ÖWA für einen Wiedereintritt waren diametral zu dem, was wir Printvertreter wollten“, so Hanusch. „Wir waren als Media-Analyse der Ansicht, dass das weitere Ausarbeiten von Kompromissen nicht zielführend wäre und wir stattdessen unsere Erhebung selbst stärken wollen.“

„Die ÖWA hat intensive Gespräche zu einem Wiedereintritt geführt. Allerdings herrscht seit der Bekanntgabe des Austritts der Media-Analyse Stillstand, wie es mit einer möglichen Zusammenarbeit weitergehen könnte“, fasst Hinterleitner gegenüber HORIZONT die aktuelle Lage zusammen.

4. Datenschutz: Macht die ePrivacy- Verordnung der ÖWA das Leben schwer?

Artikel 8 Absatz 1 im ursprünglichen Entwurf der ePrivacy-Verordnung machte die ÖWA nervös: Die Cookie- Nutzung zur „Messung des Webpublikums“ wurde zwar erlaubt, aber nur für den Betreiber selbst. Mittlerweile hat die bulgarische EU-Ratspräsidentschaft einen neuen Entwurf vorgestellt. Nun dürfte auch eine dritte Seite im Auftrag des Betreibers das Publikum messen, sofern der Auftragsmessdienstleister die DSGVO einhält, also etwa DSGVO-konformen Datenumgang garantiert und die Daten nicht weitergibt. „Die ÖWA wird bei der Messung als Auftragsverarbeiter des Publishers tätig. Die Messung stellt somit einen Anwendungsfall der First-Party-Webanalyse dar oder soll sogar im öffentlichen Interesse durchgeführt werden können und wäre somit ausgenommen vom Verbot, ohne Zustimmung zu messen und zu verarbeiten. Aber wir warten – so wie die gesamte Branche – was denn da tatsächlich kommen wird“, sagt ÖWA-Präsidentin Hinterleitner.

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